Ausbaugegner enttäuscht von Minister Al-Wazir

Fraport pocht auf Terminal 3

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Die Visualisierung zeigt das geplante Terminal 3 des Frankfurter Flughafens. Die dunklen Gebäudeteile umfassen den ersten Bauabschnitt, der 2021 fertig sein soll. Die Grundfläche des ersten Bauabschnitts wird etwa 90.000 Quadratmeter betragen, die Geschossfläche rund 306.000 Quadratmeter, was der Fläche von 62 Fußballfeldern entspricht.

Offenbach - Die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen ist in Betrieb und wird aller Voraussicht nach auch nicht mehr geschlossen werden. Die Hoffnungen der Flughafenausbaugegner ruhen nun darauf, das geplante dritte Terminal zu verhindern. Von Ralf Enders 

Doch Fraport-Chef Schulte pocht auf den Bau. Der Vorstandsvorsitzende des Flughafenbetreibers Fraport sagte dem Düsseldorfer „Handelsblatt“: „Wir brauchen das Terminal 3 aus kapazitativen, insbesondere aber auch aus qualitativen Gründen.“ Damit meint Schulte vor allem den Umstand, dass derzeit etwa die Hälfte der Flieger auf dem Vorfeld abgefertigt wird, die Passagiere also nicht direkt am Terminal über einen „Finger“ aus dem Flugzeug ein- oder aussteigen können, sondern per Bus vom oder aufs Vorfeld gebracht werden. Dies sei für die Reisenden auf Dauer nicht hinnehmbar.

Die Fakten: Die grundsätzliche Erlaubnis zum Bau hat Fraport seit dem Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau im Jahr 2007. Der Bauantrag für das Gebäude mit 75 Flugzeug-Abstellpositionen im Südosten des bestehenden Flughafengeländes wird seit Mitte September 2013 von der Bauaufsicht der Stadt Frankfurt bearbeitet. Etwa 1 500 Aktenordner hat Fraport hierfür ins Bauamt geliefert. Die Bearbeitung, so der allgemeine Tenor, wird mindestens ein Jahr dauern. Frühestens in diesem Herbst könnte es also grünes Licht geben; 2015 soll dann der erste Spatenstich sein.

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Derweil laufen die Tiefbau-Vorarbeiten bereits seit einigen Monaten. Die „bauvorbereitenden Maßnahmen“ für Rohre, Kabel und Verkehrswege sind fast fertig. Weil ein Großteil des Geländes das dort bis 2005 befindliche US-Militärareal des Flughafens umfasst, wird der Boden mehr als zehn Meter tief abgetragen und auf Altlasten untersucht. Läuft alles nach Plan, wird der erste Bauabschnitt von Terminal 3 im Jahr 2021 fertig sein und etwa 1,6 Milliarden Euro gekostet haben. 14 Millionen Passagiere pro Jahr können dann dort abgefertigt werden. Nach Bedarf soll es dann weitergehen. In der letzten Ausbaustufe ist das Gebäude für 25 Millionen Passagiere ausgelegt. Das entspricht in etwa der Gesamtkapazität des Hauptstadtflughafens BER in Berlin - sollte der einmal fertig werden.

Derzeit hat Fraport etwa 58 Millionen Reisende im Jahr. Schulte zufolge kommen die beiden bestehenden Terminals (1 ist aus den 1970er-Jahren, 2 von 1994) aber wegen steigender Fluggastzahlen in sieben bis acht Jahren an die Kapazitätsgrenze. Unumstritten ist das geplante Terminal freilich nicht. Bei den Koalitionsverhandlungen von CDU und Grünen in Hessen war es ein Thema. Die Regierungspartner fordern im Koalitionsvertrag von Fraport eine Bedarfsprüfung. Das Unternehmen solle auf steigende Fluggastzahlen so lange wie möglich mit Alternativen zu einem Neubau reagieren. Das will Schulte offenbar nicht. Den Sorgen von Ausbaugegnern, das Terminal werde für mehr Lärm sorgen, trat er entgegen: „Da wir in den kommenden Jahren hier in Frankfurt mehr und mehr größere, aber auch leisere Flugzeuge abfertigen werden, entsteht für die Bevölkerung nicht automatisch eine zusätzliche Lärmbelastung“, sagte er dem „Handelsblatt“.

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Das Bündnis der Bürgerinitiativen glaubt nicht daran. Zu 100 Tagen Schwarz-Grün in Hessen zeigten sich die Ausbaugegner gestern schwer enttäuscht von den einstigen Mitstreitern der Grünen und ihrem Frontmann, Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir aus Offenbach: „Ohne Widerspruch des Ministers kann der Flughafenchef Dr. Stefan Schulte immer wieder verkünden, dass Fraport das Baurecht nutzen und das Terminal 3 bauen wird. Die von Schwarz-Grün angekündigte Bedarfsprüfung ist als Farce entlarvt. Im Landtagswahlkampf hatte sich Al-Wazir unmissverständlich gegen den Bau von Terminal 3 positioniert. Alles vergessen?“

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Quelle: op-online.de

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