Stadt und RMV

Sammeltaxis sollen als Pilotprojekt für Frankfurts Norden kommen

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Sammeltaxis sollen in Frankfurt künftig in mehreren Stadtteilen Bus und U-Bahn ergänzen, so eine Idee der Stadt. Der RMV arbeitet schon an einem konkreten Plan. (Symbolbild)

In vier nördlichen Stadtteilen Frankfurts könnte der Nahverkehr in Zukunft aus Sammeltaxen oder Rufbusse bestehen. Die Stadt möchte hier ein Pilotprojekt des RMV umsetzen.

Frankfurt – Es seien zwei grauenhafte Wochen gewesen, sagt Carmen Treulieb. Zwei Wochen lang sei der Stadtteil Harheim "vom Nahverkehr abgeschnitten" gewesen, während die Busfahrer streikten. 1,5 Kilometer zur nächsten S-Bahn-Station sei für viele ältere Menschen ein zu weiter Fußweg. Sechs Kilometer zur U-Bahn erst recht.

"Wir fühlen uns völlig allein gelassen von der Verkehrspolitik", liest die Journalistin und Bloggerin am frühen Dienstagabend den Stadtverordneten im Verkehrausschuss die Leviten. Sie fordert ein neues Nahverkehrsangebot für Harheim und die anderen Stadtteile ohne Anschluss an S- und U-Bahn - und zwar das Ride Sharing.

Sammeltaxi in Frankfurt: Bequem per App bestellen

Der Begriff steht für Sammeltaxen und Rufbusse, die bequem per Smartphone-App bestellt werden. Erst kürzlich hatte sich mit Clevershuttle der einzige Anbieter aus Frankfurt zurückgezogen. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sieht Privatanbieter hier kritisch, befürchtet Konkurrenz für Bus und Bahn. Als deren Ergänzung aber kann er sich das vorstellen.

Das erklärt er auch Carmen Treulieb. Und kündigt an: Die Stadt würde gern ein Pilotprojekt für ein solches Rufbus- oder Sammeltaxi-System umsetzen.

Sammeltaxis in Frankfurts Norden: RMV arbeitet an Konzept

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) arbeite gerade an einem Konzept, sagt Oesterling. In der Innenstadt sei ein solches Angebot zwar "nicht zielführend", "aber im Übergangsbereich zum ländlichen Raum können wir uns das vorstellen." Konkret: für Harheim, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach, Kalbach. Wann so etwas umgesetzt werden könnte, sagt er aber nicht.

Linke unterstützt Idee von Sammeltaxis in Frankfurt als ÖPNV-Alternative

Unterstützung bekommt Oesterling von der Linken: "Wir können nicht erwarten, dass die Leute vom Auto umsteigen, wenn der Nahverkehr nicht zuverlässig ist", spielt Verkehrsexperte Martin Kliehm (Linke) auf den jüngsten Streik an. Deshalb sei es wichtig, Bürgern neue Mobilitätsangebote zu machen. "Zu glauben, damit Streikfolgen zu vermindern, ist illusionär", schränkt Oesterling ein. Arbeitskampf gehöre zur Demokratie, die Stadt agiere nicht als Streikbrecher.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann


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