Feinkost in Frankfurt

Schlaraffenland in Griesheim

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Sternekoch Carmelo Greco zeigt einen frisch angelieferten Wolfsbarsch. 

Frankfurt - Das Frischeparadies ist ein auf Feinkost spezialisierter Markt und Lieferant in Frankfurt. So ließe sich nüchtern die Tätigkeit der zur Oetker-Gruppe gehörenden Kommanditgesellschaft beschreiben, die mittlerweile neun Märkte in deutschen Großstädten sowie in Wien unterhält. Von Christian Riethmüller

Wenn Carmelo Greco eine Zutat aus dem Kühlschrank benötigt, greift er zum Telefon. Der Sternekoch wählt dann eine Frankfurter Nummer, die ihn mit einem Vertrauten im Stadtteil Griesheim verbindet. Dort ordert er beispielsweise ein mittleres Stück Thunfisch, Artischocken („aber nur aus Sizilien“), einen halben Parmaschinken („den besten, den Du hast“) – und weiß, dass er diese Produkte innerhalb kurzer Zeit in vorzüglicher Qualität vom Frischeparadies geliefert bekommen wird.

Das Frischeparadies ist ein auf Feinkost spezialisierter Markt und Lieferant in der Lärchenstraße in Frankfurt. So ließe sich nüchtern die Tätigkeit der zur Oetker-Gruppe gehörenden Kommanditgesellschaft mit Sitz am Main beschreiben, die mittlerweile neun Märkte in deutschen Großstädten sowie in Wien unterhält. Doch das Unternehmen ist für viele Gastronomen weit mehr als nur ein Anbieter von Lebensmitteln. „Es ist mein Kühlschrank und mein Vorratsraum“, schwärmt etwa Carmelo Greco stellvertretend für viele seiner Kollegen. Der Italiener betreibt in Sachsenhausen unter seinem Namen das wahrscheinlich beste italienische Restaurant in Hessen. Frische Produkte erstklassiger Qualität sind für die mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Küche Grecos essenziell. Diese Produkte könnte er aber unmöglich selbst bevorraten. Deshalb ist für ihn der Anruf beim Frischeparadies Teil seines Arbeitsalltags. Da bestellt er dann etwa einen ganzen Wolfsbarsch von gut 80 Zentimeter Länge und sieben Kilo Gewicht, wenn am Abend eine größere Gesellschaft reserviert hat. Ein, zwei Stunden später bringt ein Kurierfahrer das gewünschte Tier und die übrigen bestellten Zutaten. Am Tag vorher schwamm der Barsch vermutlich noch im Atlantik.

5.000 verschiedene Delikatessen

Betriebsleiter Ulrich Wittur

Solche Frische erwartet man in Hafenstädten, doch garantiert wird sie in Frankfurt, inmitten des europäischen Kontinents. Ulrich Wittur kennt selbstverständlich das Bonmot vom frischesten Fisch, denn man nicht am Meer, sondern am Main bekomme. „Der Flughafen macht’s möglich“, sagt der Betriebsleiter der Frankfurter Frischeparadies-Niederlassung, die von Kennern noch immer „Edelfisch“ genannt wird. Unter diesem Namen wurde in den 1990er Jahren die Wandlung von einem Fischspezialisten zu einem gastronomischen Komplettanbieter eingeleitet.

Heute bieten die Märkte, die auch Endverbrauchern offenstehen, gut 5.000 verschiedene Delikatessen an: Fisch und anderes Meeresgetier, Fleisch, Geflügel, Obst, Gemüse, Brot, Weine, Öle, Essige und hunderte Spezialitäten mehr. Nicht nur Profis werden hier glücklich, auch Hobby-Köche dürften nahezu alle Zutaten auch für ambitionierteste Gerichte finden.

Trotz des großen Angebots sind die Märkte unter der Woche nicht überlaufen. Restaurants und Hotels bestellen ihre benötigten Produkte über Telefon und Internet. In den Kühlräumen werden die Bestellungen zusammengepackt und dann von Transportern ausgeliefert. Das Frankfurter Frischeparadies, das Waren im Gesamtwert von gut 800.000 Euro vorrätig hält, liefert in einem Radius von 120 bis 150 Kilometer um Frankfurt herum aus, bedient also auch Restaurants etwa in Mannheim und Würzburg. Etwa 75 Prozent des Warenumsatzes werden mit der Gastronomie erzielt, sagt Wittur. Auf diese Klientel ist zwar manche Packungsgröße im Sortiment zugeschnitten, doch setzt der Markt sonst durchaus auch auf den privaten Kunden.

„Es ist ein Vertrauensgeschäft“

An den richtet sich etwa auch das weithin gerühmte Bistro des Markts, das 15 Sitze an einer Theke und vier Hockerplätze an einem Tisch bietet. Dort kann man sich Fisch und Meeresfrüchte an Ort und Stelle zubereiten lassen oder der tagesaktuellen Empfehlung folgen, die auf einer Schiefertafel angeschrieben steht, oder einfach ein Glas Wein aus dem umfangreichen Angebot probieren.

Das Frischeparadies finden Sie auch im Internet.

Gut 70 Mitarbeiter sind für das Frischeparadies in Frankfurt tätig. Sie arbeiten eng mit Lieferanten in über 70 Ländern der Welt zusammen. Dort werden die Waren eingekauft und schnellstmöglich (meist über Nacht) an die Standorte und von dort an die Kunden geliefert. „Es ist ein Vertrauensgeschäft“, sagt Wittur. „Wir verlassen uns auf unsere Lieferanten, die beste Ware zu bekommen, so wie sich unsere Kunden darauf verlassen, absolut frische Produkte von uns zu bekommen.“ Carmelo Greco weiß darum und greift deshalb zum Telefon, bevor er anfängt zu kochen.

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Quelle: op-online.de

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