Lizenz zum Schunkeln

Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ als konzertante Aufführung

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Trumpften mächtig auf: Ingyu Hwang, Ludwig Mittelhammer, Gurgen Baveyan und Sebastian Geyer

Frankfurt - Die Frankfurter Oper gilt nicht unbedingt als Hort der Operette. Wie gut sie sich indessen auch auf dieses Metier versteht, bewies das stimmstarke Ensemble mit Gästen bei der Erstaufführung von Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ im Opernhaus. Von Axel Zibulski 

Wenn sich sanft der Karneval in den Vordergrund drängt und im Chor die Elferrats-Mützen Konjunktur haben, schielt die Oper Frankfurt ein wenig in Richtung Köln. Schließlich wird das Ensemble in der dortigen Philharmonie in wenigen Tagen gastieren, mit der konzertanten Produktion von Franz Lehárs Erfolgs-Operette „Der Graf von Luxemburg“. Am Silvesterabend hatte sie im Frankfurter Opernhaus Premiere – ausgewiesen, man will es kaum glauben, als „Frankfurter Erstaufführung“.

Natürlich: Die Bankenstadt hat nicht wirklich eine Operettentradition, und auch in der jüngeren Vergangenheit sind manche Versuche einer Neubelebung des Genres nicht eben gelungen. Wie glücklich, dass die Frankfurter Oper nun mit Lehárs 1909 in Wien uraufgeführtem Dreiakter um den Luxemburger Grafen und verarmten Bohemien René punkten kann, indem sie sich auf ihre großen, nämlich vokalen Stärken ihres Ensembles wie der gewonnenen Gäste verlässt. Wenn René zwecks Weitergabe seines Adelstitels die Sängerin Angèle Didier heiratet, damit diese nach der Scheidung wiederum standesgemäß in die Ehe mit dem russischen Fürsten Basikowitsch starten kann, dann sind in Frankfurt alle Partien sicher bis grandios besetzt.

So begeistert zuerst Daniel Behle, dessen lyrischer Tenor ansatzlose Höhen und ein elegantes Timbre ins heitere, musikalisch aber immer ernst genommene Spiel einbringt. Mit Camilla Nylund als Sängerin Angèle findet er eine Scheinehe-Partnerin von rollengerecht dramatischer Sopranwucht, zu der zumindest vokal auch Sebastian Geyers stattlicher Bariton des Fürsten Basilowitsch gut passt. In Lehárs Operette, die Frankfurt auf Basis der Berliner Zweitfassung von 1937 spielt, hat er freilich das Nachsehen, weil die Partner der arrangierten Scheinehe sich zwischenzeitlich tatsächlich ineinander verliebt haben.

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Das alles ließ sich in der Silvesterpremiere auch deshalb so prächtig, unterhaltsam und genau nachvollziehen, weil die Aufführung von absoluter Wortverständlichkeit grundiert sowie von szenischen Akzenten reizvoll erweitert wurde. Als Paravent, der bei der Eheschließung die beiden Partner trennt, fungierten kurzerhand zwei Notenständer, der Fürst trägt Zepter und Prinz René zwischenzeitlich eben Narrenkappe. Wenn die Dialoge doch einmal verflachen, gibt’s prompt einen Karnevals-Tusch vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester, das unter der Leitung der koreanischen Dirigentin Eun Sun Kim flüssig, allerdings nicht mit der letzten Dehnbarkeit der Tempi begleitet.

Weil die bühnenversierte Margit Neubauer als Darstellerin der am Ende alle Wirrungen auflösenden und den fiesen Fürsten kurzerhand wegheiratenden Gräfin Kokozow nach dem Stand der Dinge fragt, gelangt man als Zuschauer darüber im Zweifel immer wieder ins Bilde. Zum Geschehen gehört übrigens noch ein weiteres Paar in Gestalt von Renés Malerfreund Armand Brissard und dessen Partnerin Juliette, als die Simon Bode und Louise Alder die lyrischen Stärken des Frankfurter Ensembles einbringen. Der Chor singt prächtig und schunkelt sacht: Ein Riesenerfolg fürs Frankfurter Opernhaus!

Weitere Aufführung am Sonntag, 3. Januar. Karten gibt es unter 069/21249494.

Quelle: op-online.de

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