Fraport-Chef: Druck der Airlines ist natürlich groß

+
Selbst in der Krise habe es am Frankfurter Flughafen zu wenig Platz für die nachgefragten Starts und Landungen gegeben. Deshalb sei der Ausbau sinnvoll und unverzichtbar. Fraport-Chef Stefan Schulte sieht Passagier- und Fracht-Kennziffern klar im Aufwind.

Frankfurt ‐ Der Vorstandschef der Fraport AG, Stefan Schulte, sieht die wirtschaftlichen Aussichten im Luftverkehr wieder optimistischer. Im Interview plädierte er zugleich nachdrücklich für den Ausbau des Flughafens in Frankfurt. Außerdem plädierte er für eine Regelung der Frage des Nachtflugverbots auf europäischer Ebene.

Der Boom im Luftverkehr hat ja im Zuge der Wirtschaftskrise zumindest einen Dämpfer bekommen. Wie stark sind der Frankfurter Flughafen und die Fraport AG als sein Betreiber davon in Mitleidenschaft gezogen worden, und wie sehen Sie die Perspektiven für 2010 und die folgenden Jahre?

Die Aussichten fürs nächste Jahr sind deutlich besser, als wir es noch in den vergangenen Monaten annehmen konnten. Anfang des Jahres hatten wir in der Passage Einbrüche von mehr als zehn Prozent. Inzwischen liegen wir bei den Passagierzahlen zum Jahresende wieder auf Vorjahresniveau. Für die elf Monate von Januar bis einschließlich November registrieren wir in Frankfurt nur noch eine Abschwächung von leicht über fünf Prozent. Deutlich besser ist das Bild bei der Fracht, und das ist eine gute Nachricht. Denn die Fracht gilt unverändert als Frühindikator für die Konjunktur. Im November wurden sieben Prozent mehr Fracht in Frankfurt umgeschlagen als im November vergangenen Jahres. Anfang dieses Jahres waren die Frachtraten um 30 Prozent eingebrochen. Das macht aufs Jahr gesehen, also wiederum Januar bis November, immer noch ein Minus von 12,8 Prozent. Für die folgenden Jahre sind wir zuversichtlich. Die Krise hat der Globalisierung keinesfalls ein Ende gesetzt. Im Gegenteil, die internationale Arbeitsteilung wird sich weiter fortsetzen. Die Unternehmen, die die Wertschöpfungsvorteile der Globalisierung und die Absatzchancen internationaler Märkte suchen und nutzen, werden die Gewinner im zunehmenden Wettbewerb sein. Und daraus resultiert ein wachsender Mobilitätsbedarf für Manager und für Güter. Luftfracht, am Wert des Transportguts gemessen, macht schon 40 Prozent der weltweit grenzüberschreitend beförderten Waren aus. Wenn man bedenkt, dass die Produkte immer kleiner, leichter und „intelligenter“ werden und wegen der immer kürzeren Marktzyklen schneller an den Mann und die Frau gebracht werden müssen, dürfte dies wohl eher mehr werden.

Auch wenn es langsam wieder aufwärts geht, sehen sich Kritiker des Flughafenausbaus doch in ihrer Skepsis bestätigt und stellen in Frage, ob das Großprojekt wirklich noch sinnvoll ist. Haben sie recht?

Nein. Wir hatten ja sogar mitten in der Krise immer noch einen Nachfrage-Überhang. Airlines wollten sogar in diesem Jahr in Spitzenzeiten mehr Slots, also Zeitfenster für Starts und Landungen, belegen als in den vorangegangenen Jahren. Unsere Kapazität muss dringend erweitert werden, sonst drohen wir im internationalen Wettbewerb der Luftverkehrsstandorte den Anschluss zu verlieren. Mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn werden wir zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder deutlich höhere Verkehrszuwächse erzielen.

Ist denn der Ausbau im Zeitplan, und wann erwarten Sie die Inbetriebnahme der neuen Landebahn? Könnte es aufgrund des absehbaren Revisionsverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht noch zu Verzögerungen kommen?

Wir sind voll im Plan. Die Bauarbeiten gehen zügig voran. Wenn ich auf der Baustelle bin, staune ich über das Tempo des Baufortschritts und die minuziöse und hervorragende Arbeit, die dort geleistet wird. Die Landebahn wird mit dem Winterflugplan 2011/12 in Betrieb gehen. Wir haben auch angesichts der Revisionsverfahren keinen Anlass, Verzögerungen beim Betriebsbeginn zu befürchten. Denn der VGH hat die Baugenehmigung ausdrücklich im Grundsatz bestätigt. Dass für die Nacht eine neue Regelung erarbeitet werden soll, hat nicht die Qualität, die Entscheidung insgesamt in Frage zu stellen.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat dem Flughafenausbau schon grünes Licht gegeben, die Ausnahmen vom Nachtflugverbot mit Blick auf den Lärmschutz aber beanstandet. Nun hat ja die Fraport AG, wenn auch sicher aufgrund politischer Entscheidungen, selbst ursprünglich ein Nachtflugverbot für die Kernzeit von 23 bis 5 Uhr ohne Ausnahmen beantragt. Unterstützen Sie dennoch das von der hessischen Landesregierung angekündigte Revisionsverfahren gegen das im Urteil verlangte strikte Nachtflugverbot?

Der Druck der Airlines ist natürlich groß, und das kann auch gar nicht überraschen. Der sogenannte Nachtsprung ist ein vitaler Bestandteil des Geschäftsmodells von Cargo-Fluggesellschaften und hier insbesondere des Heimat-Carriers. Dies ist letztlich auch das Ergebnis der sehr intensiven Prüfung und Abwägung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gewesen mit dem Ergebnis, dass der Planfeststellungsbeschluss eine gegenüber heute deutlich reduzierte Zahl an Flügen in der Nacht zwischen 23 und 5 Uhr, eine harte Begrenzung der Flugbewegungen in der gesetzlichen Nacht von 22 bis 6 Uhr sowie weitere lärmmindernde Vorschriften vorsieht. Wie sich unser Betrieb in Zukunft gestaltet, wird letztlich durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entschieden. Darüber jetzt zu spekulieren ist müßig. Ich meine, die außerordentlich komplizierte Situation zeigt, wie wünschenswert klare und vor allem einheitliche gesetzliche Vorgaben wären nicht nur in Deutschland, sondern auf europäischer Ebene. Denn unser Wettbewerbsumfeld ist der gesamte Kontinent.

AP

Quelle: op-online.de

Kommentare