Skeptiker sehen Chancen schwinden

Hick-Hack um Fusion der Kliniken

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Die geplante Fusion der Main-Taunus-Kliniken mit dem Städtischen Krankenhaus Frankfurt-Höchst sorgt seit rund zwei Jahren für Aufregung in der Mainmetropole, aber auch im Landkreis.

Frankfurt/Hofheim - Die Chancen für eine Fusion der Kliniken Main-Taunus-Kreis und Frankfurt-Höchst schwinden - meint die SPD. Landrat Cyriax und Gesundheitsdezernentin Heilig dagegen sind zuversichtlich. Die Beschäftigten dürfte das Hick-Hack nicht gerade motivieren. Von Ira Schaible 

Die geplante Fusion der Main-Taunus-Kliniken mit dem Städtischen Krankenhaus Frankfurt-Höchst sorgt seit rund zwei Jahren für Aufregung. Beschäftigte fühlen sich übergangen, noch immer sind viele Fragen ungeklärt. Die oppositionelle SPD ist inzwischen skeptisch, ob der angestrebte Zusammenschluss mit insgesamt rund 1500 Betten überhaupt noch gelingt.

Frankfurts Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) zeigt sich dagegen zuversichtlich, dass die Verhandlungen über die Dachgesellschaft für den Klinikverbund bis Jahresende abgeschlossen sind und 2015 der Zusammenschluss geschafft werden kann. Unstrittig ist, dass die kalkulierten Kosten für den Frankfurter Neubau um rund 40 Millionen Euro auf etwa 239 Millionen Euro steigen. Baumängel verzögern zudem den Neubau in Hofheim weiter.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Kreistag, Harald Schindler, ist überzeugt, dass der ursprüngliche Fusionstermin zum Jahresende nicht zu halten ist. Er äußert sich sogar skeptisch, ob es 2015 klappt. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Römer, Klaus Oesterling, sieht die Chancen für den Zusammenschluss inzwischen bei weniger als 50 Prozent.

Fusion aus wirtschaftlichen Gründen

Der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe nur offene Fragen aufgelistet und gezeigt, dass sich die Einzugsbereiche der drei Krankenhäuser in Bad Soden, Hofheim und Frankfurt-Höchst gar nicht überlappten, sagt Oesterling. Die vor allem aus wirtschaftlichen Gründen geforderte Fusion sei aber doch nur sinnvoll, wenn bestimmte medizinische Abteilungen außerhalb der Akutmedizin zusammengelegt werden könnten. Bis zur Entscheidung für den Neubau in Höchst müsse auf jeden Fall geklärt werden, ob nicht eine technische Kooperation ausreiche. Den Bauantrag will Heilig kurz vor Weihnachten einreichen.

Schindler, der auch im Aufsichtsrat der Kliniken im Kreis sitzt, ist von der Notwendigkeit der Fusion überzeugt: „Es muss zusammengearbeitet werden.“ Der Sozialdemokrat vermisst allerdings noch immer ein medizinisches Konzept. „Das hätte für mich am Anfang stehen müssen“, meint er. Kreis und Stadt prüften zwar offensichtlich die Einzelheiten der Fusion, „aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des Aufsichtsrats“.

Zusammenschluss für 2015 geplant

Das sieht Dezernentin Heilig anders. Die Personalvertretungen seien immer unterrichtet worden, vor den Aufsichtsräten, sagt Heiligs Referentin Alexandra Chmielewski. Ein medizinisches Konzept gebe es selbstverständlich auch. Danach sollten keine Kliniken geschlossen, sondern unterschiedliche medizinische Schwerpunkte gebildet werden. Dieses Konzept sei auch ein Grund für die steigenden Kosten des geplanten Neubaus in Höchst. Dadurch werde mehr medizinisches Gerät gebraucht und die technische Ausstattung teurer als erwartet.

Zuversicht kommt auch aus dem Main-Taunus-Kreis: „Die Vorbereitungen laufen, es wird weiterhin der Zusammenschluss für 2015 angestrebt“, sagt Sprecher Johannes Latsch. Der Vertrag sei im Grunde ausgehandelt, die Abstimmungen mit der EU und den Finanzbehörden liefen noch. Auch Detailfragen müssten noch geklärt werden, etwa die Personalsituation in Frankfurt. Dabei geht es nach den Worten von Chmielewski um rund 200 Beschäftigte, mit denen geklärt werden müsse, ob sie bereit seien, statt in Frankfurt im Kreis zu arbeiten.

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Schindler und die SPD im Römer fordern einen Ausschuss, in dem alle offenen Fragen mit allen Beteiligten angesprochen werden können. Das lehnen Heilig und Cyriax als überflüssig ab. „Ich glaube, dass die, die mir vorwerfen, ich würde nicht ausreichend informieren, grundsätzlich keine Veränderungen wollen“, sagte Heilig vergangene Woche.

Für die Beschäftigten sei diese lange unklare Lage „nicht motivierend“, betont Oesterling. Sein Partei-Kollege Schindler warnt: „Krankenschwestern sind ein Mangelberuf.“ Die Beschäftigten müssten endlich einbezogen werden, damit der Zusammenschluss nicht noch vor dem Arbeitsgericht gestoppt werde.

Quelle: op-online.de

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