Frankfurts Geschichte mit neuem Rahmen

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Sie präsentierten die ehrgeizigen Pläne für eines der größten Museen der Mainmetropole: der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow, Kulturdezernent Felix Semmelroth und Architekt Norbert Diezinger (von links).

Noch kleidet sich der Altbau des historischen Museums Frankfurt in Baugerüste. Doch nicht mehr lange und das historische Ensemble kann im neuen Gewand auftreten. Direktor Jan Gerchow gab jetzt zusammen mit Kulturdezernent Felix Semmelroth ( CDU ) und Diplomingenieur Norbert Diezinger den Startschuss für den Umbau. Kostenpunkt: 19,8 Millionen Euro. Von Melanie Gärtner

Kulturdezernent Semmelroth verwies dabei auf die einzigartige Sammlung mit rund einer Million Objekten und mehr als 4000 Gemälden. Das Konzept sieht vor, dass künftig der Stauferbau eine Ausstellung der Stauferzeit zeigen wird. Im Bernuspalais wird das Kindermuseum wieder seinen Platz erhalten. Der Neubau des Historischen Museums soll dann 2011 nach den Plänen der Stuttgarter Architekten Lederer/Ragnarsdóttir/Oei errichtet werden.

Das in der Form eines länglichen Rechtecks angelegte Ausstellungsgebäude erhält ein Zwillingsdach, das die Giebelform der historischen Bauten am Römerberg aufnimmt. Es wird unterirdisch mit den anderen Museums-Bauten verbunden. Der Neubau soll 2014 eröffnet werden. Die Stadtverordnetenversammlung muss der Finanzierung aber noch zustimmen. Bei der „Neuaufstellung“ des Historischen Museums handelt es sich um ein in Frankfurt hitzig diskutiertes Thema, denn vor dem Hintergrund der Altstadtdebatte wurden die Pläne der Architekturbüros einer strengen Prüfung unterzogen. „Es geht darum, das wiederherzustellen, was verloren gegangen ist. Und genau das findet hier statt.“ Semmelroth ist mit dem Bauplan zufrieden. „Die historische Bausubstanz wird wieder hergestellt und damit werden die historischen Dimensionen der Gebäude hervorgekehrt.“

Und so sieht die Zukunft des Museums aus: Nach der Sanierung des Altbaus soll der zum Römerberg hin zeigende Betonbau von 1972 abgerissen und neu aufgebaut werden. „Es geht auch darum, etwas Neues zu schaffen. Der Neubau soll eine Korrespondenz zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffen, ohne zu reproduzieren,“ so Semmelroth. Vor dem Abriss geht es aber zunächst darum, den Altbau zu sanieren. Das Eichstätter Architekturbüro Diezinger & Kramer hat die Aufgabe übernommen, bis Mitte 2011 die fünf historischen Bauten am Mainufer der historischen Bausubstanz gemäß zu bearbeiten. Zu den historischen Gebäuden zählen der staufische Saalhof, der mit seiner romanischen Kapelle das älteste aufrecht stehende Gebäude Frankfurts ist, der spätmittelalterliche Rententurm, das barocke Bernuspalais, sowie der aus dem 19. Jahrhundert stammende Burnitzbau und das Zollgebäude. Bei der Rekonstruktion konnte sich Diplomingenieur Norbert Diezinger für den Burlizbau auf alte Baupläne stützen. Solche lagen für den Bernusbau nicht vor, so dass sich die Architekten anhand von Gemälden ein Bild verschafften.

Das Gesamtgebilde lebt von der Pluralität der Gebäude, die die Gesamtheit des Ensembles ausmachen“, sagt Norbert Diezinger. „Für uns Architekten ist das eine Chance, die Einzelgebäude in ihrer historischen Dimension hervorzuheben.“ In der Vergangenheit wurde nicht so sensibel mit der Bausubstanz umgegangen. „Nach der Bombardierung von 1944 war das Bedürfnis nach nutzbarem Raum wichtiger als der Denkmalschutz, und es wurden einige bauliche Entscheidungen getroffen, die zwar nützlich, aber der historischen Dimension des Gebäudes nicht gerecht wurden“, sagt Museumsdirektor Gerchow. Auch wenn es von außen so aussieht, als fügten sich die historischen Gebäudeteile nahtlos ineinander - innen ist dies nicht der Fall. So wie beim Rententurm, der sich in der Außenansicht fast übergangslos an den benachbarten Bernusbau anzufügen scheint. Von innen lässt sich allerdings nur schwer erraten, wo sich der Turm befindet.

Das werden wir ändern.“ Jan Gerchow möchte, dass die historischen Übergänge zwischen den Gebäuden sichtbar gemacht werden. Der Rententurm steht erstmalig in der Geschichte des Gebäudes für das Publikum offen, und das voraussichtlich auch noch kostenfrei. Nicht ganz so kostenfrei ist das Großprojekt an sich. Mit dem Finanzvolumen von 19,8 Mio. Euro ist der Umbau der historischen Altbauten, nicht jedoch der ab 2011 geplante Abriss und Aufbau des Zentralkomplexes abgedeckt. Wiederholt tauchte die Gesamtsumme von 30 Millionen Euro auf. Semmelroth will sich nicht hierauf festnageln lassen. Er steht jedoch hinter der Entscheidung: durch den Abriss des 72er Neubaus könnten nicht nur die unansehlichen Betonplatten der 70er Jahre aus dem Anblick des Römerbergs verschwinden, sondern für das Museum auch mehr Platz für seine Wechselausstellungen geschaffen werden.

Quelle: op-online.de

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