Frankfurter Initiative versorgt Tiere mit Futter

Tierliebe geht durch den Magen

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Mischlingsrüde „Balu“ und sein Herrchen zählen zu den Kunden der Tierhilfe, deren Vorsitzende Conny Badermann das Futter persönlich ausgibt.

Frankfurt - Hilfsbedürftige Tierbesitzer werden in Frankfurt von der Tiertafel unterstützt. Dort erhalten etwa eintausend Vierbeiner hochwertiges Futter. Die Einrichtung ist vermutlich die größte ihrer Art in Europa. Von Sabine Maurer

An individueller Betreuung mangelt es bei der Frankfurter Tiertafel nicht. Sätze wie „Nur Seniorenfutter“, „Verträgt keine Soße“ oder „Frisst kein Fisch und kein Whiskas“ steht auf den Karteikarten der Tiere. Ihre Eigentümer sind meistens Menschen, die von einer kleinen Rente oder von Hartz IV leben. Für das Futter ihrer Tiere reicht das Geld nicht. Alle drei Wochen holen sie es sich kostenlos von der Tiertafel.

„Da stecken oft schlimme Schicksale dahinter“, erzählt Conny Badermann, die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins. So sei zum Beispiel ein Hundebesitzer an Krebs erkrankt und müsse seine teuren Medikamente bezahlen. Und ein einst gut verdienendes Paar mit drei Hunden lebe nach mehreren Schicksalsschlägen von Hartz IV. Der Tiertafel-Kunde und dreifache Katzenbesitzer Kai Mayer berichtet: „Ich bin vor drei Jahren arbeitslos geworden. Ohne die Tiertafel hätte ich die Katzen ins Tierheim geben müssen.“ Als Dank hilft er dem Verein beim Einräumen der Regale.

Vor acht Jahren wurde die Einrichtung in Frankfurt gegründet. „Sie liegt offensichtlich im Trend der Zeit“, sagt die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin. In Hessen gebe es mittlerweile in mehreren Städten Tiertafeln. Eine davon ist in Fulda. Dort bei der „Herz-Tafel für Pfoten“ werden etwa 90 Hunde, Katzen und Hasen versorgt, wie die Betreiberin Marina Berl berichtet.

Im mittelhessischen Wetzlar gibt es die „Tiertheke“, getragen von einem Verein. Bedürftige bekommen gegen einen kleinen Betrag Futter für ihre Lieblinge. In Gießen verteilt die „Interessengemeinschaft Tierschutz in Mittelhessen“ seit 2008 kostenlos Nahrung für Hunde und Co. Seit 2014 hilft der Verein „Haustiertafel Kassel - Stadt und Land“ mit Sitz in Vellmar bedürftigen Menschen, die ihre Haustiere nicht ausreichend versorgen können.

Tiertafeln anzubieten sei gar nicht so einfach, erklärt Inge Böhm von der Tiertafel in Frankfurt. „Sie müssen sich die Beine ausreißen“, erklärt sie. Deshalb gebe es außerhalb größerer Städte kaum solche Angebote. Ohne die Unterstützung etwa eines Tierheimes sei es besonders hart. Vor allem Spenden und Platz würden gebraucht. „Es ist teuer, eine Menge Tiere mit Futter zu versorgen.“

Die Frankfurter Tiertafel ist die größte in Hessen, fast eintausend Tiere - überwiegend Katzen und Hunde - bekommen von dort ihr Fressen. Etwa zehn Tonnen Futter sind dies insgesamt monatlich. Nach eigenen Angaben ist sie damit die größte Tiertafel Europas. Der Verein finanziert sich über Spenden. Und er hat sich gut organisiert, um dem Ansturm etwa jeden zweiten Samstag bei der Futterausgabe Herr zu werden.

So werden zum Beispiel alle Hunde in Größen eingeteilt - von S bis XXL. Danach richtet sich die Futtermenge. So erhält etwa ein XXL-Hund 17 große Dosen sowie je eine Portion Trockenfutter und Leckerlis. Die Tiere sollen so gut wie möglich versorgt werden, und so gibt es zum Beispiel Spezialfutter für Senioren, für Tiere mit Allergien, Arthrose, Nierenerkrankungen oder mit Verdauungsproblemen.

Denn gerade wenn das Tier krank wird oder in die Jahre kommt, stehen mittellose Besitzer vor großen Problemen. Sie können sich weder das teure Spezialfutter, noch den Tierarzt leisten. „Wann immer wir das Geld haben, übernehmen wir auch Tierarztkosten“, berichtet Badermann. Alle Senioren-Tiere in der Kartei werden auf Kosten des Vereins von einem Tierarzt untersucht.

Diese Tierarten sind nach Deutschland eingewandert

Philipp Stielow von Sozialverband VdK Hessen-Thüringen in Frankfurt begrüßt dieses Engagement. „Tiere bereichern das Leben. Das gilt erst recht für Menschen, die sich vieles nicht leisten können“, sagt er. Natürlich könne es vorkommen, dass solch eine Einrichtung ausgenutzt werde. Die Regel sei dies aber sicherlich nicht.

Einfach so wird bei der Tiertafel ohnehin das Futter nicht ausgegeben. Der Tierbesitzer muss alle sechs Monate einen behördlichen Bescheid vorlegen. Höchstens vier Tiere werden versorgt, Neuanschaffungen nicht unterstützt. Betrogen würden sie von Hilfsbedürftigen nicht, ist sich Badermann sicher. „Viele schämen sich sogar, weil sie ihr Tier nicht allein versorgen können.“

dpa

Quelle: op-online.de

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