Dringend gebraucht

Sigmund-Freud-Institut in renoviertes Haus eingezogen

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Vor rund zehn Jahren sollte es geschlossen werden, nun wurde das Sigmund-Freud-Institut renoviert und erweitert. Das Foto zeigt den Leiter der Bibliothek, Dirk Schildt. 

Frankfurt - Vor etwa zehn Jahren sollte es geschlossen werden, nun wurde das Sigmund-Freud-Institut renoviert und erweitert. Psychoanalyse wird dringend gebraucht, betonen die Wissenschaftler – unter anderem zur Betreuung traumatisierter Flüchtlinge. Von Sandra Trauner

Raus aus dem Elfenbeinturm, ran an die Probleme der Gegenwart. Das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut (SFI) will sich in seinen neuen, größeren Räumen noch stärker gesellschaftlich engagieren. „Wir können uns nicht hinter die Couch zurückziehen“, sagt Professorin Marianne Leuzinger-Bohleber, die zusammen mit Rolf Haubl das international angesehene Forschungsinstitut leitet. Das Konzept: „Aufsuchende Psychoanalyse“, unter anderem in Schulen und Flüchtlingsheimen.

Nach Jahren des Exils in Räumen der Goethe-Universität kehrt das SFI zurück in sein blau gekacheltes Stammgebäude im Westend. Das denkmalgeschützte Haus in der Myliusstraße war für 5,6 Millionen Euro renoviert und erweitert worden. Wo früher ein Parkplatz war, steht nun ein Neubau mit Hörsaal, Bibliothek und Begegnungsräumen. Der „Waschküche“ genannte Altbau beherbergt die Behandlungsräume. Gestern wurde das neue Gebäude mit einem Festakt eröffnet, an dem unter anderem Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) teilnahm. 2004 stand das SFI kurz vor der Schließung. Hunderte Wissenschaftler aus aller Welt protestierten und verhinderten das Aus. Mit dem Neubau sind die Wissenschaftler vor neuen Versuchen, das Institut einzusparen, wohl erstmal gefeit.

Sie forschen beispielsweise über Traumata, Gewalt und Depression. Sie bewerten Methoden der Psychoanalyse, entwickeln Konzepte zur Frühprävention und beziehen dabei auch Erkenntnisse der Neurowissenschaften ein. In seiner Ambulanz hilft das SFI bei akuten seelischen Krisen. Neu ist eine Flüchtlings-Ambulanz: Traumatisierte Helfer und Migranten werden vorgezogen und sofort betreut, sagte Leuzinger-Bohleber. „Wir haben viel Erfahrung mit Traumatisierung.“ Zwei Patienten hätten sich schon gemeldet, es seien „schwerst traumatisierte Jugendliche aus Syrien“.

Auch in Schulen will sich das SFI angesichts der vielen Flüchtlinge stärker engagieren, vor allem in der Lehrerfortbildung: „Lehrer sollten eine Ahnung haben, wie traumatisierte Kinder aussehen, wenn die Flüchtlingskinder in ihre Klassen kommen.“

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Das Institut wurde 1959 auf Anregung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gegründet. Erster Direktor war Alexander Mitscherlich, der Psychoanalyse mit Sozialpsychologie verband. Unter seiner Leitung bekam das Institut seinen heutigen Namen und wurde „zum wichtigsten Ausbildungszentrum für Psychoanalytiker in Deutschland“, wie es in der Selbstdarstellung des SFI heißt.

1995 wurde das SFI in eine Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt. Heute widmet es sich ausschließlich der Forschung; die Ausbildung übernahm das Frankfurter Psychoanalytische Institut. Das Anna-Freud-Institut kümmert sich um Kinder-Psychotherapie, ein Arbeitskreis beschäftigt sich mit psychoanalytischer Pädagogik, Ambulanzen helfen bei Krisenfällen. Bisher waren sie alle in verschiedenen Gebäuden untergebracht. „Es entstand der Wunsch, auch räumlich vermehrt zusammenzurücken“, sagt Veraltungsleiterin Panja Schweder. Die Einzelinstitute bleiben zwar unabhängig, aber „im neuen Gebäude ist Raum, um alle psychoanalytischen Institutionen unter einem Dach unterzubringen“.

Das SFI hat heute nur noch acht fest angestellte Wissenschaftler, aber 60 Forscher, die über Drittmittel finanziert werden. „In der ,Waschküche‘ geht es zu wie im Bienenstock“, sagt die Direktorin.

dpa

Quelle: op-online.de

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