Ausblutung der Universitätsmedizin drohe

Unikliniken fordern Finanzspritze

Frankfurt - Die Universitätskliniken in Deutschland schlagen Alarm: Zwei Drittel der insgesamt 33 Unikliniken sind bereits schuldenfinanziert oder zehren ihre Rücklagen auf. Sie fordern vom Bund eine Finanzspritze. Von Christian Riethmüller 

Auch die Uniklinik Frankfurt hat mit der Unterfinanzierung der Hochschulmedizin zu kämpfen. Am Theodor-Stern-Kai in Frankfurt könnte die Welt in Ordnung sein. Das dort beheimatete Universitätsklinikum ist in Lehre und Forschung Spitze. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der jährlichen Absolventen von 277 auf 326 gesteigert worden, während sie im Bundesdurchschnitt bei 270 verharrt. Die Zahl der wissenschaftlichen Studien ist in den vergangenen zehn Jahren beträchtlich gesteigert worden, von 294 Studien im Jahr 2003 auf 510 im Jahr 2013. Seit dem Jahr 2002 sind nach Angaben des Klinikums zudem 119 Patente für Diagnostik- und Therapieansätze aus dem fachbereich Medizin heraus angemeldet worden. Diese Erfolge werden auch im internationalen Vergleich gewürdigt. Das sogenannte Shanghai-Ranking zählt die Frankfurter Universitätsmedizin im Fachgebiet „Klinische Medizin/Pharmazie“ zur Gruppe der 75 besten weltweit, zu der mit München und Heidelberg nur noch zwei weitere deutsche Universitäten gehören.

Trotz dieser Erfolge fürchtet die Frankfurter Uniklinik, dieses Niveau nicht halten zu können. Die Investitionsquote sei zu niedrig, um den bestehenden Gerätepark überhaupt in Stand halten zu können, bemängelte gestern Prof. Jürgen Schölmerich, Ärtzlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum, in Frankfurt die Unterfinanzierung, die alle Unikliniken in Deutschland betrifft. Die im Verband der Universitätsklinika zusammengeschlossenen Hochschulmediziner wollen daher in einer Aktionswoche über ihre defizitäre Lage informieren und im Bund auf zusätzliche Finanzmittel dringen, um die „Ausblutung der Universitätsmedizin“ zu verhindern.

Wie Bettina Irmscher, Kaufmännische Direktorin der Frankfurter Uniklinik, gestern ausführte, ist die Gesamtzuweisung, die der Fachbereich Medizin aus den offiziellen universitären Mitteln erhält im Zeitraum von 2004 bis 2013 kaum gestiegen: Von rund 75 auf 77,5 Millionen Euro im Jahr. Weder die Inflation noch etwa Gehaltserhöhungen beim Personal seien hiermit abzudecken. Nur die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln, etwa von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) oder auch von Unternehmen habe Finanzierungslücken teilweise ausgleichen können. Trotzdem drücken die Uniklinik mittlerweile Schulden in Höhe von 120 Millionen Euro.

Quelle: op-online.de

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