Fünf-Euro-Grenze

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Da geht er hin, der Müllmann. Hinter dem Trinkgeld zu Weihnachten sieht die Frankfurter Entsorgungs-GmbH einen Bestechungsversuch.

Frankfurt ‐ Zu Weihnachten belohnen einige Hessen Postbote und Müllmann gern mit einem kleinen Trinkgeld. Schließlich haben sie das ganze Jahr bei Wind und Wetter ihre Arbeit gemacht. Während die Deutsche Post nichts gegen diesen alten Brauch hat, wittert die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) Bestechungsversuche. Von Friederike Gatzke (dpa)

Hier haben Sie einen Zwanziger und dafür nehmen sie den Beutel dahinten auch noch mit.“ Auf diese Weise hätten Bürger versucht, dem Müllmann mehr Abfall als erlaubt oder gar schadstoffhaltigen Müll unterzuschieben, sagt FES-Sprecher Michael Werner. Und immer mal wieder hätten sich FES-Mitarbeiter darauf eingelassen. Sie seien entlassen worden, sagt er. Zwar liegen die letzten Bestechungs-Vorfälle laut FES-Sprecher Werner schon Jahre zurück, dennoch erinnert die FES ihre Mitarbeiter auch in diesem Jahr per Flugblatt daran, keine Geschenke anzunehmen, die mehr als fünf Euro wert sind. „Eine Tafel Schokolade, oder ein Zehn-Euro-Schein, den sich das Team teilt, ist in Ordnung“, sagt FES-Sprecher Werner.

Die Deutsche Post sieht das Weihnachts-Trinkgeld vergleichsweise gelassen. „Wenn Kunden unsere Postboten für gute Arbeit belohnen wollen, haben wir nichts dagegen. Gerade in ländlichen Gebieten ist der Postbote, der seit Jahr und Tag die Briefe bringt, ja so eine Art Vertrauensperson“, sagt der Sprecher der Deutschen Post in Frankfurt, Thomas Kutsch. Zudem gibt es seiner Ansicht nach keinen Grund, einen Postboten zu bestechen.

Auch die Trainerin für Stil und Etikette in Frankfurt, Lis Droste, sieht im Weihnachtspräsent keinen Bestechungsversuch. „Der Brauch, Müllmännern und Postboten zu Weihnachten ein Trinkgeld zu geben, ist eine nette Geste, um zu zeigen, dass man mit dem Service zufrieden ist“, sagt sie. Verpflichtet sei dazu allerdings niemand. Trinkgeld sei immer etwas Freiwilliges.

In der Woche vor Weihnachten gibt sie ihren Müllmännern je fünf Euro, dem Briefträger zehn. Den Geldschein steckt sie zusammen mit einer Weihnachtskarte in einen Umschlag und überreicht ihn persönlich. „Das ist stilvoller, als jemandem einfach einen Geldschein zuzustecken.“ Sie hält nichts davon, selbst gebackene Plätzchen, Wein oder Zigaretten zu verschenken: „Ob Plätzchen gut ankommen, weiß ich nicht. Aber auf keinen Fall möchte ich jemanden zum Rauchen oder Trinken verführen.

Quelle: op-online.de

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