Der lange Weg zur Erweiterung des Frankfurter Flughafens

Frankfurt (dpa/bl) - Der Ausbau des Frankfurter Flughafens sorgte für viel Ärger. Eine Chronologie zeigt die Entwicklung.

Über die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen wird seit vielen Jahren gestritten. Das Bundesverwaltungsgericht setzt mit seinem Urteil einen vorläufigen Schlusspunkt unter die lange juristische Auseinandersetzung vor allem um das Thema Fluglärm. Ein chronologischer Überblick:

Am 30. Oktober 1997 fordert der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber in Frankfurt erstmals, die Kapazität auf dem Frankfurter Flughafen mit einer neuen Start- und Landebahn signifikant zu erhöhen.

Landtag stimmt 2000 für ein Nachtflugverbot

1. Januar 2000: Eine Mediationsgruppe spricht sich in Frankfurt nach eineinhalb Jahren Beratung grundsätzlich für den Ausbau des Flughafens aus. Bedingung seien ein Nachtflugverbot und Lärmschutzmaßnahmen.

18. Mai 2000: Der hessische Landtag stimmt in Wiesbaden geschlossen für ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen.

11. Juni 2002: Das Regierungspräsidium Darmstadt stuft den Bau einer neuen Landebahn zum Abschluss des Raumordnungsverfahrens als grundsätzlich raumverträglich ein. Die erste Hürde ist genommen.

9. September 2003: Der Flughafenbetreiber Fraport reicht offiziell die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren beim zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt ein.

Im Planfeststellungsbeschluss werden 2007 die Nachtflugzeiten geregelt

18. Dezember 2007: Der damalige hessische Wirtschaftsminister Alois Riehl (CDU) unterzeichnet in Wiesbaden den Planfeststellungsbeschluss. Darin werden auch die künftigen Nachtflugzeiten geregelt. Erlaubt werden durchschnittlich 17 Starts und Landungen pro Nacht zwischen 23 und 5 Uhr.

20. Januar 2009: Es beginnen die Rodungsarbeiten im Kelsterbacher Wald. Auf dem Gelände entsteht die neue Nordwest-Landebahn.

8. Mai 2009: Am ersten Spatenstich der neuen Landebahn nehmen der damalige Fraport-Chef Wilhelm Bender, sein designierter Nachfolger Stefan Schulte und der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) teil.

VGH entscheidet 2009 pro Weiterbau

2. Juni 2009: Vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel beginnen die Verhandlungen über die Flughafen-Erweiterung.

21. August 2009: Der VGH entscheidet pro Weiterbau, gibt aber kein grünes Licht für die geplanten Nachtflugzeiten. Sie seien nicht mit der Nachtruhe der Bevölkerung und der Landesentwicklung vereinbar.

16. Dezember 2009: Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) kündigt Revision des Landes gegen das Urteil des VGH beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig an.

11. Oktober 2011: Kurz vor der Eröffnung der neuen Landebahn in Frankfurt stoppt der VGH vorerst die im Winterflugplan vorgesehenen Nachtflüge.

Oktober 2011: VGH verhängt Nachtflug verbot

21. Oktober 2011: Eine Regierungsmaschine mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) landet als erstes Flugzeug auf der neuen Landebahn und nimmt sie damit in Betrieb.

31. Oktober 2011: Das vom VGH verhängte Nachtflugverbot tritt in der Nacht zum 31. Oktober in Kraft.

14. November 2011: Die Montagsdemonstrationen der Ausbau-Gegner beginnen. Seitdem protestieren fast jede Woche mehrere tausend Menschen im Flughafen gegen Fluglärm.

Proteste werden laut

12. Dezember 2011: Fast 40.000 Menschen haben eine Petition gegen Fluglärm unterschrieben. Die Liste geht an den hessischen Landtag.

19. Dezember 2011: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) trifft sich in Wiesbaden mit Spitzenvertretern der Luftfahrtwirtschaft. Ziel ist die Lärmreduzierung am Airport.

18. Januar 2012: Regierungschef Bouffier trifft erstmals Fluglärmgegner zu einem Gespräch. Er lehnt die geforderte Schließung der neuen Landebahn und eine Begrenzung der Flugbewegungen ab.

8. Februar 2012: Ministerpräsident Bouffier berät erneut in Wiesbaden mit den Spitzen der Luftverkehrswirtschaft darüber, wie sich der Fluglärm reduzieren lässt.

29. Februar 2012: Die Landesregierung veröffentlicht ein Maßnahmenpaket zur Lärmreduzierung. Unter anderm soll das Aufkauf-Programm für Immobilien in der Einflugschneise der neuen Bahn aufgestockt werden.

Bundesverwaltungsgericht verhandelt Flughafenausbau und Nachtflugregelung

13. und 14. März 2012: Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt über den Flughafenausbau und die damit verbundene Nachtflugregelung. Am Rande kündigt Verkehrsminister Posch an, ein komplettes Nachtflugverbot umzusetzen, wenn dies rechtlich möglich ist.

4. April 2012: Das Bundesverwaltungsgericht kippt die vom Land Hessen ursprünglich genehmigte Regelung für Nachtflüge, die durchschnittlich 17 Starts und Landungen pro Nacht zwischen 23 und 5 Uhr erlaubte. Damit kommt auf den größten deutschen Flughafen in Frankfurt/Main ein dauerhaftes Nachtflugverbot zu.

Alle Artikel zum Thema Flughafen-Ausbau finden Sie im Stadtgespräch

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © AP

Kommentare