S-Bahntunnel wird im Sommer gesperrt

Mehr Platz bei dichterem Takt

Frankfurt - Menschen, die mit dem modernen S-Bahnzug vom Typ ET 430 unterwegs sind, verbrauchen pro 100 Kilometer nur so viel Energie, wie in einem Liter Benzin steckt. Damit noch mehr Leute umsteigen, wird der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sein Angebot verbessern. Aber es gibt ernste Probleme.  Von Michael Eschenauer

Erhöhung der Platzkapazitäten durch längere Züge um 15 Prozent, zusätzliche Fahrten zum Flughafen sowie ein Halbstundentakt an Sonn- und Feiertagen ab 7.30 Uhr auf den zum Teil besonders die Region um Offenbach abdeckenden S-Bahnlinien S1 bis S6 und S8 und S9 - so sehen die Verbesserungen im neuen Fahrplan des RMV aus. Er gilt, ebenso wie der neue S-Bahnvertrag mit der Bahn AG, ab 14. Dezember. Jedes Jahr, so der Sprecher der Geschäftsführung des Nahverkehrsverbunds, Knut Ringat, werde man ab sofort mehr als 300 Millionen Euro in den Betrieb der S-Bahnen investieren - und das 15 Jahre lang. Auch der Konzernbevollmächtigte der Bahn in Hessen, Klaus Vornhusen, zeigte sich zufrieden mit dem neuen S-Bahnvertrag. Man setze durch die erneuerte Zusammenarbeit ein Zeichen für den Standort Hessen.

Ringat zeigte sich erfreut, dass die Mehrleistungen ohne zusätzliche Ausgaben erreicht werden. Man habe die Effizienz gesteigert. Insgesamt steigen die bei der Bahn bestellten S-Bahnkilometer um eine Million auf 14,7 Millionen. Bei den Regionalbahnen wurden 800.000 Kilometer mehr bestellt. Hier werden künftig 25,8 Millionen Kilometer gefahren.

Von den 91 georderten neuen S-Bahnen vom Typ ET 430 seien mittlerweile 88 eingetroffen, so Ringat. Deren Spitzengeschwindigkeit liegt nach Angaben von Peter Rumpf, Leiter der S-Bahn Rhein-Main, bei 140 Stundenkilometern, gleichzeitig verbrauchen sie 40 Prozent weniger Energie. In allen Zügen soll künftig mehr Personal mitfahren, in den S-Bahnen werde die Zahl der Kontrolleure nach dem Vertrag mit der Deutschen Bahn um 40 Prozent erhöht. Das diene auch dem Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, sagte Ringat.

Am Rande der Pressekonferenz war zu erfahren, dass weiter am „Nachbarschaftsticket gearbeitet werde, aber bislang noch nichts entschieden sei. Die Neuerung, die wie berichtet zunächst nur für Kunden mit Smartphone eingeführt werden könnte, würde unverhältnismäßig hohe Preise bei Fahrten über Tarifgrenzen entschärfen weil sie sich an der tatsächlich gefahrenen Distanz orientiert.

90 Millionen Euro will man bis 2018 in den zentralen S-Bahntunnel in Frankfurt investieren. Hier wird die Stellwerkstechnik komplett erneuert. 154 Signale und 34 Weichen werden ausgewechselt, 120 Kilometer Kabel neu verlegt. Gisbert Brauner, Leiter Betrieb und Fahrplan bei der DB-Netz AG, kündigte an, dass die Arbeiten im kommenden Jahr zunächst in den Nachtstunden und dann vom 25. Juli bis 26. August ganztägig stattfinden. Gesperrt wird dann der Abschnitt Frankfurt-Hauptbahnhof - Mühlberg.

Auf der Odenwaldbahn (RMV-Linien 64 und 65) wird mit dem Fahrplanwechsel das Platzangebot bei dem besonders von Studenten nachgefragten Zug um 7.25 Uhr ab Frankfurt-Hauptbahnhof um 119 Sitzplätze erhöht. Der Nachtbus n71 fährt nun täglich statt wie bisher nur am Wochenende.

Neu ab Dezember ist auch die Nachtbuslinie n72 zwischen dem Flughafen und Neu-Isenburg, die ebenfalls täglich verkehrt. In Neu-Isenburg besteht eine Umsteigemöglichkeit zur n71 Richtung Darmstadt. Damit, so die RMV-Manager, schaffe man Fahrtmöglichkeiten für die Beschäftigten am Flughafen, deren Arbeitsbeginn sehr früh am Morgen liege.

Gleisbaustelle in Frankfurt (Archiv)

Gleisbaustelle in Frankfurt

Die stolzen Vorhaben werden allerdings durch Kürzungen von Seiten der Bundesregierung bedroht. Grund ist das Einfrieren der Bundesmittel für den Regionalverkehr auf 7,3 Milliarden Euro für die gesamte Republik ab 2016. Bisher stieg dieser Posten jährlich um 1,5 Prozent. Ringat forderte gestern nicht nur, die Dynamisierung, mit der Kostensteigerungen aufgefangen würden, beizubehalten, sondern sie auf zwei Prozent hochzufahren. Derzeit erhält der RMV 415 Millionen Euro aus den Regionalisierungsmitteln.

Um die Aufgaben des RMV künftig erfüllen zu können, müsse im Übrigen die Fördersumme auf 8,5 Milliarden Euro angehoben werden, so der RMV-Chef. Dies würde das Kontingent der Bundesmittel für den RMV um 72 Millionen Euro erhöhen. Geschehe dies nicht, müsse man das Verkehrsangebot einschränken und die Preise erhöhen. Spätestens bis zum Februar müsse Klarheit herrschen, so Ringat, weil dann die neuen Leistungen bei der Bahn bestellt würden.

Quelle: op-online.de

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