Der Umweltschützer

Kommentar: Die Freiheit der Plötze

Kennen Sie eigentlich Asel, Berich oder Bringhausen am Edersee? Die Reste der drei Dörfer liegen unterhalb des Wasserspiegels. Wilhelm II. hat sie anno 1908 für den Stausee-Bau räumen lassen. Ob das den Leuten dort gepasst hat, war ihm egal. Von Michael Eschenauer

In Kassel ging es jetzt nicht um einen Stausee, es ging um die Erweiterung eines Großflughafens, der Anwohner belastet und Kommunen ihre Zukunftschancen raubt. Offenbach wird zwar nicht geräumt, die Entscheidungen von 1908 und 2009 ähneln sich trotzdem: Es gab und gibt Interessen, die lassen sich weder durch Druck der Straße noch Moral oder Anwälte aufhalten. Klar, es wird ein wenig herumprozessiert, aber die Richter sind so frei, wie die Plötze an der Angel. Denn das Maß aller Dinge ist unantastbar: Wachstum, Jobs, materieller Wohlstand.

Das Nachtflugverbot wird kommen, aber die Tage bleiben laut. Vielleicht ertrotzen wir uns leisere Flugrouten, doch auch das reicht nicht. Dauernd reden wir über die Klimakatastrophe und wie schlimm es doch um die gute alte Erde steht. Aber wenn wir verzichten sollen, kneifen wir. Was hätte sich besser als Symbol für ein Umdenken geeignet, als ein klares Stopp für Fraport? So was kann Jobs kosten, klar. Aber dafür hätten wir etwas Besseres gekriegt. Wir hätten zum ersten Mal sagen können: Das Zeitalter der schönen Reden - es ist vorbei.

Quelle: op-online.de

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