Kletterer erobern die Hallgarter Zange im Rheingau

Freizeitspaß am einst „düsteren Ort“

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Klettertrainer Nikola Petrow klettert an dem 1906 erbauten Aussichtsturm auf der 980 Meter hohen Hallgarter Zange bei Oestrich-Winkel in die Höhe. Auf der „Zange“ wird heute Kletterpark eröffnet. Herzstück der Anlage ist Aussichtsturm. - Foto: dpa

Oestrich-Winkel - Der Tourismus im Rheingau lebt vom Wein. Doch für Familien und junge Leute fehlen Angebote. Nun dürfen sie sich in einem Bergwald austoben.

Auf der Hallgarter Zange (580 Meter) war es viele Jahre lang ein wenig unheimlich. Ein trutziger grauer Turm mit leeren Fensterhöhlen stand auf dem markantesten Berg des Rheingau-Gebirges. Auch ein nahes Fliegergrab sorgte für Frösteln bei Waldwanderern. Sie habe „selten einen so unfrohen, düsteren Ort in so märchenhafter Umgebung gesehen“, schrieb die Schriftstellerin Eva Demski in ihrem Buch „Rheingau“. Doch der Verfall auf der Hallgarter Zange soll vorbei sein, erstmals seit zwei Jahrzehnten wird das Ausflugsgelände wieder touristisch genutzt. Am heutigen Samstag wird ein Kletterpark eröffnet. Hauptattraktion ist die Natursteinwand des Aussichtsturms, an der man 20 Meter in die Höhe klettern und sich beim Basejump in die Tiefe stürzen kann. Dazu kommen ein Waldseilgarten, ein Restaurant und zukünftig mehrere Hotelzimmer.

Den Rheingauern war der Leerstand auf der Hallgarter Zange immer ein Dorn im Auge, auch dem Architekten Rupert Riedel. Er kaufte das Gelände. „Ich habe das Potenzial gesehen. Ich habe gedacht: Mensch, hier muss was passieren!“, sagt Riedel. Über die Höhe seiner Investition schweigt er sich aus. Doch der Turm ist fast fertig saniert. Er hat wieder Fenster, aus denen sich ein spektakulärer Blick über den Rhein, über Taunus, Odenwald, Pfälzer Wald und Hunsrück eröffnet.

Gut gerüstet: Outdoor-Mode muss vieles können

In den Tagen vor der Eröffnung legten Pächter Klaus Michels und seine Leute letzte Hand an. Er betreibt die Kletterhalle „Wiesbadener Nordwand“ und freut sich, ein Freigelände dazuzubekommen. Ein „Volltreffer“ sei die Hallgarter Zange: „Es ist selten, dass ein Turm beklettert werden kann.“ 15 neue Jobs entstehen.

Für den Bürgermeister von Oestrich-Winkel, Michael Heil (CDU), geht mit der Eröffnung jahrelanges Kopfzerbrechen über die Nutzung des Berges zu Ende. Das Projekt habe große Bedeutung. „Der Rheingau lebt vom Tourismus“, sagt Heil. „Aber es kommen zu wenige junge Leute und Familien mit Kindern.“ Weintourismus sei nicht genug, mehr Sportangebote seien gefragt.

Auch an anderer Stelle im Rheingau wird für Touristen gebaut. Das Niederwald-Denkmal, die „Germania“ über Rüdesheim, ist fast fertig saniert. Nun kommt der kulturhistorisch wertvolle Osteinsche Landschaftspark an die Reihe.

dpa

Quelle: op-online.de

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