Wie täglich Mobilität gerettet wird

Der Segen von Fuß, Rad und Bahn

Frankfurt - Dass es die Menschen zunehmend lieben, in Frankfurt zu wohnen, stellt Verkehrsplaner vor Probleme. Mittlerweile kommen in der „Pendlerhauptstadt“ auf 100 „Einreisende“ 23 Frankfurter, die zur Arbeit ins Umland pendeln. Von Michael Eschenauer

Radfahrer und Fußgänger sowie Bus und Bahn legen zwar anteilsmäßig über die Jahre kaum zu. Aber sie verhindern immerhin, dass der Verkehr insgesamt völlig zusammenbricht.

All dies zeigt eine Haushaltsbefragung der Technischen Universität Dresden zum Mobilitätsverhalten der Frankfurter Bevölkerung. Hierfür wurden im Jahre 2013 rund 13.200 Haushalte in Frankfurt und anderen Städten der Region befragt. Wichtigstes Ergebnis der Studie, die gestern der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Knut Ringat, und Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) vorstellten: Das breite Wachstum in der Region, insbesondere in Frankfurt, führt zu immer mehr Verkehrsbewegungen, egal welche Art des Verkehrs man beobachtet. Die Zahl der auf Basis der Befragungen ermittelten und hochgerechneten Wege, die von Frankfurtern täglich zurückgelegt wurden, stieg von 2,04 Millionen pro Tag im Jahr 2003 auf 2,37 Millionen im Jahr 2013.

Die meisten nutzen immer noch das Auto

Ungünstig beim Pendlerverkehr ins Umland ist die Tatsache, dass 79 Prozent das Auto und nur 21 Prozent den ÖPNV benutzen. Hier liegt damit eine der wichtigsten Aufgaben der Verkehrsplanung für Frankfurt und die Region. Denn auch bei den Einpendlern nach Frankfurt bleibt der stauverursachende und abgasintensive Autoanteil hoch. Die Zahl der Einpendler lag 2013 bei 336.050, im Jahre 2008 waren es 323.550 (+3,9 %). In den Städten der Region steigt die Mobilität ebenfalls. 2008 verließen 484.230 Berufstätige ihre Heimatkommune, um zur Arbeit zu gelangen. 2013 waren dies 523 041 (+8 %). Die Zahl der Auspendler aus Frankfurt stieg im Beobachtungszeitraum von 65.606 auf 77.052 (+17 %). Insgesamt nahm die Bevölkerung im Regionalverband von 2,202 auf 2,248 Millionen Menschen zu (+2 %). In Frankfurt stieg die Bevölkerung von 670 170 auf 711 679 (+ 6,2%).

Positiv vermerkt Majer, dass 1,836 Millionen Wege täglich in Frankfurt mit ÖPNV, Rad und zu Fuß („Umweltverbund“) zurückgelegt werden, während der Autoverkehr mit 533.000 Wegen deutlich weniger als ein Drittel dieses Wertes schafft. Von 2008 bis 2013 habe dieser sogenannte Umweltverbund bei den zurückgelegten Wegen der Befragten um 17,6 Prozent (ÖPNV: +15,5 %, Rad: +14,4 %, Fußverkehr +20,6 %) zugelegt, der Autoverkehr aber „nur“ um 13,8 Prozent. Der Wachstumstrend des Rades sei damit ungebrochen, die eigenen Füße weiterhin „das beliebteste Verkehrmittel der Frankfurter“, schlussfolgern Ringat und Majer.

Region funktioniere nur im Verkehrsmix

Für den RMV-Chef liegt das Positive der Entwicklung darin, dass „der Kuchen der Mobilität insgesamt gewachsen ist, aber wir den Anteil der umweltverträglichen Fortbewegungsmittel von zwei Dritteln halten können.“ So wurden 2013 bei insgesamt steigenden absoluten Zahlen knapp 30 Prozent aller Wege der Frankfurter zu Fuß zurückgelegt. Es folgt das Rad mit 12,6 Prozent, der ÖPNV mit 22,5 Prozent und das Auto mit 35 Prozent. Seit 2003 gab es kaum Veränderungen zwischen Auto und „Umweltverbund“. Im innerstädtischen Verkehr liegt der „Umweltverbund“ sogar bei einem Anteil von 72 Prozent, das Auto bei 28 Prozent.

Nur im Verkehrsmix funktioniere die Region, sagte RMV-Geschäftsführer Ringat. „Man muss nicht alle Wege mit uns fahren, wir könnten ja gar nicht alle transportieren.“ Die wochenlange Sperrung der Schiersteiner Brücke habe gezeigt, wie fragil das System sei. Prognosen gingen von einem Wachstum des Verkehrs um 8 Prozent und der Pendlerströme um 12 Prozent in den nächsten Jahren aus. Alles konzentriere sich auf die Ballungsräume, auf dem Land gebe es nur Zuwachs beim Pendlerverkehr, sonst aber Rückgang.

Wo Autofahrer am längsten im Stau stehen

Wo Autofahrer am längsten im Stau stehen

Die Prognosen machten deutlich, wie dringend der Ausbau der Bahnstrecken sei, sagte Verkehrsdezernent Majer. Investitionen in den Öffentlichen Personenverkehr seien schon deshalb nötig, damit der Autoverkehr noch abgewickelt werden könne. Engpässe sieht Majer in der Bahnverbindung zwischen Frankfurt und Gießen sowie in der nach Hanau. Der Bund müsse mehr Geld bereitstellen als bisher.

Quelle: op-online.de

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