Bundeskartellamt hat entschieden

„FAZ“ übernimmt „Frankfurter Rundschau“

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Darf die „Frankfurter Allgemeine“ die „Rundschau“ übernehmen? Das Bundeskartellamt will heute entscheiden.

Frankfurt - Die insolvente „Frankfurter Rundschau“ („FR“) wird von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" („FAZ") übernommen. Das Bundeskartellamt in Bonn gab am Mittwoch grünes Licht für den Kauf.

Die Einladung zur Diskussionsrunde mit dem Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" liest sich wie ein schlechter Scherz. "Am Ende: Ohne Journalisten?" betitelt der Veranstalter sein Forum, an dem sich am Mittwochabend auch "FR"-Chefredakteur Arnd Festerling über seine Branche und den "Journalismus nach dem Ende der "Frankfurter Rundschau" äußern sollte.

Nun ist das Ende abgewendet, zunächst. Denn nach Monaten des Hoffens und Bangens steht fest: Die konservativ ausgerichtete "Frankfurter Allgemeine Zeitung" übernimmt das linksliberale Konkurrenzblatt. Bereits an diesem Donnerstag soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Das Bundeskartellamt hat in letzter Minute grünes Licht gegeben.

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Eine Zukunft für die "Frankfurter Rundschau" ist somit fürs Erste gesichert, die weitaus meisten Mitarbeiter des Verlags müssen sich dennoch einen neuen Job suchen. Denn die "FAZ" übernimmt nur eine Handvoll Mitarbeiter aus der "FR"-Redaktion, der gewaltige Rest der über 400 Beschäftigten muss gehen. An der verlagseigenen Druckerei des Hauses hat die neue Eigentümerin zudem kein Interesse. Die meisten "FR"-Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigungen erhalten.

Bis zuletzt hatte das Bundeskartellamt den Zeitungsmarkt unter die Lupe genommen. Es galt zu klären, ob der "FR"-Marktanteil bei einem Aus für das Traditionsblatt ohnehin an die "FAZ" fallen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Käufer für das Traditionsblatt gibt. "Bei insolvenzbedrohten Unternehmen läuft die Fusionskontrolle unter besonderen Voraussetzungen", brach Kartellamts-Präsident Andreas Mundt am Mittwoch in Bonn die Spannung. "Wir haben hier eine sogenannte Sanierungsfusion geprüft und im Ergebnis bejaht." Zudem hatten die "FR"-Gläubiger zuletzt das Angebot eines türkischen Verlegers als zu niedrig und nicht tragfähig abgelehnt. Die "FAZ" war daher zum Schluss der einzige Bieter. Die Alternativen: Zuschlag oder Aus.

Neue Gewichte im Rhein-Main-Gebiet

Durch den Zeitungsdeal in der Mainmetropole verschieben sich die Gewichte im Rhein-Main-Gebiet, wie auch das Bundeskartellamt zu Bedenken gab. Sie haben keine Sorgen wegen des Leser- und Anzeigenmarktes in Deutschland. Es sei aber möglich, dass die neue Eigentümerin, die Fazit-Stiftung, in und um Frankfurt eine marktbeherrschende Stellung erhalten könnte. Denn unter dem Dach der Stiftung erscheinen künftig die "FR", die "FAZ" und auch die "Frankfurter Neue Presse" ("FNP"). Durch die Übernahme entsteht ein Schwergewicht am Main.

Wie die künftige "FR" künftig aussehen wird, das war am Mittwochabend noch weitgehend unklar. Details zum Konzept sollen spätestens am Donnerstag veröffentlicht werden. Bekannt ist bislang lediglich, dass nur 28 Mitarbeiter der Redaktion von der neuen Eigentümerin übernommen werden, die moderne Druckerei macht dicht. Außerdem sollen hinter den Kulissen wegen des enormen Zeitdrucks bereits interne Vorkehrungen für den redaktionellen Betrieb laufen, damit die "FR" ohne Pause erscheinen kann.

Rätselraten herrscht offiziell noch beim Berliner Verlag: Seit 2011 wird dort der "FR"-Mantel von einer Redaktionsgemeinschaft produziert, zusammen mit den überregionalen Seiten der "Berliner Zeitung". Ist die "FAZ" nicht mehr an dieser Zusammenarbeit interessiert, könnte das nach Angaben des Kölner Medienhauses und bisherigen "FR"-Mitgesellschafters M. DuMont Schauberg mehr als 40 Arbeitsplätze kosten.

dpa

Quelle: op-online.de

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