Frankfurts Brücke zur weiten Welt

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Frankfurts Alte Brücke war einer der wichtigsten Flussübergänge des alten Europas.

Frankfurt ‐ Im Mittelalter führten alle Wege nach Rom - und nach Frankfurt. Denn hier gab es eine Brücke über den Main. Wobei das Wort „eine“ vielleicht besser durch „die“ ersetzt werden sollte. Von Christian Riethmüller

Frankfurts Alte Brücke war schließlich einer der wichtigsten Flussübergänge des alten Europas. Historiker nennen sie in einem Atemzug mit den berühmten mittelalterlichen Brücken in Prag, Regensburg und Dresden. Doch die Alte Brücke ist mehr als nur ein bedeutendes Bauwerk in der Geschichte. Ohne sie wäre Frankfurt nicht Messestadt geworden, nicht Ort der Kaiserwahl, nicht Finanzplatz, nicht Metropole. Und die Stadt wäre heute nicht einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in Europa. Diese These vertritt die zwar kleine, aber sehr interessante Ausstellung „Es führt über den Main…Frankfurts Alte Brücke. Gestern, Heute, Morgen“, die derzeit im Institut für Stadtgeschichte zu sehen ist.

Urkundlich erwähnt wird sie erstmals im Jahr 1222

Die Schau im Refektorium des Karmeliterklosters, deren Architektur sinnigerweise der einer Brücke nachempfunden ist, zeigt in komprimierter Form die über tausendjährige Geschichte der Main-Überquerung just an jener Furt, der Frankfurt seinen Namen verdankt. Von jenem sagenhaften Tag an, als Karl der Große - vielleicht aber auch dessen Großvater Karl Martell - vor den Sachsen floh und samt seinem Gefolge von einer Hirschkuh den rettenden Weg durch den Fluss gewiesen bekam, bis zum Bau einer Brücke an dieser Stelle vergingen wohl 300 Jahre. Wann genau die Brücke errichtet wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals im Jahr 1222.

Die Alte Brücke heute.

Ob sie da schon komplett aus rötlichem Mainsandstein oder doch in Mischkonstruktion aus Stein und Holz errichtet war, ist ebenfalls nicht mit Gewissheit zu klären. Eine Federzeichnung aus dem Jahr 1405 stellt das Bauwerk in Stein dar, was später auch Ausdruck in einem bekannten Kinderlied finden sollte, in dem es heißt „Es führt über den Main / Eine Brücke von Stein. /  Wer darüber will gehn, / muss im Tanze sich drehn.“

Obwohl in Stein gebaut und damit eigentlich solider als etwa eine Holzbrücke, wurde die Alte Brücke doch immer wieder von Hochwassern in Mitleidenschaft gezogen, die teilweise nur die Brückenpfeiler mit ihrer Gewalt verschonten.

Weil nicht nur die Frankfurter Bürger, sondern auch Kirche und Kaiser großes Interesse am Erhalt der Brücke hatten, wurden von diesen Gruppen regelmäßig Geld und Baumaterialien zur Verfügung gestellt, um die Brücke nach Beschädigungen wieder instand zu setzen.

Im 18. Jahrhundert, oder genauer im Dezember 1739, war es mit dem ständigen Ausflicken aber endgültig nicht mehr getan. Der Rat der Stadt beschloss, dass die Brücke von Grund auf renoviert werden soll, was im Jahr 1741 schließlich in Angriff genommen und 1750 vollendet wurde.

1912 bis 1926 Abriss und Neubau

Im 19. Jahrhundert verlor die Alte Brücke ihre überragende Bedeutung als Flussübergang, weil an anderen Stellen in Frankfurt und der Region neue Brücken über den Main errichtet worden waren. Das zusehends marode Bauwerk schien nur noch abbruchreif, außerdem war es für den Schiffverkehr ein Hindernis, weil die größer werdenden Schiffe Schwierigkeiten hatten, die nur zehn Meter breiten Bögen der Alten Brücke zu passieren.

Weil auf einen Brückenbau an dieser exponierten Stelle nicht gänzlich verzichtet werden konnte, kam es in den Jahren 1912 bis 1926 zum Abriss und Neubau der nun „Neuen Alten Brücke“. Bei deren Einweihung am 15. August 1926 sprach Franz Heberer im Namen der Architekten die Worte: „Nun biste fertig, Brick, / nach langem schweren Leide. / Jetzt bring aach Frankfurt Ehr‘ und Glick / Bis in die fernste Zeite.“

Die Ausstellung „Es führt über den Main…“ ist bis 20. Juni im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte, Karmeliterkloster, zu sehen. Öffnungszeiten: Mo - Fr 10 bis 18 Uhr, Sa, So 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zu der Schau ist ein informativer Band von Björn Wissenbach im Societäts-Verlag erschienen.

Die Glückwünsche hielten nicht lang. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke bei Bombenangriffen am 5. November 1944 schwer beschädigt. Vor der Einnahme Frankfurts durch die Amerikaner sprengten deutsche Truppen am 26. März 1945 die Brücke, die nach dem Krieg provisorisch wieder aufgebaut wurde. Provisorium ist sie eigentlich bis heute geblieben. In diesem Sommer soll nun mit der grundlegenden Sanierung des Bauwerks begonnen werden. Unter anderem steht die Stabilisierung der porös gewordenen Brückenpfeiler an. 31,6 Millionen Euro die gesamte Maßnahme kosten, damit weiterhin die Brücke aus Stein führt über den Main.

Quelle: op-online.de

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