Füller und Tinte auf roter Liste

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Mit Füllern und Tintenrollern schreiben heute nur noch wenige Menschen. Die Tastatur hat die Stifte abgelöst, letztere spielen auf der Paperworld-Messe in Frankfurt dennoch eine wichtige Rolle. Und wenn es nach der Initiative Schreiben geht, sollte die Handschrift wieder mehr gefördert werden.

Frankfurt - Jede Handschrift ist unverwechselbar. Ob klein oder groß, geschwungen oder eckig, sauber oder schlampig, sie drückt Persönlichkeit aus und vermittelt Nähe. In der digitalen Welt verfassen aber nur noch wenige Menschen ihre Briefe handschriftlich. Von Christina Lenz

Einzig für die Postkarte aus dem Urlaub oder die Glückwunschkarte zum Geburtstag greifen Schreibende heute noch zu Füller oder Kugelschreiber. Dafür tippen sie umso mehr E-Mails, Tweets und SMS in ihre digitalen Geräte. Auch unter dem Weihnachtsbaum liegen inzwischen eher High-Tech-Produkte, kaum noch Füller, Briefpapier oder Notizblöcke.

Gegen das drohende Aussterben der Handschrift kämpft seit kurzer Zeit die Initiative Schreiben. Der neugegründete Verein verfolgt laut eigener Aussage insbesondere ein „gesellschaftspolitisches Interesse“. „Mit der Handschrift geht es auch immer um den Wert des Einzelnen und seines Ausdrucks“, sagt die Vorsitzende der Initiative Schreiben, Stefanie Hanfstingl-Kariger. „Außerdem ist die Handschrift ein grundlegendes Kulturgut.“ Laut Verein begleiten das Aussterben der Handschrift viele Gefahren: 7,5 Millionen Menschen in Deutschland seien bereits funktionale Analphabeten. „Die Schreibkompetenz schwindet weiterhin“, sagt Hanfstingl-Kariger. „Eine gute Schreibkompetenz ist aber gerade in unserem Kommunikationszeitalter Voraussetzung für die erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft.“

Bei ihrer Argumentation stützt sich die Initiative unter anderem auf eine Studie der Universität Washington, wonach das Schreiben per Hand die Ausdrucksfähigkeit stärkt. Auch Kreativität, Gedächtnis, Feinmotorik und das Zusammenspiel von rechter und linker Gehirnhälfte würden durch das Schreiben mit der Hand verbessert, erklärt Hanfstingl-Kariger. Handgeschriebene Texte seien stärker „emotional verankert“ und oft komplexer und besser strukturiert. „Wer mit der Hand schreibt, muss sich vorher überlegen, was er sagen will.“ Mit dem Tippen im SMS-Stil gehe komplexes Denken und Schreiben dagegen verloren.

Die Initiative Schreiben betont, dass sie mit ihrem Anliegen einer Mehrzahl der Bevölkerung aus dem Herzen spricht. Nach einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie des Pragma Instituts ist für neun von zehn Menschen „Handgeschriebenes von besonderem Wert“. Etwas mehr als zwei Drittel der Bevölkerung geben in der Studie an, dass es gut wäre, „wenn Menschen häufiger von Hand schreiben würden“.

Die junge, digital geprägte Internet-Generation schätzt dabei die Handschrift noch wertvoller ein als andere Bevölkerungsgruppen. „Diese Generation wird oft missverstanden“, erläutert Reiner App von der Initiative Schreiben die Studienergebnisse. „Der persönliche Kontakt und auch das individuelle Bekenntnis, die sich durch die Handschrift vermitteln, liegen dieser Altersklasse sehr am Herzen. Darin liegt ein hohes Zukunftspotenzial.“ Als negativ beurteilen dagegen 79 Prozent der Befragten einen Vorschlag des Grundschulverbands, der fordert, an Grundschulen nur noch Druckschrift zu unterrichten: „Nur mit der Schreibschrift lernen Kinder flüssig mit der Hand zu schreiben. Und nur so finden sie Freude am schriftlichen Ausdruck“, sagt Hanfstingl-Kariger.

Füller und Tintenroller auf der roten Liste? Das will die Initiative in Zukunft mit einem „Tag der Handschrift“ und Schulaktionen verhindern. „Die meisten Menschen wünschen sich, dass die Handschrift erhalten bleibt. Wir werden uns um dieses gesellschaftliche Anliegen kümmern“, so App.

Quelle: op-online.de

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