Der Frankfurter Model-Macher

Er ist ein Profi in seinem Business und arbeitet dabei –trotz karibischer Wurzeln–, wie er sagt, unheimlich deutsch: Akribisch genau, ernsthaft und konzentriert. Ty-Rown Vincent hat bereits in Chicago, New York, Paris, London und Amsterdam gelebt.

Sein Beruf ist seine Eintrittskarte zu großen Reisen – früher als Model, heute als Showproduzent. Er fühlt sich an vielen Orten dieser Welt zuhause, doch seine Heimat hat der Kreative in Frankfurt: Das Büro von „Front Row Agency“ an der Hanauer Landstraße, die Wohnung in direkter Nachbarschaft zum Dom. Vincent liebt die Gegensätze.

Lässig gekleidet mit Jeans und Kapuzenjacke sitzt der Model-Macher an seinem Schreibtisch im Frankfurter Büro. Das rosafarbene Hemd und die Strickjacke geben dem legeren Outfit eine elegante Note. Der Mann hat Stil. Vor ihm liegt ein dicker Ordner voller Erinnerungen an einen seiner bisher wichtigsten Aufträge: Eine Show bei der New York Fashion Week. Zwischen zahlreichen Sedcards liegt unscheinbar und dennoch von großer Bedeutung eine Serviette. Darauf notiert ist die Laufliste der 30 Models, die in der 15-minütigen Show für das Berliner Label „Unrath&Strano“ gelaufen sind – entstanden nur wenige Minuten vor der Show.

Den Auftrag bekam er im Januar: In der Karibik erreichte ihn der Anruf aus Berlin. Nie hätte er es sich träumen lassen, bei der New York Fashion Week eine Show zu produzieren. „Dort sind doch nur die Besten. Wie wenn Schauspieler den Oscar bekommen“, sagt er stolz. Dann sei alles ganz schnell gegangen: Gespräche, Meetings, Planungen, der Flug nach New York. Das dreitägige Casting führte Vincent direkt vor Ort durch. „Es war mein schrecklichstes Casting“, gesteht der Perfektionist: „New York ist hart und arrogant.“ Sein Vorteil beim Kontakt mit den Bookern der Agenturen sei vor allem sein akzentfreies Englisch und seine Hautfarbe gewesen. Die meisten Booker seien so wie er Farbige. So hätte man den ersten deutschen Showproduzenten bei der New York Fashion Week als „ernsthaften Geschäftspartner“ gesehen. Den Respekt seinem Kunden gegenüber unterstreiche er, indem er vor Ort stets im schwarzen Smoking arbeitet.

Seine beruflichen Erfahrungen und Kontakte hat Vincent auf dem Laufsteg als Model sowie später als Partyveranstalter im Frankfurter „Loft House“ und „Monza“ gesammelt, heute hat er die Fäden hinter den Kulissen in der Hand. Irgendwann wollte er etwas Neues ausprobieren, sich neue Lebensziele setzen und neue Geschäftsfelder entdecken, wie er selbst sagt. Angefangen hatte alles mit DJ-Booking, später kümmerte er sich um komplette Inszenierungen. Die Erfolge sprechen für ihn. Sein Geheimnis: „Das A und O sind gute Umgangsformen“, betont Vincent. Über sein Alter spricht der Kreative nur ungern. „Ich bin über 30 und unter 50“, sagt er.

Mitte Mai ist die aktuelle Saison der großen Mode-Shows vorbei. Dann hat Vincent Zeit für die vernachlässigte Buchhaltung. Der Frankfurter treibt viel Sport. Gutes Aussehen ist dem ehemaligen Model wichtig. „Ich bin der Mann für die schönen Frauen“, sagt er und bedauert, dass so wenige Männer auf dem Laufsteg gefragt sind. Unter den Models, die er bereits für seine Shows beauftragt hat, sind Tatjana Patitz, Lizzy Jagger und Mimi Müller-Westernhagen. CHRISTINA SCHÄFER

Quelle: op-online.de

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