Frau Wolski, die stille Genießerin

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Die Richterin lächelt - und sie hat guten Grund dafür. Bisher perlten alle Verdächtigungen an ihr ab. Verfahren ziehen sich wie Gummi, um schließlich im Sande zu verlaufen.

Frankfurt/Wiesbaden - Was weiß Karin Wolski? Kurz vor dem Beginn des Verfahrens gegen ihren Ehemann, den Rechtsanwalt Michael Wolski, wegen Steuerhinterziehung werden die Fragen an die Spitzenjuristin, drängender. Von Michael Eschenauer und Petra Wettlaufer-Pohl

Ende Oktober soll der Gatte von Karin Wolski, die das Amt der Vizepräsidentin des Frankfurter Verwaltungsgerichtshof und Mitglied des Staatsgerichtshofs ist, vor dem Darmstädter Landgericht erscheinen. Die Staatsanwaltschaft lastet dem 60-Jährigen an, als enger Freund der vermögenden WitweMargit C. von dieser umfangreiche Honorare und Zuwendungen erhalten, diese aber nicht korrekt versteuert zu haben. Bei dem mutmaßlichen Steuerbetrug soll es um ein Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro gehen.

Doch was weiß seine Ehefrau? Derzeit läuft kein Verfahren gegen die CDU-Politikerin Karin Wolski, und dennoch schießen die Gerüchte ins Kraut, dass politische Netzwerke hier einen handfesten Skandal vertuschen wollen.

Karin Wolski keine Unbekannte in Offenbach

Die Frau, die nichts zu wissen und von der alles abzuperlen scheint, ist auch in Offenbach keine Unbekannte. Im Jahre 2005 verzichtete sie auf eine Kandidatur für die CDU zur Oberbürgermeisterin der Lederstadt. Grund waren genau jene Ermittlungen, die nun zur Anklage ihres Mannes geführt haben.

Treibende Kraft in der Causa Wolski sind der Sohn und der Schwiegersohn des vor drei Jahren verstorbenen Ignatz C. An ihnen floss das Geld vorbei. Sie schäumen, Wolski habe die großzügige Mutter umgarnt und die Restverwandtschaft unter Umgehung des Vaters um ihr Erbe gebracht.

Ihr Rechtsanwalt Jürgen Fischer sieht zudem eine klare Beteiligung und Nutznießerschaft von Karin Wolski. Er geht davon aus, dass die Wolskis gemeinsam steuerlich veranlagt wurden, ihre Steuererklärung beide unterschrieben und mithin den vermuteten Steuerbetrug gemeinsam begingen.

Er kritisiert ferner, bei dem Darmstädter Steuerverfahren gegen Michael Wolski habe es endlos gedauert, bis Anklage erhoben worden sei. Dies sei unverständlich, weil die Ermittlungen faktisch seit Jahren abgeschlossen seien. Fischer sieht Hinweise, dass politische Rücksichten genommen und die Prozesse mit voller Absicht verzögert würden.

Dies gilt wohl auch für Karin Wolski. Angeblich hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anfang dieses Jahres Ermittlungen gegen die Frau mit dem Pagenschnitt wegen Untreue mangels ausreichenden Tatverdachts eingestellt. Nach fünf Jahren. Lakonische Begründung: Falls es tatsächlich Verfehlungen gegeben haben sollte, seien diese ohnehin mittlerweile verjährt.

Ein sich anbahnender Polit-Thriller

Doch zurück zum Steuerprozess. Kern des sich anbahnenden Polit-Thrillers ist die Frage, ob es sein kann, dass sich die hochintelligente Spitzenjuristin nach Hausmütterchenart keinen Deut um die Steuererklärungen ihres Mannes scherte, nichts wusste und den Geldsegen nur still lächelnd genoss? Dies wäre ein Grund, auf eine Anklage zu verzichten.

Allerdings taucht in den Berichten immer wieder ein roter Ferrari, Modell „Maranello“, im Wert von 130.000 Euro auf, den Frau Wolski von der Witwe C. geschenkt bekommen habe. Hängt die Juristin vielleicht doch tief drin? War sie Mitwisserin des vermeintlichen Steuerbetrugs?

Die Darmstädter Staatsanwaltschaft scheint dem „Hausmütterchen-Modell“ anzuhängen - kein Verfahren. Die Ankläger, so Spötter, glaubten wohl noch, Bügeln sei Frauen-, Steuerangelegenheiten aber reine Männersache. Sprecher Ger Neuber schweigt jedenfalls wie ein Grab.

„Der Ferrari ist schwarz.“

Die Vorwürfe seien gegenstandslos, so Michael Wolskis Anwalt Hanno Durth. Sein Mandant habe sich keinesfalls strafbar gemacht. Auch Karin Wolski wehrt sich. Ihr Rechtsvertreter Joachim Bremer behauptet, seine Mandantin sei mit der Witwe des vermögenden Kaufmannes schon lange befreundet. Man habe die Frau während einer Familienfehde unterstützt. Der „rote Ferrari“, so Bremer, sei von der Richterin erstens nie gefahren worden und zweitens sei er schwarz.

Frau Wolski sehe keinen Anlass, ihr Amt im Staatsgerichtshof ruhen zu lassen. Seine Mandantin sei selbstständig, arbeite als Richterin. Ihr Ehemann habe ein Anwaltsbüro und die Vorwürfe bezögen sich ausschließlich darauf. Rechtsanwalt Durth erklärte außerdem, der Verstorbene sei im Gegensatz zu den Behauptungen seines Sohnes immer voll geschäftsfähig und über die Zuwendungen an seinen Rechtsbeistand Wolski unterrichtet gewesen.

Alle Vorwürfe, so die Anwälte, fußten auf der Hypothese, dass die Nachkommen des verstorbenen Immobilienhändlers Ignaz C. gegen dessen Willen um ihr Erbe gebracht worden seien. Dies sei aber nicht der Fall.

Schwere Vorwürfe auch gegen Sohn und Schwiegersohn von Ignaz C.

Durth verwies auf zwei Beschlüsse des Oberlandesgerichts, das Ende 2004 zu der Auffassung gelangt war, dass Ignaz C. weder vom Willen seiner Gattin Margit abhängig noch unfähig sei, seine Vermögensangelegenheiten selbst zu regeln. Ein Sohn hatte beantragt, für seinen Vater einen gesetzlichen Betreuer zu bestellen. In diesem Zusammenhang soll der betagte Vater schwere Vorwüfe gegen Sohn und Schwiegersohn erhoben und von „Hinterhältigkeit und Heimtücke“ gesprochen haben. Wenige Wochen vorher hatte der Kaufmann sein Vermögen seiner Gattin übertragen. Angeblich wollte er es vor dem Zugriff seiner Kinder und anderer Familienmitglieder schützen.

Der Fall beschäftigte gestern sogar den Rechtsausschuss des Landtags. Justizstaatssekretär Rudolf Kriszeleit (FDP) berichtete auf Anfrage der SPD, dass es für die Staatsanwaltschaft zu keiner Zeit einen hinreichenden Tatverdacht und damit auch keine Ermittlungen gegen die Richterin gab.

Erstaunen bei der Opposition löste die Information aus, dass Karin Wolski auch nie als Zeugin befragt wurde. SPD und Grüne können sich nicht vorstellen, dass die Richterin vom Handeln ihres Mannes nichts wusste. Wem der Ferrari gehört, ermittelt laut Kriszeleit die Staatsanwaltschaft.

SPD und Grüne forderten gestern erneut, dass Wolski ihr Amt im Staatsgerichtshof ruhen lässt, solange es Zweifel an ihrer Seriosität gebe. Während die SPD vermutet, dass „die hessische Justiz ihre schützende Hand über Karin Wolski hält“, sprach die CDU in diesem Zusammenhang von „heißer Luft“. Die FDP kritisierte das „Getöse um Nichts“.

Quelle: op-online.de

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