Ein Jahr nach "Baggerbiss" im Zoo

Erst bekommen die Pinguine ein neues Zuhause, dann die Löwen

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Humboldt-Pinguin hinter Glas: Derzeit haben die Tiere noch ihr Zuhause im Exotarium des Frankfurter Zoos.

Frankfurt - Schöner für die Besucher, vor allem aber auch für die Bewohner: Seit einem Jahr wird an einer neuen Pinguinanlage im Frankfurter Zoo gebaut. Das nächste Projekt ist bereits in Planung. Von Eva Krafczyk

Vom fertigen Modell im Informationscontainer ist die künftige Pinguin-Anlage des Frankfurter Zoos noch ein ganzes Stück entfernt. Rund ein Jahr nach dem "Baggerbiss" ist zwar reichlich Erde ausgehoben, wurden Fundamente gelegt und wachsen die Wände der neuen Heimat einer Kolonie von Humboldt-Pinguinen. Doch es gibt noch einiges zu tun. "Wir liegen mit den Bauarbeiten aber im Großen und Ganzen im Plan", versichert Zoodirektor Manfred Niekisch.

Der 66-Jährige muss es wissen: Seit er im Frühjahr 2008 die Leitung des Frankfurter Zoos übernahm, ist der Biologe und langjährige Naturschützer auch ein bisschen zum Baumeister geworden. Wenn die Pinguinanlage im kommenden Sommer öffnet, kann Niekisch allerdings "nur" als Besucher dabei sein: Der Zoodirektor geht zum Jahresende in den Ruhestand. Für die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ist der Neubau der Anlage für die Humboldt-Pinguine "ein weiterer wesentlicher Schritt zur Modernisierung des Zoos".

Vor allem, da zu der neuen Anlage auch ein didaktisches Konzept gehört. "Der Zoo schlägt mit seinem breiten Angebot Brücken über Generationen und Nationen hinweg. Diesen bedeutenden Bildungsansatz wollen wir in den kommenden Jahren für die nächsten Generationen ausbauen und weiterentwickeln", versicherte Hartwig bereits beim Baubeginn. Humboldt-Pinguine leben an den Pazifikküsten Nordchiles und Perus, sie kommen aber mit dem Frankfurter Klima sehr gut zurecht und können ganzjährig auf einer Außenanlage gehalten werden. Das spart Energie für eine aufwendige Kühlung.

Nicht gespart wird bei der fast 2000 Quadratmeter großen neuen Anlage an Platz für die Tiere zum Schwimmen, Tauchen und Brüten. Das Bauvorhaben mit Gesamtkosten von 7,2 Millionen Euro ist der größte Entwicklungsschritt seit der Eröffnung der neuen Anlage für Brillenbären und Brüllaffen, dem Ukumari-Land, im Jahr 2013. Damit ist dann auch das 30-Millionen-Euro-Investitionsprogramm abgearbeitet, das die Stadtverordneten für den Zoo Frankfurt im Jahr 2008 beschlossen hatten.

Zoodirektor Niekisch ist zwar nur noch ein paar Wochen im Amt, doch so ganz ohne Baupläne oder Bauwünsche kann er nicht gehen: Kürzlich rief er zusammen mit Hartwig in ihrer Funktion als Schirmherrin der Zoo-Stiftung zu Spenden für eine Neugestaltung der Anlage der asiatischen Löwen auf. Durch eine Trockenlegung des Wassergrabens könnte die Fläche auf 960 Quadratmeter verdoppelt werden, hofft Niekisch. Der Umbau soll gleichzeitig neuen Richtlinien zur Haltung von Großkatzen gerecht werden. Diese Regeln schreiben nämlich vor, dass die Außenanlage bei Bedarf in zwei abgeschlossene Bereiche getrennt werden kann.

Bilder: Tierbabys in Frankfurt und Kronberg

Dies sei eine wichtige Voraussetzung für die Zucht der hochbedrohten Tierart, sagte Niekisch. Er hofft auf Nachwuchs bei den Löwen. Denn Löwen-Mann Kumar ist zwar erst seit dem Herbst im Frankfurter Zoo, seitdem seiner Gefährtin Zarina aber schon "ganz, ganz nahe gekommen". Ob Anfang 2018 mit Frankfurter Löwenbabys zu rechnen ist, ist noch nicht bekannt. Was das erweiterte Zuhause des Löwenpaaren kosten dürfte, wissen Hartwig und Niekisch dagegen schon: Die Kosten werden auf etwa 1,3 Millionen Euro geschätzt. Spendenbox und -konto gibt es bereits, doch nicht nur am fehlenden Geld liegt es, dass der Baubeginn erst in etwa zwei Jahren angepeilt ist: "Erst wird das Pinguin-Projekt abgeschlossen", versichert Niekisch. "Zwei große Baustellen zur gleichen Zeit - das wollen wir unseren Besuchern und auch den Tieren nicht zumuten."

Quelle: op-online.de

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