Mitarbeiter demonstrieren

Türkischer Verleger legt „Rundschau“ Angebot vor

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Der türkische Verleger Burak Akbay hat im Bieterstreit um die schwer angeschlagene „Frankfurter Rundschau" nachgebessert. Ein Angebot aus Istanbul sei den Gläubigern vorgelegt worden, sagte der Sprecher von Insolvenzverwalter Frank Schmitt, Ingo Schorlemmer.

Frankfurt - Die Mitarbeiter der „Frankfurter Rundschau" schauen wieder mit bangem Blick auf den Kalender: Bis Ende Februar muss ein Investor gefunden werden.

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Länger können die Gläubiger kaum hingehalten werden. Unklar ist nach wie vor, wie ernst es ein türkischer Verleger meint. 

Der türkische Verleger Burak Akbay hat im Bieterstreit um die schwer angeschlagene „Frankfurter Rundschau" nachgebessert. Ein Angebot aus Istanbul sei den Gläubigern vorgelegt worden, sagte der Sprecher von Insolvenzverwalter Frank Schmitt, Ingo Schorlemmer, am Dienstag. „Es ist das erste Angebot von Herrn Akbay, das andere Schreiben per E-Mail war eine Absichtserklärung." Zu Inhalten äußerte sich Schorlemmer nicht. Zuvor war kritisiert worden, die Pläne des türkischen Verlegers seien „zu niedrig" und „nicht akzeptabel". Akbay müsse bei dem angebotenen Kaufpreis ebenso deutlich ausbauen wie bei der Zahlungsweise.

Ein Rennen gegen die Zeit

Für die Insolvenzverwalter und die Belegschaft bleibt die Suche nach einem Interessenten ein Rennen gegen die Zeit: „In diesem Monat muss eine Entscheidung fallen", sagte Schorlemmer. „Solange kann ein Interessent sein Angebot auch nachbessern. Er bezweifelte aber, dass sich die Gläubiger auf eine Verlängerung der bis Ende Februar vereinbarten Finanzierung einlassen könnten. Am Mittag (13.30 Uhr) wollten Mitarbeiter des Verlags erneut vor dem Redaktionsgebäude in Frankfurt protestieren.

Nach bisherigen Angaben will Akbay die FR als überregionale Zeitung mit einem eigenen Druckhaus fortführen. Er besitzt das türkische Verlags- und Druckereihaus Estetik Yayincilik, das die regierungskritische „Sözcü" herausgibt. Neben Akbay hat auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) Interesse an der angeschlagenen Traditionszeitung gezeigt. Derzeit prüft das Bundeskartellamt diese mögliche Übernahme.

450 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Die „Frankfurter Rundschau" hatte im November angesichts massiver Verluste Insolvenz angemeldet. Insgesamt stehen rund 450 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon etwa die Hälfte im Druckzentrum.

Am Mittag protestierten Mitarbeiter des Verlags erneut vor dem Redaktionsgebäude in Frankfurt. Betriebsrat Marcel Bathis zeigte sich angesichts des neuen Angebots aus der Türkei sehr skeptisch: "Das war bislang ein Strohhalm. Und es wird sich weiter als ein Strohhalm erweisen." Die Chancen auf Erfolg sieht Bathis bei maximal zwei bis drei Prozent. "Herr Akbay müsste sein Angebot noch erheblich nachbessern und die Summe in einem Betrag zahlen." Details des Angebots nannte auch der Betriebsrat nicht.

Betriebsrat enttäuscht von DuMont-Verlag und SPD-Medienholding

Zudem mahnte Bathis zur Eile: „Uns läuft die Zeit davon." Die „FAZ" wolle den Verlag zum 1. März übernehmen, sofern das Bundeskartellamt der Übernahme zustimme. In diesem Fall verlören allerdings mehr als 400 der insgesamt rund 450 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Bathis zeigte sich sehr enttäuscht vom Verhalten der bisherigen Eigentümer, der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg MDS und der SPD-Medienholding ddvg. Ein offener Appell, rund vier Millionen Euro zur Vorfinanzierung des Insolvenzsozialplans zur Verfügung zu stellen, sei abgelehnt worden. "Wir sind mit einem Tritt auf die Straße befördert worden und bekommen noch nicht einmal ein Almosen", sagte Bathis. „Die FR-Mitarbeiter fühlen sich gedemütigt, wir sind verbittert."

dpa

Quelle: op-online.de

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