Beziehungsstreit und Geiselnahme

Frankfurter Nervenkrieg

+
Im Gallusviertel wird der Täter von der Polizei abgeführt.

Frankfurt - Wenige Stunden nachdem ein Spezialkommando im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen eine 18-Jährige aus der Gewalt eines 25 Jahre alten Mannes befreit hat ist ein weiterer eskalierter Beziehungsstreit im Gallusviertel gestern nach kurzer Zeit unblutig zu Ende gegangen.

Die Polizei nahm einen Mann fest, der sich mit einer 32-jährigen Frau in einer Wohnung verschanzt hatte. Beide seien unverletzt, sagte ein Polizeisprecher. Die Frau war den Angaben zufolge die Freundin oder Ex-Freundin des 33-Jährigen. Die Polizei hatte mit dem Mann verhandelt.

Lesen Sie dazu auch:

Mann lässt Frau nach Stunden frei

Frankfurter Geiselnahme: Täter aus Offenbach

SEK beendet Geiselnahme mit Explosion

Bei dem Zwischenfall im Gallusviertel handelte es sich - ebenso wie mutmaßlich bei der Geiselnahme in Sachsenhausen - laut Polizei um einen Beziehungsstreit. Die Frau habe nach einem Streit mit dem Mann gegen 11.20 Uhr die Polizei gerufen. „Daraufhin hat er die Wohnungstür von innen verschlossen“, sagte ein Polizeisprecher. Ob der Mann bewaffnet war, blieb zunächst unklar. Nach längeren Verhandlungen zwischen Spezialisten der Polizei und dem 33-Jährigen öffnete schließlich ein Schlüsseldienst die Wohnungstür.

Erst in der Nacht zuvor hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei eine Geiselnahme im Stadtteil Sachsenhausen beendet. Der Täter stammt aus Offenbach. Verletzt wurde niemand – die Erleichterung darüber merkte man Vertretern von Polizei und Staatsanwaltschaft bei der eilig einberufenen Pressekonferenz gestern Mittag deutlich an. Die junge Frau stand aber unter Schock. Fast elf Stunden hatten die Einsatzkräfte vor und in der Wohnung in einem Einfamilienhaus in der Lamboystraße ausharren müssen, in der der Täter seine 18-jährige Ex-Freundin festhielt und mit einer Waffe bedrohte. Immer wieder drohte er, seiner Geisel ins Bein zu schießen oder sie umzubringen. „Er war phasenweise sehr aggressiv, dann auch wieder ruhig und gelassen“, sagt Einsatzleiter Michael Hallstein.

Geiselnahme in Frankfurt-Sachsenhausen

Geiselnahme in Frankfurt-Sachsenhausen

Ein erster Versuch den 25-Jährigen festzunehmen, scheiterte. Als die Beamten um 23 Uhr die Wohnung stürmten, fanden sie Täter und Opfer im Schlafzimmer der jungen Frau – sie kniete auf dem Boden, er hielt ihr die Waffe an den Kopf. „Mit mir legt sich keiner an“, soll er gerufen haben. Die Polizeibeamten brachen den Einsatz ab, berichtet Hallstein. Mehrmals drangen „schussähnliche Geräusche“ aus der Wohnung – Böller, wie sich später herausstellte. Gewissheit in Sachen scharfe Waffe brachte erst eine Durchsuchung der Wohnung des Täters in Offenbach: Dort fanden Polizeibeamte die Verpackung einer Soft-Air-Pistole.

Erst um 1.45 Uhr gelang den Einsatzkräften die Festnahme. Was ihn zu dieser Tat getrieben hatte, ist bislang unklar. Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu: „Es gibt eine Vorgeschichte zwischen den beiden Personen.“ Zur Identität des Mannes gibt die Polizei nur preis, dass er vermutlich aus Offenbach stammt.

ljö/dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare