„Casting“-Wettbewerb für ein fleischiges Original

Knackig, würzig und vom Metzger

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Was ein richtiger Offenbacher ist, der beäugt ein echtes Frankfurter Würstchen natürlich besonders kritisch: hr-Moderator Holger Weinert.

Frankfurt - „Frankfurter Würstchen sind weltweit bekannter als in ihrer Heimatstadt selbst.“ So begründet Innungs-Obermeister Thomas Reichert das „1. Frankfurter Würstchen Casting“. Von Sonja Thelen

Knackig müssen sie sein, die Frankfurter Würstchen. hr-Moderator Holger Weinert nickt bei seinen Worten bekräftigend. Obwohl er ein gebürtiger Berliner ist, der in Offenbach wohnt und leider nicht wirklich gut hessisch babbeln kann, liebt er die Frankfurter Würstchen. „Und je mehr sie geräuchert sind, umso geschmackvoller sind sie“, beendet er seinen Lobgesang auf das in der ganzen Welt bekannte fleischige Produkt. Nur in seiner Heimat, in Frankfurt, wo es bereits im 14. Jahrhundert seinen Siegeszug begann, ist es in den vergangenen Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten.

Doch am gestrigen Nachmittag war davon auf dem Liebfrauenberg mitten in der Innenstadt kaum etwas zu spüren. Beim „1. Frankfurter Würstchen Casting“, das die Fleischerinnung Frankfurt-Darmstadt unter der Regie ihres Vorstandsvorsitzenden Thomas Reichert initiiert hatte, traten 45 Metzgereien aus Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Hoch- und Maintaunus, Wiesbaden sowie der Wetterau mit ihren Kreationen gegeneinander an.

15 verschiedene Würstchen für die Jury

Knackigkeit, Geschmack, Aussehen - in diesen Kategorien gab’s Punkte. Ein Juror macht zudem den Geruchtstest.

Dicht gedrängt standen die Menschen rund um den Brunnen, um den sich an drei Tischen die mit Prominenten und privaten Würstchen-Experten besetzte Jury gruppiert hatte. In einer Blindverkostung hatte jeder Juror 15 verschiedene Würstchen zu probieren. „Zu bewerten sind Geschmack, Aussehen und Knackigkeit“, erläuterte Thomas Reichert zu Beginn. Konzentriert machte sich etwa Genussexperte und hr-Urgestein Karl-Heinz Stier an die Verkostung: Zunächst spülte er sich den Mund mit Wasser, dann biss er beherzt zu und kaute. Schließlich vermerkte er seine Einschätzung auf dem Bewertungszettel.

Als ein „echtes Frankfurter Würstchen“ offenbarte sich Bürgermeister Olaf Cunitz, der wie die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, Ex-FSV-Präsident Bernd Reisig, PR-Experte Moritz Hunzinger, DGB-Funktionär Harald Fiedler und Travestiestar Thomas Bäppler der Jury angehörte. „Das ist eine tolle Idee. Ich bin ganz begeistert. Denn Heimatgefühl hat auch ganz viel mit Essen und Trinken zu tun. Dazu gehört neben dem Handkäs‘ und der Grünen Soße in unserer Stadt auch das Frankfurter Würstchen“, lobte der Grünen-Politiker die Initiative.

Gewinner aus Pfungstadt

Sieht gut aus: Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) hat die Würstchen ganz genau unter die Lupe genommen.

Anlass, das Casting zu organisieren, war übrigens ein Artikel im „Extratipp“ unserer Mediengruppe, in dem sich ein Leser darüber beschwert hatte, dass in den regionalen Supermärkten die „Frankfurter“ überall gleich schmecken würden. Der Grund: „Zu 90 Prozent stammen in Frankfurt die Würstchen aus derselben Großmetzgerei - egal in welchem Supermarkt Sie die Wurst einkaufen“, erläutert Reichert. Wie lecker und würzig ein von einem örtlichen Fleischer nach der genau festgelegten Rezeptur hergestelltes Original Frankfurter Würstchen, für das es seit 1929 eine geschützte geographische Herkunftsbezeichnung gibt, schmecken kann, demonstrierte das Casting. In dessen Verlauf sangen auch die „Fröhlichen Frankfurter Fleischer-Frauen“, und die Band „Tiger B. Smith“ rockte den Liebfrauenberg.

Am Ende gewann die Metzgerei Feldmann aus Pfungstadt, gefolgt vom Fleischerei-Fachgeschäft Kai Waibel (Frankfurt-Bockenheim) und vom Fleischerei-Fachgeschäft Florian Schmidt (Mühlheim). Innungs-Chef Reichert war von der Resonanz begeistert: „Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich bin 100-prozentig überzeugt, dass es ein zweites Casting geben wird. Denn jetzt ist der Ehrgeiz der Kollegen beflügelt.“

Quelle: op-online.de

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