Frankfurter Goethe-Universität

Wohnungsnot trifft Studenten: Zu Semesterbeginn stranden viele in der Asta-Notunterkunft

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Marcel will in Frankfurt studieren und übernachtet vorerst beim Asta. Foto: tjs

Neu in der Stadt, keine Kontakte, wenig Geld und nirgends eine Wohnung: Das Problem haben Studienanfänger bald wieder. Deshalb gibt es das „Indoor-Camp“ des Asta geöffnet. 

Frankfurt - „Mieten? Ja wat denn?“ ist eine schon einige Jahre laufende Aktion des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Goethe-Universität. In der Woche vor Beginn des Semesters können Erstsemester im Studierendenhaus schlafen und von hier aus ein Zimmer in Frankfurt suchen. Die Erfolgsaussichten sind bescheiden. 

„Manche suchen schon ein halbes Jahr und finden nichts“, sagt Marco M. Der 24-jährige Einzelhandelskaufmann will ein Studium beginnen. Jetzt ist er einer von etwa 30, die im Indoor-Camp untergekommen sind. „Es gibt immer etwas Wechsel“, sagt Asta-Vorsitzende Kyra Beninga. Mit Schlafsack und Isomatte können die Neulinge hier eine Woche schlafen – während sie sich auf den Beginn des Studiums vorbereiten und eine Unterkunft suchen.

Große Konkurrenz für Studenten bei Wohnungssuche in Frankfurt

Beninga beschreibt die Lage: „Eine Studentin war nach Frankfurt gekommen, hatte an zwei Tagen je fünf Wohnungsbesichtigungen und hat keine Wohnung bekommen.“ Sie schläft jetzt im Camp. Zwar seien in den vergangenen Jahren einige private Wohnheime für Studenten entstanden, doch die sind sehr hochpreisig. „Das Schlimme ist, dass sie von der Stadt und dem Land die Grundstücke bekommen haben, verkauft nach Preis und nicht nach Konzept.“ Diese Grundstücke fehlten für günstige Studentenwohnungen, wie sie das Studentenwerk, aber auch Einrichtungen wir Kirchen und Stiftungen anbieten. 

„Casting“ in der WG Marco M. – seinen Nachnamen will er nicht nennen, weil er nicht will, dass jemand seinen Namen googeln kann – ist schon einige Wochen in Frankfurt. „Ich habe zwei Wochen bei Freunden verbracht, jetzt bin ich hier.“ Eine Wohnung hat er noch nicht gefunden. 

Nach Frankfurt pendeln ist für viele Studenten keine Option

Einige Casting-Runden für freie Plätze bei Wohngemeinschaften hat er hinter sich, doch wie so oft – wenn auf ein Zimmer sieben Bewerber kommen – hat er das Zimmer nicht bekommen. „Ich schaue auch nach ganzen Wohnungen, denn: Vielleicht könnte ich mit Freunden selbst eine WG eröffnen.“ Nur stand er in Konkurrenz zu jungen Familien mit geregeltem Einkommen, und da war für die Vermieter die Entscheidung klar. 

Der Start in Frankfurt und auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt verläuft holprig für den Studenten aus Nordhessen. „Ich bin optimistisch. Notfalls bleibe ich zu Hause wohnen, bei meiner Mutter, und nehme täglich rund drei Stunden Pendelzeit hin.“ Nur: Wer studiert, einen Job braucht und dann noch pendelt, für den reichen 24 Stunden pro Tag nicht, fürchtet er.

Studenten-Rekord an den Hochschulen in Frankfurt

Marcel würde jedes Zimmer nehmen, stellt keine Ansprüche. Allerdings liegt sein Mietlimit bei 300 Euro im Monat. Damit bekommt man in Frankfurt kaum etwas. Schon ein Platz in der WG kann leicht das Doppelte kosten. Da bleibt nur das Studentenwerk. Warteliste für die Zimmer Etwa 3000 Studenten stehen auf der Warteliste für einen der 2663 Plätze in einem Wohnheim des Studentenwerks. 

„Bis zu einem Jahr muss man warten“, sagt Sprecherin Sylvia Kobus. Mit weiteren geförderten Wohnheimen – etwa der Kirchen oder von Wohnungsbaugesellschaften – gibt es in Frankfurt 4486 geförderte Zimmer. Das ist eine Quote von 7,3 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei neun Prozent. Frankfurt hat noch aufzuholen.

Im kommenden Wintersemester werden an der Goethe-Universität 46 246 Studenten gezählt, davon 8125 Erstsemester. An der University of Applied Sciences sind es 15 623, davon 2881 Erstsemester. Wieder ein Rekord.

Der Asta fordert eine neue Wohnraumpolitik für Frankfurt."Die Situation auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt wird fortwährend prekärer", sagt die Vorsitzende. Ein neues Wohnheim, das bis Frühjahr 2020 in Bockenheim ensteht, soll Abhilfe schaffen,berichtet die Frankfurter Neue Presse.* 

*Die Frankfurter Neue Presse ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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