Tom Gaebel Rheingau Musik Festival

Frankie-Boy's westfälischer Patenjunge

Wiesbaden - Er ist die deutsche Antwort auf eine US-Legende des Showbiz. Tom Gaebel sang Sinatra beim Rheingau Musik Festival im gut gefüllten Wiesbadener Kurhaus. Begleitet von seiner Bigband aus Edeljazzern, die das Ständchen zum 100. Von Klaus Ackermann 

Geburtstag von „The Voice“ zur munteren Swing-Session erhoben. Mit Evergreens von Frankie-Boy und einem Vorsänger, der sich auch als Dampfplauderer betätigte und das Publikum von Song zu Song mehr aus der Reserve lockte. Ein Oscar für die Rolle des Maggio in „Verdammt in alle Ewigkeit“, ein Jazzer, der Count Basies und Duke Ellingtons Bigbands befeuerte, der Evergreens im Dutzend lieferte. Ein Schwerenöter mit strahlend blauen Augen und einer der mit dem „Rat Pack“ - darunter Sammy Davis jr. und Dean Martin – um die Häuser zog – was fällt einem zu Frank Sinatra nicht alles ein?

Da gehört schon viel Mut dazu, abendfüllend mit seinen Songs aufzuwarten. Den kann man dem Gelsenkirchener Tom Gaebel, der in Ibbenbüren aufwuchs, durchweg bescheinigen. Und stimmlich kommt er dem Original, das so markant kernig und kurzatmig zu phrasieren verstand, durchaus nahe. Das dokumentieren Titel wie „The Lady Is A Tramp“ oder „Brazil“, die im ersten Konzertteil jazzig Funken schlagen, bei dem der Tontechniker allerdings noch um die Balance zwischen Sänger und Orchestersound ringt.

Dass er kein Entertainer aus Las Vegas, sondern aus dem Münsterland ist, macht Gaebel freilich von Anbeginn klar, das Publikum zum Mitpfeifen und Mitsingen animierend und mit kleinen pointierten Geschichten bei der Stange haltend. Da darf auch mal auf die volkstümlichen Taktzeiten eins und drei geklatscht werden. Wie überhaupt das Herz des „Dr. Jazz“ sogar für den anspruchsvollen Schlager schlägt, zu erleben im eingestreuten „Madman“ seiner aktuellen CD.

Doch seinen Sinatra hat Gaebel verinnerlicht, sei’s nun das gefühlvolle „Strangers In The Night“ oder ein „Mack The Knife“, bei dem der Swing sogar in morschere Knochen fährt. Und beim „Sing, Sing, Sing“ dokumentiert der Sänger, dass er auch als Schlagzeuger allerhand drauf hat. Sind bei „New York, New York“ die Bravos programmiert, so passt das finale „I Did It My Way“ haargenau auch auf Gaebel. Den großen Unterschied zum Idol hat der Sinatra-Nachfahre schon zu Beginn der Show aufgezeigt, ein Glas Wasser in der Hand. Bei Frankie wäre es wohl Whisky gewesen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Christoph Kassette

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