Konkurrenz „FAZ“ übernimmt

Die „FR“ soll eigenständig bleiben

+
Tobias Trevisan (l.), Geschäftsführer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung", und Arnd Festerling, Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“ stehen bei einer Pressekonferenz mit Ausgaben der beiden Zeitungen nenbeneinander. Ein Kaufvertrag zur Übernahme der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) war zuvor von den neuen Eigentümern und dem Insolvenzverwalter nach monatelangem Hoffen und Bangen unterschrieben worden.

Frankfurt - Der Titel bleibt, das Team dahinter nicht: Die angeschlagene „Frankfurter Rundschau“ steht nach ihrer Übernahme vor einer gewaltigen Zäsur.

Zwar sollen Profil und Umfang weitgehend erhalten bleiben, allerdings wird die Struktur der Redaktion unter den neuen Besitzer ebenso verändert wie die Mannschaft.

Weiterhin soll die „Frankfurter Rundschau“ („FR“) als unabhängige und linksliberale Zeitung erscheinen, versprachen die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ GmbH („FAZ“) und die Frankfurter Societät GmbH als neue Investoren. Beide hatten sich in der Nacht zum Donnerstag mit der Insolvenzverwaltung über den Kaufbetrag geeinigt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die meisten „FR“-Mitarbeiter verlieren ihren Job

Lesen Sie dazu auch:

„FAZ“ übernimmt die „Rundschau“

Hunderte FR-Mitarbeiter verlieren ihren Job

Türkischer Verleger legt „Rundschau“ Angebot vor

Türkischer Verleger will bei „FR“ nachlegen

Zukunft der „Rundschau" weiter ungewiss

„Frankfurter Rundschau“: 400 Stellen fallen weg

Springer kündigt Druckauftrag in Neu-Isenburg

„Frankfurter Rundschau“ geht das Geld aus

„FR“ ist nicht überschuldet

„Frankfurter Rundschau“ stellt Insolvenzantrag

Der Wermutstropfen des Zeitungsdeals: Trotz der gesicherten Zukunft müssen die meisten der rund 450 Konzern-Beschäftigten gehen. Nur 28 Mitarbeiter werden übernommen, um als Stammredaktion in Frankfurt den Kern des neuen Teams zu bilden. Auch beim Berliner Verlag könnte die Übernahme Stellen kosten, wenn die „Frankfurter Rundschau“ dort wie bislang geplant in drei Monaten aus der gemeinsamen Mantel-Produktion aussteigt.

Bisheriger Eigentümer der „FR“ war das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg, das auch die „Berliner Zeitung" herausgibt. Dessen Sprecher Wolfgang Brüser bestätigte der dpa in Berlin am Donnerstag, dass im Falle des Mantelverzichts die bereits Ende November bekanntgegebenen Szenarien greifen. Damals hieß es, 46 Stellen fielen weg, sollte die „FR“ bei Weiterbestehen keinen Bedarf mehr an einer Redaktionszusammenarbeit mit Berlin haben. „Sollte es also so kommen, wie es jetzt aussieht, dann wird die Geschäftsführung auf den Betriebsrat zugehen und die Verhandlungen beginnen", sagte Brüser.

Autorenpool in Berlin wird mehr als halbiert

Bislang bekam die „FR“ ihre Mantelinhalte aus Berlin, von einem Pool mit 27 Autoren. Künftig würde dieser mehr als halbiert. Die zusätzliche 20-köpfige Gemeinschaftsredaktion für die Herstellung der Mantelteile würde komplett gestrichen, und zudem stehen weitere 12 Stellen der „Berliner Zeitung" auf der Kippe, listete der Verlag Ende November auf. An den Zahlen hat sich laut Brüser nichts geändert.

Um die stark verkleinerte „FR“-Belegschaft herum will die neu gegründete „Frankfurter Rundschau GmbH" laut Konzept feste Autoren und freie Mitarbeiter versammeln. Die Zusammenarbeit mit dem Redaktionsdienstleister Pressedienst Frankfurt (PDF) wird verlängert, PDF soll die Arbeit der bisherigen „FR“-Außenredaktionen übernehmen. Zur Zukunft des Korrespondentennetzes machten die neuen Gesellschafter zunächst keine Angaben.

Ein Chefredakteuer verlässt die „Rundschau“

Als alleinige Spitze lenkt künftig Chefredakteur Arnd Festerling die Redaktion. Rouven Schellenberger, bislang ebenfalls „FR“-Chefredakteur und für das digitale Angebot verantwortlich, verlässt das Haus auf eigenen Wunsch, wie es hieß.

Die neue „Frankfurter Rundschau GmbH" halte die Titelrechte und sei mit der eigenen Redaktion auch für die digitale Ausgabe der Zeitung verantwortlich, teilten „FAZ“ und Frankfurter Societät GmbH weiter mit. Auch das bisherige Tabloid-Angebot soll beibehalten werden. Gedruckt wird die „FR“ vom 1. Mai an in der Frankfurter Societäts-Druckerei.

Am Mittwoch hatte das Bundeskartellamt die Übernahme der „FR“ genehmigt. Hunderte „FR“-Mitarbeiter hatten zuvor bereits ihre Kündigungen erhalten, die meisten wechseln in eine Transfergesellschaft.

„Wir glauben an die Zukunft der Marke ‚Frankfurter Rundschau‘"

„Wir glauben an die Zukunft der Marke ‚Frankfurter Rundschau‘", sagte Societät-Geschäftsführer Hans Homrighausen in Frankfurt. Es sei möglich, die „FR“ wirtschaftlich erfolgreich zu führen und ihr regional wie überregional eine Perspektive zu geben.

FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan betonte, die „FR“ sei weiterhin für ihre Ausrichtung selbst verantwortlich: „Es ist nicht die Absicht der Gesellschafter, Einfluss zu nehmen auf das politische Profil der Zeitung." Auch sollten keine Artikel von der „FAZ“ und der "Frankfurter Neuen Presse" übernommen werden. Beide Zeitungen erscheinen unter dem Dach der Fazit-Stiftung, die Mehrheitsbeteiligungen an der „FAZ“ und an der Frankfurter Societäts-Druckerei hat.

Drei neue „FR“-Gesellschafter

Neue „FR“-Gesellschafter sind neben der Frankfurter Societät mit 55 Prozent der Anteile der „FAZ“-Verlag (35 Prozent) sowie mit 10 Prozent die Karl Gerold Stiftung. „Diese garantiert mit ihrer Stiftungsverfassung die Ausrichtung der „Frankfurter Rundschau“ als "unabhängige, linksliberale Tageszeitung", teilte die FAZ weiter mit. Auch das bisherige Redaktionsstatut werde übernommen.

Nach jahrelanger Krise hatte die „FR“ aufgrund der hohen Verluste im vergangenen November Insolvenz angemeldet. Hauptgesellschafter waren bislang die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg.

Eine Insolvenz muss nicht das Aus bedeuten

Eine Insolvenz muss nicht das Aus bedeuten

dpa

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare