„Frau Holle“ als Lebenserfahrung

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Gekonnt und mit Liebe fürs Detail inszeniert: Die Geschichte von „Frau Holle“ im Kinder- und Jugendtheater Frankfurt.

Frankfurt ‐ Gebannt schauen Dario und Emma dem Geschehen auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters Frankfurt im Titus-Forum im Nordwestzentrum zu. Die beiden Fünfjährigen sind völlig in das Spiel versunken. Von Sonja Thelen

Das Ensemble führt das Märchen „Frau Holle“ auf. Gerade hat eine wunderschöne Figur die Szene betreten. Ganz in Gold ist Marie gehüllt: Das war der Lohn von Frau Holle für das fleißige Mädchen, das dieser freundlichen Frau im Haushalt zur Hand gegangen war. Was Marie in dieser berühmten Kindergeschichte so alles widerfährt, erfahren die Zuschauer in den Vorstellungen, die es im Kinder- und Jugendtheater Frankfurt zu sehen gibt. An diesem Samstag zeigt sich das Publikum begeistert von der klassischen und liebevollen Inszenierung des Märchens der Gebrüder Grimm. Gekonnt hauchen die Darsteller den Figuren Leben ein. Entzückend ist das Bühnenbild gestaltet, sodass sich die Kinder bereitwillig in die Märchenwelt entführen lassen.

Frau Holle träumerisch und romantisch

Prinzipiell „steht die kindliche Wahrnehmung immer im zentralen Blickfeld der Inszenierung. Es wird Kindern eine Sprache angeboten, die der ihren entspricht“, erklären die beiden Theater-Leiter Wolfgang und Ulrike Backhaus, die das Kinder- und Jugendtheater Frankfurt in zweiter Generation führen.

Gegründet worden ist es vor 40 Jahren von der Sängerin und Schauspielerin Margarete Backhaus. Seither wird handwerklich gut und mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen klassische sowie moderne Kinderliteratur professionell auf die Bühne gebracht. „Sprache wird als Ausdruck der Seele entwickelt, und Gefühle werden dadurch transparent gemacht. Man fühlt das, was man sieht, und ist ein Teil dieses großen, ganzen Erlebens“, erläutern die Intendanten.

Träumerisch und romantisch zeichnet das Stück „Frau Holle“ eine Welt, in der wir uns alle zu Hause fühlen: die Märchen. Sie sind zeitlos, wollen immer wieder erzählt und gelesen werden. Sie begleiten einen durch das ganze Leben. Auch heute brauchen Kinder Märchen - trotz Fernsehen, Gameboy, Notebook oder „Wii“. Im Mittelpunkt steht in der Regel ein Held, der Abenteuer gegen böse und übernatürliche Kräfte bestehen muss –, doch am Ende wendet sich alles zum Guten.

Kinder spüren, dass ein Märchen mehr ist

Kinder „hören, lesen und verstehen Märchen mit dem Herzen. Sie zittern um Schneewittchen, die von der Stiefmutter bedroht wird, fürchten sich vor Rumpelstilzchen, freuen sich, dass die sieben Brüder von ihrer Schwester erlöst werden, sind beruhigt, wenn der böse Wolf im Brunnen verschwindet“, schreibt die Familienzeitschrift Eltern, die jetzt mit dem cbj-Verlag die zehnbändige „Eltern-Märchenedition“ veröffentlicht hat. Nach Ansicht von Christiane Lutz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Stuttgart, und Sabine Lutkat, Vizepräsidentin der europäischen Märchengesellschaft, spüren Kinder intuitiv, dass ein Märchen mehr ist als eine spannende Abenteuergeschichte.

Das Stück „Frau Holle“ ist am 23., 26., und 27. Dezember, am 16., 22., 23., 29., und 30. Januar sowie am 5. und 6. Februar jeweils um 16 Uhr zu sehen. Kinder und Jugendtheater Frankfurt, im Titusforum, Walter Möller Platz 2, 60 439 Frankfurt, Telefon: 06101/557424; außerdem auf der Internetseite des Kinder- und Jugendtheaters.

„Märchen sind wie ein Zauberspiegel: In ihnen offenbaren sich die elementaren Erfahrungen des Lebens. Es sind Geschichten über Gut und Böse, Liebe und Hass, die Angst und wie man sie überwindet, das Erwachsenwerden und die Loslösung von zu Hause, über Freundschaft, über gute und weniger gute Geschwisterbeziehungen und über das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern“, betonen die Experten. Ihnen zufolge sind Märchen trotz so mancher drakonischer Strafen nicht zu grausam, da aus Sicht der Kinder das Böse klar, eindeutig und hart bestraft werden muss. Nur so seien sie sicher, dass die böse Stiefmutter oder die Hexe nicht wiederkehren können.

Quelle: op-online.de

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