Früh malt, wer es metallisch mag

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Kleine Stärkung für den Zeichner und Illustrator Christopher „Piwi“ Tauber.

Frankfurt - Seine Schwester Preslisa singt zur Ukulele wunderbar charmante Versionen von Elvis-Presley-Filmsongs wie jenes von der Shrimps-Familie, die sich trennen muss, als der Sohn vergnügt ins Netz des Fischers hüpft, um im Grand Hotel von New Orleans groß Karriere zu machen. Von Detlef Kinsler

Mahlzeit. Seine Freundinnen von der Mädchen-Band „Good Heart Boutique“ inspirierten ihn 2007 zu einer „Pseudo-Biografie“ über leicht verruchte, schmutzige aber süße Szene-Girls, deren absurde Abenteuer als Comicstrips im Bändchen „Disco Amore“ hautnah mitzuerleben waren. Seinem Kumpel, dem Singer/Songwriter Bernhard Karakoulakis alias „Boo Hoo“ gestaltete er die Cover von dessen CDs „Hypermarché“ und „Afghan Hounds“.

Er schuf dabei auf wunderbare Weise die passende Bilderwelt zu den phantasievollen und subtil instrumentierten Songperlen im Geiste der New Yorker Anti-Folk-Szene, in denen Madonna, Woody Allen, Charlie Brown, der Kleine Prinz, Pac-Man, die Gremlins und der eigenen Großvater auftreten. Und jetzt überrascht der Frankfurter Comiczeichner und Autor Christopher „Piwi“ Tauber mit „Hör doch mal Metal“ im Zwerchfell-Verlag, mit dem er vollkommen aus der Art schlägt. Hat der sympathische Mensch unter der Schiebermütze eine dunkle Vergangenheit, der er jetzt mit einem „Metal-Malbuch für die Heavy Family“ Tribut zollen musste, um sich von den alten Geistern zu befreien?

Ganz so dramatisch ist die Geschichte nicht. Tauber, in Frankfurt geboren, im Main-Kinzig-Kreis zur Schule gegangen, versuchte sich da kurzfristig als Gitarrist. „Wir waren die schlechteste Band in der gesamten Region, hatten aber sehr viel Spaß dabei“, erinnert er sich. Neben Punk war es vor allem der Heavy Metal, der die Jungs auf dem Land antrieb. „Weil es da abging und es Krach gemacht hat. Ich glaube das finden Kinder und Jugendliche, egal welcher Generation, immer toll.“

Weniger blutrünstig und familienfreundlich

Genau das erlebte „Piwi“ nun auch mit seinem Stiefsohn Emil. Mit dem streifte er durch Plattenläden. „Der zog sofort Iron Maiden aus dem Regal und war fasziniert von den Monster- und Fantasymotiven auf der Hülle.“ Dieses kleine Erlebnis gab die Initialzündung für das Projekt Metal-Malbuch. Denn auch der Zeichner konnte sich schon immer für die Ästhetik und die typische, leicht zuzuordnende Bildsprache und Typografie des Genres begeistern. Also pickte er sich von A bis Z, von Alptraum bis Zuhause, von AC/DC bis ZZ Top, 26 Plattenhüllen aus der Hard’n’Heavy-Geschichte heraus und gestaltete die Hüllen kurzerhand etwas weniger blutrünstig und dafür familienfreundlicher um.

Bevor man die Farbstifte spitzt, kann man sich noch auf ein Ratespiel einlassen: was hat etwa das Motiv „Schwester“ mit dem Mädel auf dem Pferd inspiriert, oder wem ist der „Idiot“, der mit dem Wasserschlauch im Garten kämpft, nachempfunden? Wer „Molly Hatchet“ und „Whitesnake“ erkennt, darf sich freuen, wer dabei eher im Dunklen tappt, muss zur Auflösung auf der letzten Seite blättern.

Cover des im Zwerchfell-Verlag erschienen Malbuchs.

Auch wenn Tauber längst auch als Illustrator für Romane wie Dietmar Daths „Deutschland macht dicht“ bei Suhrkamp gestaltend eingreift, zur Musik kehrt er immer wieder zurück. Denn auch wenn er früh merkte, dass es als Musiker für die Bühne nicht reicht, so suchte er doch sofort nach einer anderen Möglichkeit, seine Liebe zur Musik auszuleben und fand sie im Comic. Sein Einstieg waren übrigens zwei „Inter View Popcomics“, der erste erschien 2002. Musikjournalist Helge Arnold machte dafür die Interviews, Tauber übersetzte die Gespräche mit großen Namen wie Travis, den Sportfreunden Stiller, Helge Schneider oder den White Stripes in bunte Strips. Beide heimsten dafür als „Gebrüder Grimm für den Indie-Gedanken“ das Lob ein, „eines der vitalsten und zugleich unaufdringlichsten Geschichtsbücher des Popmärchens“ kreiert zu haben.

Quelle: op-online.de

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