Goethe-Universität

Eine verwegene Idee

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Der Poelzig-Bau, in dem einst die I.G. Farben residierte, ist heute das zentrale Gebäude des Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt.

Frankfurt - Werner Meißner erinnert sich, wie die Goethe-Universität ins Westend kam . Von Christian Riethmüller 

Nicht nur Schwärmer sprechen vom „wohl schönsten Campus“ oder gar „der schönsten Universität Europas“, wenn sie den Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität preisen. Die parkähnliche Anlage rund um das Baudenkmal Poelzig-Bau erinnert an amerikanische Campus-Hochschulen und lässt fast die bewegte Geschichte des Areals vergessen, auf dem vor 20 Jahren niemand eine betriebsame Universität gesehen hätte.

„Niemand“ ist allerdings nicht ganz richtig. 1994 gab es schon eine Person von Einfluss, die sich den Poelzig-Bau als künftigen Standort der Goethe-Universität erträumte. Es war Werner Meißner, damals gerade frisch gewählter Präsident der Hochschule, der diese Idee nicht nur postulierte, sondern während seiner bis 2000 dauernden Amtszeit auch alles daran setzte, sie zu verwirklichen, wie er nun anschaulich in einem Büchlein mit dem Titel „Goethe zieht um - Wie die Goethe-Universität ins Westend kam“ (weissbooks, 14 Euro) erzählt.

Wie Meißner sich erinnert, war ein Umzug der in Bockenheim angesiedelten Universität noch längst keine Option, selbst wenn die Universität auf ihrem alten Campus an Grenzen gestoßen war. Ein neben Universitätsbibliothek und Bockenheimer Depot geplanter Neubau für die sogenannten Buchwissenschaften hätte zwar nochmal etwas Entlastung für Hessens größte Hochschule gebracht, doch weiter wachsen hätte sie nicht können.

„Der neue Campus ist Weltklasse“

Da kam die Nachricht, dass die amerikanischen Streitkräfte den vom V. Korps genutzten ehemalige I.G. Farbenkomplex im Westend räumen würden, gerade recht. Wie der Komplex allerdings fortan genutzt werden sollte, war vor 20 Jahren völlig unklar. Das aus Sicherheitsgründen hermetisch abgeriegelte Gelände war den meisten Menschen in der Region unbekannt und allenfalls der weithin sichtbare, von Hans Poelzig in den Jahren 1929 bis 1931 errichtete Gebäuderiegel mit seinen sechs vorspringenden Türmen von der Ferne ein Begriff.

Gedankenspiele, wer dort untergebracht werden könnte, gab es einige. Die Europäische Zentralbank wurde genannt, der japanische Konzern Sony oder auch die Frankfurter Polizei, die dort ein neues Präsidium erhalten hätte. Wie gegen solche Konkurrenz schließlich doch die Universität das Rennen machte, welche persönlichen Allianzen dabei eine Rolle spielten und wie es zahllose Bedenken - nicht zuletzt wegen der Rolle der I.G. Farben in der NS-Zeit - auszuräumen galt, schildert der Volkswirtschaftsprofessor Meißner in seiner „hemmungslos subjektiven“ Schrift auf lesenswerte Weise.

Bestätigt sehen darf er sich in seinem Einsatz für seine Idee nicht zuletzt durch ein dem Buch hintan gestelltes Zitat des berühmten Frankfurter Stadtplaners Albert Speer, der lobte: „Schauen Sie sich unseren neuen Universitätscampus an. Der ist Weltklasse. Wir sind uns selbst noch gar nicht bewusst, was da geleistet wurde.“

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Quelle: op-online.de

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