Existenzängste

Kündigung durch Vermieter: 78-jährige Friedbergerin ist verzweifelt

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Wohin mit dem Müll? Gertrud Funk steht vor einer verschlossenen Tür. Ihr Vermieter hat das Schloss ausgetauscht. Nicht die erste Schikane, wie die 78-Jährige sagt.

Günstige Wohnungen sind Mangelware, auch und gerade in Friedberg. Eine Kündigung ruft Existenzängste hervor. Wie fühlt es sich da an, wenn man mit fast 79 Jahren vor die Tür gesetzt werden soll?

Friedberg - Gertrud Funk ist sauer. Das darf doch nicht wahr sein. Muss sie sich das in ihrem Alter bieten lassen? Die 78-Jährige bewohnt eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Friedberger Altstadt. Die Große Köhlergasse ist nicht unbedingt die beste Wohnlage in der Stadt. Beim WZ-Besuch steht vor dem Nachbarhaus ein Mann, der offenbar nicht ganz Herr seiner Sinne ist und übelste Schimpfwörter durch die Altstadtgassen brüllt.

Seit gut 20 Jahren wohnt Gertrud Funk hier. An die Nachbarn hat sie sich gewöhnt. Denkt sie an ihren Vermieter, schüttelt sie dagegen den Kopf. Die beiden liegen im Clinch, für die ehemalige Stenotypistin und Gerichtsbeamtin ist er an der ganzen Misere schuld. Da ist zunächst die Heizung. Im Oktober fiel sie aus, den ganzen Winter über funktionierte sie nicht. Funk bekam eine Nierenbeckenentzündung und einen Blasenkatarrh. Ihr Anwalt habe dem Vermieter Druck gemacht, bis dieser einen elektrischen Heizkörper zur Verfügung stellte. "Der wurde mir aber gleich wieder gestohlen", sagt Funk.

78-jährige Friedbergerin: Heißes Wasser wurde abgestellt

Sie besorgte sich einen eigenen Heizkörper. Gleichzeitig sei ihr das heiße Wasser abgestellt worden. Sie bat einen Nachbarn um Hilfe, dieser entdeckte einen Hebel, der umgelegt war. Absicht? Und jetzt die Mülltonnen. Gertrud Funk kommt nicht mehr an sie ran. Die Tür, die auch zur Wohnung des Vermieters führt, ist versperrt. "Der hat das Schloss ausgetauscht. Wo soll ich jetzt mit meinem Müll hin?" Vor vier Wochen sei das gewesen, ohne jede Ankündigung.

Früher habe sie der Vermieter bei Briefen von Behörden um Rat gefragt. "Wir hatten ein gutes Verhältnis." Jetzt weiß Gertrud Funk nicht mehr, wie es weitergehen soll. Ein Nachbar wies sie auf Überwachungskameras hin. Sie fühlt sich beobachtet, will sich das nicht bieten lassen. "Ich komme aus einer gutbürgerlichen Familie." Mittlerweile hat sie gesundheitliche Problem und Pflegestufe 2. "Donnerstags kommt die Pflegerin zum Baden. Als das Warmwasser nicht funktionierte, musste sie wie im Krieg Wasser kochen und in eine Schüssel gießen."

Als ihr der Vermieter wegen Eigenbedarfs kündigte, fiel sie fast aus allen Wolken. "So endet mein Leben", seufzt sie. "Vielleicht erlebe ich noch meinen 79. Geburtstag." Aber wo? Die Unsicherheit zerrt an den Nerven. Gertrud Funk hatte Glück. Sie fand eine andere Mietwohnung. Von einem Friedberger Paar hat sie die Zusage erhalten, ab September eine Wohnung in Fauerbach zu beziehen. Da sich die Vermieter derzeit im Ausland aufhalten, existiert noch kein schriftlicher Mietvertrag.

78-jährige Friedbergerin: Räumungstermin am 24. Juli

Ihre Wohnung sollte sie zum 30. April räumen. Dem kam sie nicht nach. Das Amtsgericht ist mit dem Fall beschäftigt. Der Ortsgerichtsvollzieher hat als Räumungstermin den 24. Juli bestimmt. Funks Anwalt hat eine Räumungsfrist bis 30. November beantragt: Müsse sie die Wohnung früher räumen, bedeute das für sie Obdachlosigkeit, "was ihr im Hinblick auf Alter und Gesundheitszustand nicht zuzumuten ist."

Funks Vermieter sieht die Sachlage ganz anders. Die Heizung könne er erst reparieren lassen, wenn die Vermieterin ausgezogen sei, sagt er der WZ. Er beklagt, die Vermieterin zahle manchmal gar keine oder nur verminderte Miete. Gertrud Funk zahlt 337 Euro Kaltmiete, warm sind es 607 Euro. Auf Anraten ihres Rechtsanwalts hat sie die Mietzahlungen nach dem Ausfall der Heizung gekürzt.

78-jährige Friedbergerin: Vermieter meldet Eigenbedarf an

Das Schloss habe er ausgewechselt, weil der Mietvertrag abgelaufen sei. Nur Ärger gebe es mit der Wohnung. Das Haus habe er vor zweieinhalb Jahren gekauft, die Erdgeschoss-Wohnung benötige er für seine Familie, sagt der Vermieter. Ihn stört auch, dass die 78-Jährige Untermieter beherbergt. Laut Funk wohnt bei ihr ein befreundeter Mann. Der Vermieter sagt, er habe keine Erlaubnis erteilt, was Funk bestreitet. "Eine glatte Lüge." Auch seien es mehrere Männer gewesen, die zeitweise bei ihr gelebt hätten. Funk: "Auch das stimmt nicht." Einer der Untermieter habe sein Auto beschädigt. Davon weiß Funk nichts. Welche Version stimmt, wird das Gericht zu entscheiden haben.

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