In Vorweihnachtszeit haben Gauner Hochkonjunktur

Frohes Fest für Taschendiebe

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Ein schneller Griff – und schon wird der Weihnachtsmarktbesuch zum Ärgernis.

Frankfurt/Offenbach Mit der Vorweihnachtszeit beginnt die Hauptsaison der Taschen- diebe. In Frankfurt etwa ist die Zahl der Taschendiebstähle schon seit Wochen so hoch, dass das zuständige Kommissariat überlastet ist. Mit den Weihnachtsmärkten dürften es noch mehr werden.

Mit etwa 1 200 Euro in der Jackentasche setzt sich ein Mann in einen Imbiss am Frankfurter Hauptbahnhof. Als der 43-Jährige bemerkt, dass sein Geld weg ist, ist der Täter längst über alle Berge. Die Aufklärung des sogenannten Jacke-Jacke-Trickdiebstahls ist unwahrscheinlich. Täter und Opfer kennen sich nicht. „Die Tricks sind so alt wie die Menschheit“, sagt der Frankfurter Polizeisprecher Alexander Kießling. „Es geht immer um Ablenkung.“ Und um Leichtsinn. „Opfer kann jeder sein, der unachtsam ist“, mahnt der Offenbacher Polizeisprecher Michael Malkmus. „Das sind auch junge Leute, die gerade auf ihrem Handy telefonieren.“

Taschendiebstähle nehmen normalerweise erst zum Jahresende zu. In Frankfurt sind sie aber schon seit Wochen so hoch, dass das Diebstahl-Kommissariat Unterstützung braucht. Dabei kommt die Hauptzeit für Taschendiebe erst noch. Vor allem in der Vorweihnachtszeit seien Diebe in den Fußgängerzonen, auf Weihnachtsmärkten oder in Bussen und Bahnen aktiv. „Die Leute haben dann viel Geld und hochwertige Geschenke dabei“, sagt der Wiesbadener Polizeisprecher Markus Hoffmann.

Weihnachtsmärkte, Fußgängerzonen, Einkaufszentren, Discos, Konzerte und Volksfeste: Im Schutz der Masse und der Dunkelheit haben Taschendiebe ein besonders leichtes Spiel. „Vor allem, wo es zu großen Menschenansammlungen kommt, schlagen die Diebe zu“, sagt Polizeisprecher Martin Schäfer aus Fulda. „Da gibt es immer einen Anstieg von Diebstählen, weil Gedrängel ist“, ergänzt die Darmstädter Polizeisprecherin Andrea Löb. „Die Täter sind meist extrem geschickt. Man merkt oft gar nichts“, berichtet Schäfer.

„Die Aufklärungsquote ist gering“, heißt es unisono bei der Polizei in Hessen. Täter und Opfer kennen sich nicht, und der Diebstahl fällt oft erst spät auf. Viele Täter reisten schon nach ein paar Stunden in die nächste Stadt weiter. Ländliche Regionen bleiben daher eher verschont. Für organisierte Banden sei beispielsweise Osthessen wohl nicht attraktiv genug, sagt der Fuldaer Schäfer. Denn es gebe weder große Bahnhöfe noch Flughäfen oder riesige Feste.

Die Täter gehen geschickt vor und folgen dabei häufig festen Rollen. „Einer rempelt an oder fragt nach dem Weg, ein anderer greift zu“, schildert es Michael Malkmus aus Offenbach. Dabei wird dem Opfer oft auch ein Stadtplan vorgehalten, ergänzt Jörg Reimer vom Polizeipräsidium Gießen. Ein anderes Ablenkungsmanöver: Mit Senf kleckern oder um Wechselgeld bitten. Viele Täter beobachteten ihre Opfer sehr genau über einen längeren Zeitraum, bevor sie zuschlagen.

Wie werde ich...? Detektiv/in

Der Jacke-Jacke-Trick ist einer der Klassiker in Frankfurt. Opfer werden Leute, die ihre Jacke mit Portemonnaie über einen Stuhllehne gehängt haben. Die Täter hängen ihre Jacke daneben oder darüber und greifen unbemerkt zu. Oder wie im Bahnhofsviertel bei der Beute von 1 200 Euro: Der Täter tut so, als wolle er seine Jacke ausziehen, lässt eine Hand aber im Ärmel und greift unbemerkt in die über die Stuhllehne hängende Jacke.

„Antänzer“ nennen Polizisten eine andere Gruppe von Trickdieben: Diese umtanzen ihre Opfer, klopfen ihnen kumpelhaft auf die Schulter oder umarmen sie, während der Komplize zugreift. Dies sei häufig nach Clubbesuchen zu sehen, wenn die Opfer möglicherweise auch Alkohol getrunken hätten.

„Die Prävention ist schwer, denn die meisten Menschen denken, mir passiert so etwas nicht“, sagt Kießling. „Wir wären froh, wenn alle ein bisschen mehr aufpassen würden.“ Auch Jugendliche: „Das Handy auf dem Konzert nicht hinten in die Hosentasche stecken!“ Winterkleidung verlocke, Smartphones und Geldbörsen in den Außen- statt den Innentaschen zu verstauen – das mache es den Dieben leicht.

dpa

Quelle: op-online.de

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