„Frauen sind sensorisch den Männern überlegen“

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Schauen, schnüffeln, schmatzen: die Weintester.

Groß-Umstadt - Kritische Blicke, dezentes Schnüffeln, andächtiges Schmatzen und Schlürfen - in dieser Runde sind gute Tischmanieren vergessen. 30 Wein-Experten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) unterziehen in diesen Tagen die besten Tropfen der Jahre 2007 und 2008 einer kritischen Bewertung. Von Ursula Friedrich

2250 Weine und Sekte werden bei der Bundesweinprämierung in Groß-Umstadt diesmal in die Gläser gefüllt. Sechs Tage lang verkostet das Expertenteam die Erzeugnisse aus 13 deutschen Anbaugebieten - und dabei sind alle Sinne gefragt: „Unsere Qualitätskriterien betreffen nicht nur den Geschmack“, erklärte der stellvertretende Prüfbevollmächtigte Stephan Schöller zum Auftakt der Weinverkostung, „auch das Aussehen, die Farbe und der Geruch eines Weines werden bewertet.“ Besonders Frauen sind in der Jury gefragt: „Frauen sind unsere kritischsten Prüfer, sie sind Männern sensorisch um zehn bis fünfzehn Prozent überlegen“, weiß Stephan Schöller.

Das Expertenteam, das nun in die letzte und entscheidende Prüfungsrunde geht, will zum Ende der Verköstigung nicht nur die besten Weine des Jahrgangs 2008 sowie die besten Sekte des Jahres 2007 ausloten. Für das Gesamtsortiment eines Erzeugerbetriebes wird der Bundesehrenpreis verliehen. Rund 600 teilnehmende Winzer fiebern dieser Prämierung entgegen: Ob der „Winzerkönig“ 2009 aus den großen Anbaugebieten Rheinhessen oder der Pfalz mit jeweils 20000 Hektar Rebfläche kommt? Oder wird ein Weinbauer der kleinsten Anbauregion - der Hessischen Bergstraße, zu der auch Groß-Umstadt gehört - zum Superstar gekürt? Bis diese Fragen beantwortet sind, wird noch einige Zeit vergehen. Denn erst Ende Oktober wird das Ergebnis der Bundesweinprämierung bekannt gegeben.

Bester Jungwinzer des Jahres

Doch nicht nur Wein und Sekt sind diesmal auf dem Prüfstand: In zwei Wettkampfrunden wetteifern 50 Kandidaten um den Titel „Bester Jungwinzer des Jahres“. Fachliches Basiswissen, aber auch Inspirationen und Konzepte für neue Weinstile sind gefragt. Auch hier zeigt sich, dass Frauen mehr wollen, als ihr Weinanbaugebiet als Weinkönigin zu repräsentieren. Über ein Drittel der Studienplätze zum Weinanbau werden inzwischen von Frauen besetzt.

In dem „schwierigen, nasskalten Anbaujahr 2008 zeigt sich, was ein Winzer kann“, sagte der Prüfungsbevollmächtigte Dr. Rainer Jung von der Fachhochschule Geisenheim abschließend, „viele Weine sind aufgrund der Wettersituation sehr Säure betont.“ Aber da Deutschland hervorragende Weinerzeuger habe, finde sich auch in diesem Jahrgang die gewohnte Spitzenqualität.

Die Qualität deutscher Weine wurde in den letzten Jahres viel besser“, zog Stephan Schöller Bilanz. Beim Verbraucher sei der klassische Riesling ein Star, aber auch die Burgunderfamilie habe viele Fans. Bei den Rotweinen werden die fruchtige Note und das Barrique-Aroma verdrängt. Dornfelder, Cabernet und Merlot rangieren ganz oben auf der Beliebtheitsskala, sie werden als reife, voluminöse Weine geliebt.

Für das Weinjahr 2009 wagen die Experten noch keine Prognose. Trotz des regenreichen Sommers sei das Wachstum der Reben ideal, so Schöller, „jetzt brauchen wir nur noch einen recht warmen, trockenen September.“

Quelle: op-online.de

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