Fraport zeigt auf den Verkehrslärm

Frankfurt ‐ Der Lärm von Straße und Schiene muss nach Ansicht des Flughafenbetreibers Fraport ebenso berücksichtigt werden wie Fluglärm. „Es bringt nichts, nur eine Studie zum Flugverkehr zu machen“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte am Freitag in Frankfurt. Von Sabine Ränsch (dpa)

Die Lärmkartierung für Hessen zeige, dass der Straßenlärm das Hauptproblem sei und nicht der Fluglärm. Unterdessen kündigte die Lufthansa an, ihre in Frankfurt stationierte 737-Flotte leiser zu machen. Bis Ende 2011 würden alle Maschinen der Typen Boeing 737-300 und 737-500 umgerüstet, so dass bei Start und Landung bis zu 2,4 Dezibel weniger Lärm entstünden, teilte das Unternehmen mit. Betroffen sind 26 Flieger. Rund ein Fünftel aller Lufthansa-Flüge in Frankfurt werden mit diesen 737-Maschinen absolviert.

Schulte forderte eine umfassende Lärmwirkungsuntersuchung, die auch andere Ballungsräume zum Vergleich heranziehen müsse. Eine solche Studie solle die Bundesregierung begleiten. „Ich würde mir eine Führungsrolle eines Bundesministeriums wünschen“, etwa des Gesundheits- oder Verkehrsministeriums, sagte Schulte. Auch Fraport wolle sich beteiligen. Ziel müsse sein, eine Antwort auf die Frage zu finden, welches Niveau an Lärm akzeptabel sei. Viel zu wenig werde etwa bisher die subjektive Belästigung im Gegensatz zur objektiv messbaren Belastung berücksichtigt, sagte Schulte bei der Vorlage des Fraport-Nachhaltigkeitsberichts 2009.

100 Millionen Euro für den Ausgleich

Den rund vier Milliarden Euro teuren Ausbau des Flughafens sieht Schulte als ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Zwar werde in die Natur eingegriffen, aber mit Bedacht: Das Projekt sichere den Standort, Arbeitsplätze und den Wohlstand der Region. „Wir setzen auf einen Ausgleich wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Interessen“, sagte der Fraport-Chef. Der Ausbau werde klimaneutral sein - nachher werde vom Flughafen nicht mehr klimaschädliches Kohlendioxid in die Umwelt ausgestoßen als vorher. Um das zu erreichen, werde überall effizienterer Energieverbrauch angestrebt. Das neue Terminal werde ein „Öko-Terminal“, die Feuerwache an der neuen Landebahn sei als Passivhaus geplant, das im Vergleich zu konventionellen Feuerwehrgebäuden 90 Prozent weniger Energie verbrauche.

Als Ausgleich für den riesigen Eingriff in die Ökologie am Flughafen gibt Fraport rund 100 Millionen Euro aus. Gut 200 Hektar Wald mussten der neuen Landebahn weichen - vor der Rodung wurden Tiere und Pflanzen eingesammelt und umgesiedelt, darunter fast 12 000 Frösche und Kröten, 800 Eidechsen, 17 Ameisenvölker, Heidenelken und Tausendgüldenkraut. 300 Eichenwurzeln, bevorzugter Lebensraum für die seltenen Hirschkäfer, wurden an andere Stellen versetzt.

Quelle: op-online.de

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