Frühlingshafter Budenzauber

Tolles Wetter lockt Tausende auf den Martinsmarkt

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Ob tagsüber oder in den Abendstunden: Der 30. Martinsmarkt erwies sich wieder als wahrer Besuchermagnet.

Dieburg - Bei frühlingshaften Temperaturen entfaltete sich am Wochenende in der Innenstadt ein Kaleidoskop bunter Farben. 150 Beschicker sorgten auf dem 30. Martinsmarkt für ein kunterbuntes Allerlei. Tausende Besucher kamen, um das besondere Flair zu genießen. Von Ursula Friedrich und Laura Hombach 

Marktmeister Alois Ostner war nach dem Studium des Wetterberichts im TV felsenfest davon überzeugt: „Der Martinsmarkt wird eine Granate!“ Ob es das Wirken des Heiligen St. Martin war, der das Dieburger Stadtwappen prägt und Namenspatron der Großveranstaltung des Gewerbevereins ist? Der Klimawandel, der satte 19 Grad am Sonntag bescherte? Die Künste der Hellseherin, deren Dienste im Handlesen und Kartenlegen auf dem mittelalterlichen Marktgelände vielfach gefragt waren?. „Alles Unfug, es ist der Martinisommer“, beharrte Herold Carolan Lieb.

Wer in den Fechenbach Park pilgerte, trat auch diesmal eine Reise in die Zeit des Mittelalters an. Bei der Organisation dieses Marktteils hatte Marktmeister Ostner auf die Unterstützung von Armin Probst setzen können, der daselbst als Graf Arminius Carolus Richard von Mautendorf im ritterlichen Lager anzutreffen war. Herold Carolan rief die neusten Nachrichten aus, sah nach Recht und Ordnung und hielt nach fremden Rittern Ausschau, die Unfrieden ins beschauliche Lagerleben vorm Fechenbacher Schloss trugen. „Alles friedlich“, verkündete er gelassen.

Lediglich William den Zauberer hatte es böse erwischt. Ein eitriger Zahn piesackte den Magier. „Wir haben zwar keinen Bader, aber einen hervorragenden Waffenschmied, der sich aufs Zähnereißen versteht“, machte man Zauberer Willi Mut. Der passionierte Mittelalterkenner schlüpfte jedoch dankbar in die Moderne, um sich von einem Dieburger Spezialisten des 21. Jahrhunderts den Zahn entfernen zu lassen. „Schade“, so der Herold grinsend, „das wäre ein Spektakel gewesen!“.

Im Schloss Fechenbach gab es zum 40-jährigen Bestehen der Dieburger Briefmarkenfreunde gleich in zwei Sälen kleine Kostbarkeiten zu bestaunen. Und auch der Heimatverein war am Sonntag wieder mit von der Partie: Er öffnete die Türen des Mühlturms und führte die Besucher zurück in die dunkle Vergangenheit des letzten Wehrturms der Stadt.

Im zeitgenössischen Teil des Martinsmarktes boten Gewerbetreibende, Dienstleister, Vereine und Institutionen erneut ein facettenreiches Branchenspektrum. Auch die Freunde aus den Partnerstädten Aubergenville und Mlada Boleslav waren wie einst die Händler von weit her angereist, um ihre Spezialitäten feil zu bieten. Für ein paar Silberlinge gab es außerdem eine schöne Münze, die diesmal das Motiv der Zuckerstraße trug. Prägemeister Herbert Kosch setzte mit viel Herzblut fort, was im historischen „Dyppurg“ mit Verleihung der Münzrechte um 1368 Usus war. Und natürlich hatten auch die Dieburger Geschäfte ihre Türen für die Besucher des Martinsmarktes geöffnet und luden auch am Sonntag zum Bummel durch das örtliche Warenangebot ein.

Bilder: Martinsmarkt in Dieburg

„Unsere Branchenvielfalt wird von unserem Publikum besonders gelobt“, sagte Marktmeister Ostner. „Inzwischen haben wir einen der schönsten Märkte überhaupt!“ Erfunden hat ihn zwar nicht der Gewerbeverein, sondern der Erzbischof von Mainz, der König Ludwig der Bayern anno 1325 um die Erteilung der Marktrechte bat. Doch die Renaissance des Dieburger Markttreibens ist ein Erfolgsmodell. Aus 32 Buden entwickelte sich über 30 Jahre eine Größenordnung von 150 Marktbeschickern. „In den vergangenen zehn Jahren haben wir versucht, unser Level zu halten“, so Kaufmann Ostner. Wachsen soll der Martinsmarkt nicht mehr. Schon jetzt hat die Großveranstaltung eine solche Sogwirkung, dass die Jagd nach freiem Parkraum zur sportliche Herausforderung wird.

Die ungewöhnlich milden Temperaturen taten am Wochenende ihr Übriges, um den Besuchern Lust auf einen Marktbummel zu machen. Dicht an dicht flanierten die Schau- und Kauflustigen durch die Innenstadt und den Fechenbach-Park, genossen das abwechslungsreiche Angebot und die wärmenden Strahlen der Herbstsonne. Schwarzbier ging folglich besser als Glühwein, wenngleich Liebhaber heißen Mets auch diesmal nicht auf die Köstlichkeit verzichteten. Als Bürgermeister Dr. Werner Thomas ein Tablett frisch gezapften Biers Richtung Bühne balancierte, legten die erhitzten Folkmusiker von Saytensprung noch einen Zahn zu. Angetrieben von der Furcht, dass der Gerstensaft warm werden könnte.

Quelle: op-online.de

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