Nach Flucht aus Klinik

Frankfurter Tuberkulose-Patient bleibt verschwunden

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Symbolbild

Frankfurt – Eine Fahndung ohne Erfolg: Von dem an Tuberkulose erkrankten Obdachlosen, der am 2. August aus dem St. Katharinen-Krankenhaus geflohen ist, fehlt weiterhin jede Spur. Die ansteckende Krankheit spielt mittlerweile auch an anderer Stelle eine Rolle: in Flüchtlingsheimen. Von Sandra Klauß

Es waren keine guten Nachrichten, die vor drei Monaten an die Öffentlichkeit gelangten: Ein 33-jähriger Patient war am 2. August von der Isolierstation des St. Katharinen-Krankenhauses geflüchtet. Der Obdachlose litt an einer offenen Lungen-Tuberkulose (TBC) und galt als hoch ansteckend. Zwar hatte er sich am 22. Juli zunächst selbst in Behandlung begeben, danach allerdings äußerst aggressiv verhalten. Vor seiner Flucht randalierte er so lang in seinem Zimmer, bis das Klinikpersonal die Polizei rief. Er wurde anschließend in eine besonders gesicherte Seuchenabteilung verlegt, ans Bett fixiert und unter Bewachung gestellt. Nur wenige Stunden, nachdem die Polizei zwei Tage später die aufpassenden Beamten abgezogen hatte, befreite sich der 33-Jährigen und entkam durch ein Fenster. Seitdem ist er verschwunden – trotz sofort eingeleiteter Fahndung.

„Die zuständigen Kollegen haben aktuell keine neuen Erkenntnisse über seinen Verbleib“, sagte Polizeisprecher Manfred Füllhardt auf unsere Anfrage. Dr. Udo Götsch, zuständig für die Tuberkulose-Beratung des Frankfurter Gesundheitsamts, wundert das nicht: „Man muss bedenken, dass Obdachlose oft in ganz Europa unterwegs sind und niemand weiß, wohin der Patient nach seiner Flucht gegangen ist.“ In deutschen Obdachlosenheimen würden Besucher ab 15 Jahren zwar routinemäßig geröntgt und auf TBC untersucht, allerdings erst ab einem Aufenthalt von mindestens drei Tagen. Wer kürzer bleibt, wird nicht erfasst.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gehört Tuberkulose zu den tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Als Symptome treten Husten, zunehmende Schwäche, Gewichtsabnahme, Fieber und Nachtschweiß auf. In fortgeschrittenen Fällen liege das Sterblichkeitsrisiko bei 30 Prozent, teilte Udo Götsch mit. Die bakterielle Infektion verbreitetet sich vorrangig durch Tröpfchen beim Niesen, Husten, Sprechen. Gefährdet seien in Deutschland allerdings vor allem Personen, die über längere Zeit direkten Kontakt zu Erkrankten hätten. Flüchtige Begegnungen führten dagegen nur äußerst selten zur Ansteckung. In Frankfurt gebe es durchschnittlich 100 bis 150 TBC-Fälle pro Jahr.

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Auch in deutschen Flüchtlingsheimen spielt die Krankheit zunehmend eine Rolle. Erst am Montag hat die Stadt Krefeld einen neuen Ausbruch bestätigt. Ein 27-Jähriger befindet sich dort derzeit in ärztlicher Behandlung. Aus den Unterkünften der Mainmetropole sind dem Gesundheitsamt bislang keine erkrankten Erwachsenen gemeldet worden. „Uns sind jedoch in diesem Jahr sieben oder acht Tuberkulose-Fälle bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Frankfurt bekannt“, sagte Udo Götsch auf unsere Nachfrage. 2014 seien es elf Fälle gewesen. Die jungen Patienten würden zwei Wochen stationär behandelt. Sobald die Ärzte ein Ansteckungsrisiko ausschließen könnten, dürften die Jugendlichen zurück in ihre Betreuungseinrichtungen. Allerdings müssten sie zirka sechs Monate weiter Medikamente einnehmen. Das Regierungspräsidium lasse präventiv alle Flüchtlinge in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen auf TBC untersuchen. „Aufgrund des großen Andrangs gelingt das aber oft nicht innerhalb einer Woche“, sagte Udo Götsch abschließend.

Quelle: op-online.de

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