Die Größe macht‘s eben doch

+
High-Heels in Größe 44? – Na klar, wenn das Motto schon ü180cm ist, dann dürfen‘s dank Absatz ruhig nochmal zehn Zentimeter mehr sein

Frankfurt - Es gibt Filme ab 18, Feten ab 30, Aufzüge bis 320 Kilogramm. Und jüngst die Frankfurter Partyreihe ab 180 Zentimetern. Unsere „längsten“ Volos Sebastian Faerber (192 cm) und Cora Werwitzke (179 cm) waren dabei.

Ach, der eine Zentimeter - mit 1,79 Meter werd ich schon in den Club kommen. Auf dem Weg zum „Orange Peel“ überlege ich trotzdem, ob ich meinen Perso besser verstecken sollte. Sicher ist sicher. Wer weiß, wie die Türsteher drauf sind. Kollege Sebastian wartet schon vorm Eingang. Erleichterung macht sich breit, statt Türsteher mit Zollstock erwartet uns ein Begrüßungs-Komitee mit Schokoriegeln und Giraffen-Stempel. Ein paar Meter weiter läuft uns der Geschäftsführer des Clubs über den Weg. Der fällt heute auf – „maximal 1,72 Meter“, kalkuliere ich im Stillen. Apropos still, es wirkt unten an der Garderobe recht ruhig: „Hey Sebastian, wie viel Uhr haben wir eigentlich?“

...„ich High-Heels ohne Bedenken anziehen kann.“ CONSTANZE, 184cm

„21.30 Uhr. Wir sind bestimmt zu früh.“ Um diese Zeit geht doch niemand in einen Club und erwartet ernsthaft, eine ins Rollen gekommene Party vorzufinden. Aber – die Treppe hoch, durch eine Tür, zwei Türen – falsch gedacht: Das Parkett wird bereits von zahlreichen umherwirbelnden Menschen bearbeitet. Röcke fliegen zu Popmusik und werden von bunten Strahlern und reflektierenden Discokugeln angefeuert. Der Dj lässt die Hände vom Laptop zum Schallplattenspieler sausen, um das Vinyl beim Scratchen ins Stottern zu bringen. An der Theke schmücken die Barkeeper Cocktails mit Früchten und Schirmchen, wie ein Hotel den hauseigenen Strandabschnitt zur – naja, mindestens wie zur Vorsaison. Aber wenn das erst der Anfang ist, was mag da noch kommen? Von Umherstehenden ohne Tanzpartner gibt es jedenfalls jede Menge suchende Blicke. „Sag mal, wie könnt ihr Frauen das bloß so dezent ignorieren?“

Alle Frauen tragen Absätze

...„hier große, geile Männer sind, die tanzen können.“ PETRA, 182cm

„Was hast du gesagt? Ich finde vor allem eines interessant: Alle Frauen tragen Absätze.“ Und was für welche – „zwölf Zentimeter“, meint Constanze (184 cm) unten beim Raucherpäuschen, „hier kann man sie mal anziehen.“ Andrea (181 cm) trägt knallrote High-Heels, Petra (182 cm) welche mit Leopardenmuster. „Wenn wir anderswo feiern, wird über uns getuschelt“, sagt Beate (189 cm) aus dem Organisations-Team, „hier drehen wir den Spieß um, hier fallen Kleine auf.“ Mal auf Augenhöhe zu feiern ist das eine, zu flirten das andere. „Klar, ist das auch eine Kontaktbörse, aber das steht nicht an erster Stelle“, meint Beate. Wie gut, dass Petra in diesem Moment ein „Habt ihr schon die Sahneschnitte da oben gesehen“ in die Runde wirft. Immerhin, jede weiß, wer gemeint ist. „Du auch, Kollege?“

„Nö, aber so hab ich mir das schon gedacht.“ Für die Frauen scheint es eine Freude zu sein, den Männern trotz Absätzen in die Glubscher blicken zu können - und umgekehrt. „Es ist so toll, endlich mal einer Frau auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt ein ü200cm-Mann eindeutig zweideutig und zelebriert die Möglichkeit beinahe stierend. „Ein anderer kommentiert: „Für die Party hab ich sogar die Meisterfeier in Dortmund ausfallen lassen!“ „Hey Cora, das sind noch Männer, die echte Opfer bringen.“

Ein paar Promis lächeln zweidimensional in den Raum

...„wir hier endlich unter uns sind.“ RAÒUL, 204cm

 „Hört, hört“ - Köln, Koblenz, Dortmund, kein Weg zu weit fürs überdurchschnittlich lange Partyvolk. Sogar ein paar Promis lächeln zweidimensional in den Raum – Cindy von Marzahn mit beachtlichen 190 cm, gefolgt von Schlaks Pascal Hens (203 cm) und He Pingping (74 cm), seinerzeit kleinster Mann der Welt. Es ist fast Mitternacht, auch die Umhersteher sind schließlich Teil der Tanzmeute geworden. Wie die Zeit vergeht. Der Kollege lehnt an der Bar – „na, abschließende philosophische Gedanken?“

Klar, wer wie ich Tolkiens Bücher gelesen hat, weiß, dass es für den einen knechtenden Ring, also den Bund fürs Leben, zwei „Türme“ braucht. Nein, im Ernst. Ich bin zur Erkenntnis gelangt: einfach nur als erste zu wissen, wenn's regnet, reicht nicht. Man braucht wohl jemanden, mit dem man gemeinsam auf den Rest der Welt herunter schauen kann.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare