Nachwuchs-Ingenieure basteln an Aussichtsplattformen

Der schiefe Turm von Dieburg

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Jessica Bez und Lukas Zimmermann von der Rodgauer Heinrich-Böll-Schule schafften es mit ihrem „Trown Tower“ auf einen ersten Platz. Zwei Wochen lang werkelten die beiden daran.

Frankfurt - Das Bedürfnis, alles im Blick haben zu wollen, ist historisch belegbar: So boten Türme stets eine Möglichkeit, anrückende Feinde frühzeitig erspähen zu können. Heute ermöglichen Aussichtsplattformen interessante Perspektiven. Von Khang Nguyen

Das gilt auch für den jährlichen Schülerwettbewerb „Weitblick“ der Ingenieurkammer Hessen. In der Frankfurt University of Applied Sciences waren auch Schüler aus der Region erfolgreich. Seit 2007 möchte die Ingenieurkammer das Interesse an technisch versierten Tätigkeiten und Berufsfeldern wecken. Diesmal nahmen mehr als 600 Kinder und Jugendliche aus 54 hessischen Schulen teil. Die Aufgabe: 80 Zentimeter hohe Aussichtstürme planen und als Modell nachbauen. Die Aussichtsplattform musste zudem einen Belastungstest von einem Kilo, dargestellt durch einen Sandsack, standhalten - ein wichtiges Kriterium, an dem viele der 248 Modelle scheiterten.

Tragwerks-Professor Klaus Fäth kennt hierfür den Grund: „Fast alle Türme folgen einer bestimmten Gesetzesmäßigkeit: Die Höhe des Turms ist sieben Mal so groß wie das Fundament.“ Höher beziehungsweise am Bodensegment schmaler zu bauen würde die Standfestigkeit des Turmes beeinträchtigen. Zudem wurden Originalität, Konstruktion und Gestaltung, aber auch Verarbeitungsqualität und die Einhaltung der Abmessungen und Materialien bewertet.

Die Kunstwerke tragen außergewöhnliche Namen wie „7-up-up-up“ oder „Step by step“. Unter den Teilnehmern waren unter anderem die August-Bebel-Schule aus Offenbach und die Montessori-Schule aus Mühlheim. Zu den Gewinnern gehörte die Landrat-Gruber-Schule aus Dieburg, die mit dem „Schiefen Turm von Dieburg“ den dritten Platz in der Kategorie II (ab Klassenstufe 9) belegte.

Jessica Bez und Lukas Zimmermann schafften es mit ihrem „Trown Tower“ sogar auf den ersten Platz in der Kategorie I (bis Klassenstufe 8): Zwei Wochen lang arbeiteten die beiden Schüler der Heinrich-Böll-Schule aus Rodgau an ihrem Projekt, das zunächst ein Leuchtturm werden sollte. „Es ist aber schwierig, mit Holz etwas Rundes zu bauen“, gibt Lukas (14) als Grund für die Umplanung an. Auch bei der Konstruktion selbst hätten die beiden Probleme gehabt: „Vor allem die Mittelstreben waren schwierig anzubringen“, erklärt die Jessica (15). Dennoch sei das Material wunderbar, um damit arbeiten zu können, findet Lukas. Eventuell möchte er später einen Beruf ergreifen, in dem er mit Holz arbeiten kann; Jessica ist sich noch nicht sicher.

Die Eugen-Kaiser-Schule aus Hanau ging dagegen mit einem Sonderpreis nach Hause: Professor Hans Rainer Ludwig lobte das äußerst stabile und zugleich tolle Design des „Minas Morgul“. Jonas Gemroth, Lukas Riese und Robin Wern erhielten hierfür jeweils 50 Euro. Für Jessica Bez und Lukas Zimmermann geht es nun mit 250 Euro Taschengeld in die Hauptstadt: Auf Bundesebene treten sie am 12. Juni mit ihrem „Trown Tower“ gegen die Sieger aus anderen Bundesländern an. Über ihre Chancen macht sich das Duo keine Gedanken: „Ich war noch nie in Berlin - das wird super“, sagt Lukas.

Quelle: op-online.de

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