Diebstahl

Unglaublich: Alle zwei Stunden wird ein Rad in Frankfurt geklaut

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Alltag in Frankfurt: Ein Fahrraddieb schneidet ein Bügelschloss durch. 3785 Mal geschah es zuletzt. Der Sommer ist die Hochzeit der Fahrraddiebe.

Ganoven haben es zunehmend auf Fahrrad-Akkus abgesehen - die Aufklärungsquote bei geklauten Rädern in Frankfurt ist sehr gering.

Frankfurt - 3785 Fahrräder sind im vergangenen Jahr in Frankfurt gestohlen worden. Das sind fast elf pro Tag, fast alle zwei Stunden eines. Schockierend niedrig ist bei Fahrraddiebstählen die Aufklärungsquote. Nur 6,8 Prozent werden aufgeklärt. Die Chance, ein gestohlenes Rad zurückzubekommen, ist also sehr gering.

"Wir kaufen in Frankfurt kein neues Rad mehr. Das ist völlig sinnlos", sagt Katja G. aus Praunheim. Ihre Tochter (16) und ihr Sohn (18) haben alleine an ihrer Schule, der Bettinaschule im Westend, drei Räder im Lauf der vergangenen drei Jahre gestohlen bekommen. "Es waren relativ neue, hochwertige Räder, die alle ordentlich abgeschlossen waren", so Katja G.

Zuletzt wurde ihrem Sohn das Rad an der U-Bahn-Haltestelle in Praunheim gestohlen. Vier Wochen später, als er wieder in die U-Bahn stieg, sah er den Dieb mit seinem Rad in der Bahn und sprach ihn an. An der nächsten Station flüchtete der Ganove, ließ das Rad aber zurück.

Diebstahl von Fahrrädern: Leichte Besserung

Wie die polizeiliche Statistik ausweist, sind 2017 noch einmal zehn Prozent mehr Räder gestohlen worden als 2018. Viele Räder, so die Polizei, werden zerlegt und die Einzelteile über Online-Portale verkauft. Kaum möglich, die Spur zurückzuverfolgen - was bei kodierten Fahrradrahmen zumindest noch möglich ist.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und die Polizei kodieren die Räder. Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt, hat noch mehr Tipps: "Manche Besitzer hochwertiger Räder bringen Aufkleber an oder versuchen mit anderen Mitteln den Eindruck zu stören, es sei ein neuwertiges Rad." Denn: Profidiebe zielen auf neue und teure Räder ab.

Alex Röckl, der im Freiwilligen Polizeidienst mithilft und zuletzt in Sachsenhausen auf dem Paradiesplatz Tipps gab, rät: "Am besten nimmt man zwei stabile Schlösser und befestigt beide je am Rahmen und an einem Metallbügel." Straßenverkehrsschilder seien auch sicher. Am besten, rät er noch, mit dem einen Schloss das Vorder- und mit dem anderen das Hinterrad sichern. So mache man es Dieben so schwer wie möglich.

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Röckl stellte fest: "Schlimm zugenommen hat der Diebstahl von Elektrorädern." Denn diese Räder kosten von vornherein schon rund 2000 Euro, sind also hochwertiger. Giebeler bestätigt den Eindruck, dass Diebe sich hochwertige Räder aussuchen - und da haben die Besitzer von Pedelecs oder E-Bikes klar das Nachsehen. Daneben gebe es den klassischen Beschaffungsdiebstahl auch alter Mähren, ausgeführt von Drogenabhängigen, die den schnellen Euro bräuchten. Profis lassen alte Räder stehen.

Beute von Ganoven: Hauptsache teuer

Weder Giebeler vom ADFC noch Röckl von der Polizei können den Eindruck bestätigen, dass Diebe bestimmte Marken klauen. "Die Diebe sehen aber genau, welches Rad viel Geld bringt", sagt Giebeler. Röckl berichtet: "Ganz schlimm ist der Diebstahl der Akkus. Denn die Sicherheit in der Befestigung ist nicht ausreichend. Ordentlich festketten kann man den Akku auch nicht - es fehlt die Metallarmierung im Kunststoff." So bleibe nur, den Akku abzunehmen, und wer mache das schon konsequent? Immerhin 700 Euro, berichtet Giebeler, kostet ein Akku. Da lohnt sich der Diebstahl.

Und es gibt Hotspots des Diebstahls - zum Beispiel an Schulen, aber auch dort, wo Räder den ganzen Tag über stehen. So an Bike & Ride-Plätzen. Am Höchster Bahnhof beispielsweise gibt's für die Pendler eine sehr große Fahrradabstellanlage, sogar zweistöckig. Auch dort verschwinden oft Räder. Das Verkehrsdezernat überlegt, elektronisch abschließbare Fahrradboxen aufzustellen, wie es sie schon in Rödelheim und auf dem Flughafen gibt. "Das Parken kostet dann aber 2,50 Euro am Tag", sagt Stefan Lüdeke vom Verkehrsdezernat. Joachim Hochstein, Sachgebietsleiter Fahrradbüro im Verkehrsdezernat, berichtete: "Es gibt echte Hotspots an Rädern und wenig Abstellraum, gerade in den gründerzeitlichen Vierteln wie dem Nordend. Dort werden verstärkt Fahrradbügel angebracht" - wie jüngst in der Offenbacher Landstraße. Ein Trost für Fahrradbesitzer ist, dass die Hausratversicherung in den meisten Fällen die Kosten für ein neues Rad übernimmt - jedenfalls dann, wenn es im oder vor dem Haus gestohlen wurde.

Die Codierung des Fahrrads kann Diebe schrecken. Zumindest sinkt der Wert der Beute. Aus zwei Gründen: Der Weiterverkauf wird deutlich schwierig, denn der wahre Besitzer bleibt identifizierbar, und im Fall, dass die Polizei das Diebeslager entdeckt, kann sie die codierten Räder eindeutig zuordnen. Auf Flohmärkten in Deutschland werden daher kaum codierte Räder zum Verkauf angeboten - sagen die Experten.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub und die Polizei haben die Berechtigung, eine Codierung vorzunehmen. Dabei werden Buchstaben - wie beim Autokennzeichen der Ort oder Landkreis, in dem der Besitzer wohnt, sowie eine zehnstellige Zahl eingeschlagen. Die Zahl verschlüsselt nach einem festgelegten Code den Namen, die Adresse und den Wohnort des Besitzers. Es folgen zwei Buchstaben, die die Initialen des Besitzers wiedergeben, und zuletzt wird eine Prüfziffer auf dem Rahmen des Rades eingeschlagen.

Deutlich sichtbar, als Warnung für Diebe, weist eine farbige Schutzfolie über dem Code darauf hin: Dieses Rad ist identifizierbar. Diebe müssten sich darauf beschränken, die Einzelteile des Rads zu verkaufen oder aber es im Ausland abzusetzen.

Im laufenden Jahr sind in Frankfurt bereits mehr als 860 Fahrräder codiert worden. Aktionen dafür gibt es immer wieder, so vom 10. Polizeirevier am Samstag , 10 bis 12.30 Uhr auf den Lidl-Parkplatz in der Lyoner Straße 15, Niederrad. Erforderlich für die Codierung sind der Personalausweis, dringend empfohlen ist ein Eigentumsnachweis (Kaufvertrag o.ä.) für das Fahrrad. tjs

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