Fridays for Future

Protest: 10.000 gegen den Klimawandel

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Die Polizei zählt am Ende 9000 Teilnehmer, die Veranstalter sprechen von etwa 12 000.

Die „Fridays for Future“ starten mit einer überregionalen Großdemo in Mainz ins Protestjahr 2020. Auch Aktivistinnen und Aktivisten aus Frankfurt sind dabei.

  • „Fridays for Future“: Großdemo in Mainz
  • Junge Leute aus Frankfurt vorne mit dabei
  • Bewegung weiter hoch motiviert

Pünktlich um 10.45 Uhr weht die erste Fahne der „Fridays for Future“ über der Konstablerwache. Gemeinsam mit einem Mitstreiter befestigt Dominik Ullrich an diesem Freitag seine Fahnenstange an einer Straßenlaterne. „Das wird auf jeden Fall eine Großdemo heute“, sagt der 18-Jährige, während er zwei Kabelbinder festzurrt. „Das ist mehr oder weniger der Auftakt ins neue Jahr.“ Und dann wartet das kleine Grüppchen Frankfurter Aktivistinnen und Aktivisten der Klimaprotestbewegung unter der grünen Flagge, ob noch mehr Leute zum Treffpunkt kommen, um gemeinsam zur großen Klimademo nach Mainz zu fahren.

Gut 20 Minuten später schallen laute Parolen durch den S-Bahnhof Konstablerwache. Etwa 70 junge Leute sind gekommen, bepackt mit Brötchentüten und Rucksäcken, Fahnen und Demoschildern. „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle, hey, hey“, rufen sie fröhlich und hüpfen auf dem Bahnsteig auf und ab. Dann steigen sie in die S8 nach Mainz.

„Fridays for Future“: Protest gemeinsam organisiert

Es sei schon etwas Besonderes, zu so einer Großdemo zu fahren, sagt Dominik Ullrich, als die Bahn abfährt. Immerhin werde dieser Protest von Ortsgruppen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gemeinsam organisiert, es hätten sich Mitstreiter aus dem gesamten Bundesgebiet angekündigt. „Das ist schon cool.“ Der 18-jährige Ullrich fungiert schon seit einer Weile als einer der Pressesprecher der Frankfurter Ortsgruppe der „Fridays for Future“. Seit März vergangenen Jahres ist er bei den Protesten dabei, aktuell macht er sein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten. „Mein Dienstplan ist aber so geregelt, dass ich freitags frei habe“, sagt er und lacht.

In Mainz angekommen: Dominik Ullrich (rechts) und die 17-jährige Alan (links) beim Protestauftakt am Hauptbahnhof.

Insgesamt sei die Bewegung weiter hoch motiviert, sagt Ullrich. Es werde in Frankfurt wohl demnächst keine wöchentlichen Demos mehr geben, man wolle aber weiter mit Veranstaltungen und Aktionen präsent bleiben. 2020 werde ein entscheidendes Jahr für die Klimabewegung werden, denn der Druck auf die Politik müsse weiter wachsen. Damit endlich etwas geschehe beim Klimaschutz. „Mit jeder Entscheidung, die wir herauszögern, entsteht woanders wieder eine Naturkatastrophe wie gerade in Australien, unter der Menschen leiden müssen“, sagt Ullrich.

„Fridays for Future“ wird endlich zugehört

Auch die 17-jährige Alan ist mit von der Partie. Ende 2019 seien viele Engagierte in Frankfurt ziemlich erschöpft gewesen von den Protesten, sagt sie, aber jetzt seien alle wieder „energiegeladen“. Es stimme, dass es den „Fridays for Future“ noch nicht gelungen sei, ihre Forderungen etwa nach einem früheren Kohleausstieg umzusetzen. „Aber ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagt Alan. Man spüre, dass der Klimawandel überall besprochen werde, auch im Umweltausschuss im Frankfurter Römer werde den „Fridays for Future“ endlich zugehört. „Wir haben das Thema sehr in die Gesellschaft gebracht“, sagt Alan.

Inzwischen ist die S-Bahn in Mainz angekommen. Mit Parolen wie „Change the system, not the climate“ und „A, Anti, Anticapitalista“ läuft die Frankfurter Gruppe vor den Hauptbahnhof und dann mit einigen Hundert anderen jungen Leuten in Richtung Auftaktkundgebung. Die Gruppe geht zügig, rennt fast, ihre Parolen hallen von den Häusern wieder. Polizisten auf Motorrädern stoppen den Verkehr. Autofahrer haben an diesem Tag nicht viel Freude in Mainz.

Und dann erreichen die Frankfurter den Gutenbergplatz, wo die Großdemo startet. Der ganze Platz vor dem Mainzer Staatstheater ist voll mit Menschen, Tausende sind gekommen. Junge und alte, Schülerinnen und Studenten, Eltern mit Kleinkindern, alte Leute und Menschen auf Fahrrädern oder Rollstühlen.

„Fridays for Future“: Ignoranz der Politik sei kaum zu ertragen

Es sei einfach großartig, dass so viele Menschen hier seien, ruft eine junge Aktivistin, die das Bühnenprogramm mit Reden und mehreren Bands moderiert. Die Masse auf dem Platz jubelt, es wird getanzt, es werden Plakate und Fahnen geschwenkt. Dann kommt Maurice Conrad auf die Bühne, 19 Jahre alt, bundesweit für die „Fridays for Future“ aktiv und Mainzer Stadtverordneter für die Piratenpartei. Vor einem Jahr habe man hier auch schon protestiert, sagt Conrad, seitdem seien die „Fridays for Future“ größer, stärker und professioneller geworden. Aber eins sei gleichgeblieben: „Der Kern sind junge Menschen, die nichts anderes wollen, als diesen Planeten weiter zu bevölkern.“ 

Die alte Feuerwehr wird von Hand durch die Stadt gezogen.

Die Ignoranz der Politik gegenüber dem Klimaprotest sei kaum mehr zu ertragen, kritisiert Conrad, dabei sei dieser „der schiere Kampf ums Überleben“. Es müsse sofort gehandelt werden. „Die Politik müsste die Lösungen vom Tablett nehmen, auf dem die Wissenschaft sie seit Jahrzehnten präsentiert“. Und damit das geschehe, müsse der Protest noch lauter werden. „Was wir brauchen, ist ein wirklich ohrenbetäubender Weckruf“. Großer Jubel auf dem Gutenbergplatz. Den gibt es danach auch noch für eine Aktivistin der „Seebrücke“, die anprangert, dass die westlichen Industriestaaten den größten CO2-Ausstoß hätten, sich aber gegen Menschen abschotteten, die vor den Folgen des Klimawandels aus ihrer Heimat flöhen. Man brauche „internationale Solidarität, sichere Fluchtwege und Bewegungsfreiheit für alle“.

Gegen halb zwei setzt sich dann der Demonstrationszug in Bewegung, mit lauten Parolen und Hip-Hop-Beats vom Lautsprecherwagen – ein altes Feuerwehrfahrzeug, das von rund 30 Menschen gezogen wird, um CO2 zu sparen. Die Polizei wird am Ende 9000 Teilnehmer zählen, die Veranstalter werden von 12 000 Menschen sprechen. Die Demonstration ist groß und motiviert, vor allem die jüngeren Teilnehmer tanzen und skandieren begeistert ihre Parolen. Als die Route an der Landesgeschäftsstelle der rheinland-pfälzischen CDU vorbeikommt, tönt „Nie wieder CDU“ aus Tausenden jungen Kehlen. Ganz vorne läuft Maurice Conrad, die Euphorie über die große Beteiligung springt dem 19-Jährigen förmlich aus dem Gesicht. Die Klimabewegung sei noch lange nicht am Ende, sagt er mit leuchtenden Augen. „Ich glaube, dass wir 2019 erst den Anfang gesetzt haben. Da kommt noch viel mehr.“

Wenn wir globale Gerechtigkeit wollen, ist nicht nur die Frage „Wie viel ist genug?“ unumgänglich – wir werden auch Debatten führen und Konflikte austragen müssen.

Fridays for future und andere Umweltaktivisten wollen eine Straße in Frankfurt blockieren. Es kommt zu schweren Behinderungen im Verkehr.

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