Junge Muslime angeworben

Schüler zum IS geschickt - Dreieinhalb Jahre Haft

Frankfurt - Ein Anhänger der radikalislamischen Terrororganisation IS, der einen 16 Jahre alten Schüler in den syrischen Bürgerkrieg schickte, ist am Freitag in Frankfurt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Mit ihrem Urteil ging die Staatsschutzkammer des Landgerichts Frankfurt am Freitag noch um ein Jahr über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Der 29-Jährige wurde wegen Beihilfe zu einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt.

Der 29-Jährige hatte in dem seit April laufenden Prozess die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. Er sei davon ausgegangen, dass sein junger Bekannter an der türkischen Riviera seine Familie besuchen wollte, sagte er.

Die Richter glaubten dem Angeklagten nicht. Die kriminelle Energie, mit der der Angeklagte zwischen 2011 und 2016 junge Muslime für den Einsatz im Bürgerkrieg zu gewinnen versucht habe, sei immens, so das Gericht. Er habe über einen längeren Zeitraum in Deutschland Strukturen geschaffen, um junge Muslime für den Einsatz im bewaffneten Kampf zu gewinnen. Dem 16-Jährigen habe er nicht nur das Flugticket in die Türkei beschafft, sondern es auch noch bezahlt.

Streit um mögliche Bundeswehr-Beteiligung am Syrien-Krieg

Für den Schüler endete die Reise in das Bürgerkriegsland tödlich: Kurz nach seiner Ankunft wurde er Anfang 2014 in der Nähe von Aleppo erschossen.

Das Gericht sah zudem Anhaltspunkte dafür, dass auch Geld zum Kauf von Waffen geflossen sei. Die Beihilfe liege deshalb "nahe an einer Anstiftung" und müsse entsprechend härter bestraft werden, hieß es im Urteil. 

Der Verteidiger, der Freispruch gefordert hatte, sprach nach der Urteilsverkündung von der "Verurteilung eines Unschuldigen". Er werde Revision gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof einlegen. Der 29-Jährige war im März auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen wurden, als er versuchte, in die Türkei zu reisen. Seitdem saß er in Untersuchungshaft. (dpa)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare