Die meisten Beschwerden

Die 34 ist Frankfurts schlimmste Buslinie – trotz Beschwerden wird Takt weiter ausgedünnt

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Weil sie durch die halbe Stadt fährt, ist die Linie 34 verspätungsanfällig - mit ein Grund, weshalb es so viele Beschwerden gibt.

Über keine Buslinie beschweren sich Passagiere so häufig wie über die Linie 34. Nun dürfte es noch schlimmer werden. Die häufig überfüllten Busse sollen künftig während der Stoßzeit seltener als bisher fahren. 

Frankfurt - Die Buslinie 34 hat einen traurigen Spitzenplatz: Über keine Linienverbindung beschweren sich Fahrgäste so häufig wie über jene vom Gallus bis Bornheim. 327 Kundenanliegen hat die Nahverkehrsorganisation Traffiq im vergangenen Jahr zur Linie 34 erhalten - absolute spitze.

Diese Zahl hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) auf eine Anfrage der AfD hin offenbart. Warum aber hat die 34 ihren Titel als schlimmste Buslinie der Stadt errungen? Sie sei durch den langen Linienweg besonders verspätungsanfällig, erklärt Oesterling. Die Busse benötigen laut Fahrplan 59 Minuten, um von der U-Bahn-Station Bornheim via Friedberger Warte, Marbachweg, Ginnheim, Bockenheim, Rödelheim und Rebstock zur Mönchhofstraße zu kommen. Der lange Linienweg sei für viele Fahrgäste ein Vorteil, weil ihnen dieser gute Direktverbindungen biete.

Zugleich ist das aber auch ein Nachteil, weil die Busse die Fahrzeit oft nicht einhalten können. Verursacht werde dies dadurch, dass die Busse fast komplett im Straßenverkehr "mitschwimmen" müssten. Entsprechend oft stehen sie im Stau. Besonders viel Zeit verlieren sie in Alt-Rödelheim, wo sie oft minutenlang in den Staus rund um den Bahnhof - besonders in der Radilostraße - feststecken. Nur auf sehr kurzen Abschnitten haben die Busse eigene Spuren: am Messeparkhaus, an den Uni-Sportwissenschaften in Bockenheim und an der Friedberger Warte. Zu Messezeiten quälen sich die Fahrzeuge durch den sehr dichten Besucherverkehr.

Linie 34 soll komplett mit Gelenkbussen bedient werden – Anschaffung neuer Busse nötig

Seit Jahren versucht Traffiq, die Probleme in den Griff zu bekommen. Um die Pünktlichkeit zu erhöhen, sei eine Stichfahrt zur Messe in Messezeiten gestrichen und die Warteposition an der Haltestelle Bornheim-Mitte neu geordnet worden, erklärt Oesterling. Selbst den Einsatz von Doppeldeckerbussen hatte Traffiq 2016 getestet. Das aber wurde verworfen, weil viele 34er-Fahrgäste nur auf recht kurzen Strecken unterwegs sind. Folge: Kaum jemand stieg ins Oberdeck.

Stattdessen setzt Traffiq seit vergangenem Jahr auf sechs Kursen Gelenkbusse ein, die mehr Platz als die normalen Linienbusse bieten. Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll die Linie in der Zeit zwischen 6 und 21 Uhr komplett mit Gelenkbussen bedient werden. Diesen Plan hat Oesterling gerade dem Parlament vorgelegt. Es soll Ende Juni entscheiden. 13 Gelenkbusse müssen dafür neu angeschafft werden, die 14 Solobusse ersetzen.

Der Plan beinhaltet einen Pferdefuß: Zeitgleich mit der Umstellung auf Gelenkbusse soll auch der Takt auf der Linie reduziert werden - und das auch in der Hauptverkehrszeit. Morgens zwischen 6 und 9 Uhr soll die 34 nur noch alle siebeneinhalb statt bisher alle sechs Minuten fahren. Nachmittags soll der Takt von siebeneinhalb auf zehn Minuten gedehnt werden. Sonntags rollt sie nur noch alle fünfzehn statt bisher alle zehn Minuten.

Stadt spart 48.000 Euro – Ausbau des Schienenverkehrs muss deutlich schneller werden

Mit dem reduzierten Angebot für die Fahrgäste spart die Stadt jährlich 48 000 Euro. "Größere Busse und Taktverdünnung sind der falsche Weg", kritisiert Heiko Nickel, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Frankfurt. Die im morgendlichen Berufsverkehr überquellenden Omnibusse - wie jene der Linie 34 - "schreien förmlich danach durch Straßenbahnen und U-Bahnen ersetzt zu werden". Beim Ausbau des Schienenverkehrs müsse die Stadt deutlich schneller werden, wenn sie mit dem wachsenden Bedarf Schritt halten will. "Für die Kunden des RMV sollte der morgendliche Sitzplatz kein unerreichbarer Luxus bleiben", sagt Nickel.

Die Chancen darauf stiegen sogar durch die Änderungen, hält Oesterling dagegen: So steige die Zahl der Steh- und Sitzplätze in der morgendlichen Stoßzeit von 567 auf 768 pro Stunde. Obwohl sie seltener fahren, dürften die größeren Busse also zwischen 7.30 und 8.30 Uhr leerer sein als die bisherigen Solobusse: Die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq rechnet vor, dass die Auslastung aufgrund der höheren Kapazität von derzeit 82 auf 61 Prozent sinke.

Dass weniger Busse fahren, sei eine wichtige Entlastung für Alt-Rödelheim. Dort bilden die vielen Busse auf der Fahrt durch die engen Straßen zum Bahnhof und zurück oft selbst einen Stau. Auch die Personalnot spiele eine Rolle, räumt Oesterling ein: "Die ohnehin dünne Personaldecke bei den Busfahrern kann etwas entlastet werden."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Info: Die meisten Beschwerden zur Buslinie 34

10 000 Kundenanliegenhat die Nahverkehrsorganisation Traffiq 2018 erhalten. Etwa die Hälfte betraf den Busbetrieb. In rund 2000 ging es um Verspätungen, bei 1000 um Ausfälle.

Die Zahl der Beschwerdenvon Fahrgästen zum Busverkehr in Frankfurt ist in den vergangenen Jahren gesunken. 2016 waren es 6574 Kundenanliegen, kamen 2017 dann 5060 und 2018 noch 4966.

Die meisten Beschwerden (327) gab es zur Buslinie 34. Platz zwei (285 Beschwerden): die Linie 50, die von Unterliederbach über Höchst, Sossenheim, Rebstock nach Bockenheim fährt. Die Pünktlichkeit litt zuletzt wegen Arbeiten am Bahnhof Höchst. Da diese fertig sind, rechnet Traffiq mit weniger Störungen.

Die Linie 46rangiert auf Platz drei mit 265 Beschwerden. Sie verbindet das Europaviertel mit dem Hauptbahnhof, weil die U5-Verlängerung noch in Bau ist. Die Busse werden laut Traffiq oft durch Baustellenverkehr im Europaviertel behindert. Durch das Kürzen der Linie würden Verspätungen nun nicht mehr mitgeschleppt: Im Dezember war der Südast - die Museumsuferlinie zwischen Hauptbahnhof und Sachsenhausen - ersatzlos eingestellt worden. dpg

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