Frankfurter tricksen bei Filmen

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Kreativer Kopf bei der Arbeit: Grafikdesigner Florian Friedman entwickelt an seinem Computer Spezialeffekte für Filme.

Frankfurt - Es schneit in Paris. Große weiße Flocken fallen vom Himmel. Ein dampfender Zug fährt in ein Bahnhofsgebäude ein. Dann eine lange Kamerafahrt dem Zug hinterher, hinein in die Bahnhofshalle und hinauf zu dem Ziffernblatt einer riesigen Bahnhofsuhr. Von Lara Sturm

Das ist die Eröffnungsszene von „Hugo Cabret“. Entstanden sind diese Bilder nicht in Paris oder vor einer Filmkulisse, sondern auf Computerbildschirmen in Frankfurt.

Geht man ins Kino, sieht man Dinge auf der Leinwand, die es nicht gibt, obwohl sie so aussehen, als gäbe es sie. Möglich wird dies durch visuelle Effekte. Heute sind diese so perfekt, dass sich Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden lassen. Der Film „Hugo Cabret“ spielt im Paris der dreißiger Jahre. Gedreht wurde vor einer grünen Wand. Viele Kulissen entstanden am Computer. Perfekte Illusion durch moderne Technik. Verantwortlich dafür ist die Firma Pixomondo. Im Februar wurde das Unternehmen für seine Arbeit am Film „Hugo Cabret“ mit einem Oscar belohnt. Entgegen nehmen durften den Preis zwei amerikanische Kollegen, während die Frankfurter Mitarbeiter der in Hessen gegründeten Effektwerkstatt die Verleihung gemeinsam im Büro verfolgten.

In Frankfurt arbeiten 40 Experten an Spezialeffekten für Filme

Gespannt fieberten sie dem entscheidenden Augenblick entgegen. „Hugo Cabret“ räumte an dem Abend vier Oscars ab, der für visuelle Effekte wurde als letzter verliehen. Mit einem Gewinn gerechnet hatten sie nicht. „Der Oscargewinn kam tatsächlich völlig unerwartet. Wir waren schon stolz, als der Film den ersten Oscars des Abends, den für die beste Kameraführung, gewann, und ein Filmausschnitt gezeigt wurde und Bilder zu sehen waren, die an unseren Rechnern entstanden sind.“, erzählt Standortleiterin Sabrina Gerhardt. Danach wurde gefeiert. Denn es gab allen Grund stolz zu sein, schließlich ist der Standort maßgeblich für die digitale Bearbeitung der Bilder des 3D-Films verantwortlich. Ob man durch den Oscargewinn auch mehr Aufträge an Land ziehen konnte, wird in der Bilanz am Jahresende geprüft werden.

In Frankfurt arbeiten 40 Experten an Spezialeffekten für Filme. Diese kommen aus der ganzen Welt. Von deutschen Werbefilmen bis zu internationalen Hollywood-Produktionen ist alles dabei. Dreizehn Standorte in Europa, Asien und Nordamerika und rund 670 Mitarbeiter zählen zu Pixomondo. Bei fast jedem Film wird mit visuellen Effekten gearbeitet, denn simulieren ist oft günstiger als ein Drehtag am Set. „Also wird bei uns hinterher am Computer getrickst, wo es nur geht. Wie viel Arbeit dahinter steckt, soll der Zuschauer nicht merken“, sagt Gerhardt.

Teilweise ist monatelange Nachbearbeitung erforderlich und die Spezialisten müssten eigene digitale Charaktere entwickeln. Für die Serie „Game of Thrones“ entstanden kleine Drachen an den Rechnern im Frankfurter Osten. Und so werden am Computer dreidimensionale Modelle der Drachen geschaffen und jede ihrer Bewegung wird konzipiert - vom Augenaufschlag bis zum Flügelschlag. „Wenn man so lange an einem visuellen Charakter arbeitet, wächst der einem natürlich ans Herz“, gesteht Gerhardt. Und so sei es manchmal auch kompliziert, seine eigenen kreativen Gedanken mit den Vorstellungen des Regisseurs unter einen Hut zu bringen. „Aber man darf nie vergessen, dass man Auftragskünstler ist.“

Neue Wege beschreitet Pixomondo nun erstmals mit dem Kinofilm „Der kleine Rabe Socke“. Sollten bisher die visuellen Effekte möglichst realistisch wirken, stellt sich nun den Mitarbeitern eine neue Herausforderung: Die Bilder im Film sollen den Originalbildern aus der beliebten Kinderbuchreihe „Der kleine Rabe Socke“ von Nele Moost und Annet Rudolph möglichst ähnlich sehen. Rund vier Millionen Euro kostet das Zeichentrickabenteuer.

Das Land Hessen fördert den Film mit 432.000 Euro. Die Förderung ist mit ein Grund, warum ein Großteil der Bilder auf den Rechnern von Pixomondo in Frankfurt entsteht. Denn eine Förderbedingung ist, dass das Geld auch in Hessen ausgegeben werden soll. Zu sehen ist das Ergebnis ab 6. September im Kino.

Quelle: op-online.de

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