Frankfurts spektakulärste Baustelle

Die Altstadt wächst am Bretterzaun

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Der historische Hühnermarkt, wie ihn der Computer verspricht. - Fotos:

Frankfurt - Die Bauanträge für die Wohnhäuser sind eingereicht, das umstrittene Stadthaus ist schon im Bau: Im Herzen Frankfurts entsteht bis Ende 2016 die einst zerstörte Altstadt neu. Von Ira Schaible

Die riesige Baustelle auf dem Frankfurter Römerberg fällt den meisten Touristen gar nicht auf. Kaum einer der Besucher aus aller Welt weiß, dass hinter den Bretterwänden - auf einem Areal so groß wie ein Fußballfeld - die im Zweiten Weltkrieg zerbombte Altstadt neue Gestalt annimmt. Die umstrittene kleinteilige Mischung aus rekonstruierten und neuen Häusern soll bis Ende 2016 stehen.

Trotz monatelanger Verzögerungen bei der Sanierung der Tiefgarage ist das neue Viertel rund eindreiviertel Jahre nach der Grundsteinlegung im Plan, wie Projektmanager Patrik Brummermann von der DomRömer GmbH sagt. Sie koordiniert im Auftrag der Stadt die Planung und die Bauarbeiten. Die Kosten für das Projekt seien zwar von ursprünglich rund 100 Millionen Euro auf inzwischen etwa 150 Millionen gestiegen, dies liege jedoch an zusätzlichen Anforderungen. So würden nun etwa 15 und nicht wie zunächst geplant nur 6 Häuser rekonstruiert. „Eine Rekonstruktion ist etwa doppelt so teuer wie ein normaler Bau“, sagt Brummermann.

Bauantrag für alle 35 Häuser eingereicht

Die Bankenstadt rekonstruiert ihre Fachwerks-Vergangenheit.

Der Bauantrag für alle 35 Häuser ist eingereicht, 20 sollen ganz neu entstehen. Mit der Genehmigung rechnet Brummermann im Frühjahr 2014. Dann könnte im Juli, August mit dem Rohbau begonnen werden. Die Architekten der Neubauten müssen sich an Vorgaben halten wie mit Schiefer gedecktes steiles Satteldach und Mainsandstein im Erdgeschoss. Rund 60 Wohnungen seien insgesamt zu haben. Die Preise werden derzeit mit der Stadt abgestimmt, der Verkauf soll Ende des Jahres beginnen. Schon 850 Interessenten gibt es, so dass am Ende wohl gelost werden muss. Im Erdgeschoss ist Platz für etwa 20 Läden und Lokale - überregionale Ketten hat die Stadt ausgeschlossen.

Sieben Häuser werden von privaten Bauherren nach historischem Vorbild rekonstruiert. Die meisten wollten selbst einziehen - darunter eine Apothekerfamilie samt Geschäft und die Nachfahren der Besitzer des Hauses „Würzgarten“. Ob dessen Fassade wieder so intensiv ultramarinblau leuchten wird wie das Original vor seiner Zerstörung, sei noch unklar, berichtet Brummermann. „Obwohl sonst gilt: Wir rekonstruieren wie die Häuser zuletzt 1944 waren.“ Von den anderen acht Rekonstruktionen bleiben zwei bei der Stadt, die anderen werden verkauft. Die „Goldene Waage“ will die Stadt auch innen nach historischem Vorbild gestalten und Teile der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Apfelweinmuseum geplant

Eine Initiative will im Haus „Schildknecht“ am Hühnermarkt 18 ein Apfelweinmuseum einrichten. Für den Kauf des Hauses seien jetzt zwei Investoren gefunden worden, berichtet Jürgen Aha, einer der Initiatoren. Geplant sei das bislang nicht, sagt Brummermann. Sicher ist: Auf dem Hühnermarkt, einem Platz mit Cafés, wird der Stolze-Brunnen einen Platz finden. Das Denkmal für den Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze (1816-1891) hatte dort auch ursprünglich seinen Platz. „Damit gewinnt das Projekt der Altstadtbebauung an Authentizität“, sagte Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) über den 110 000-Euro teuren Magistrats-Beschluss.

Das von vielen ungeliebte Stadthaus nahe der Schirn wird schon gebaut - der Betrieb soll im Frühjahr 2015 aufgenommen werden. Es besteht aus fünf Gebäudeteilen, Kern ist ein Versammlungssaal, der über dem Archäologischen Garten hängt. Einige Kritiker hätten anstelle einer Wiederauferstehung der engen und an manchen Stellen schattigen Altstadt mit ihren meist vierstöckigen Häusern lieber eine großzügige, moderne Gestaltung gesehen. Anderen geht die Rekonstruktion nicht weit genug.

dpa

Quelle: op-online.de

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