Mit Gänsehaut durch Frankfurt

Wenn die Banker Feierabend haben, erwachen die dunklen Seiten der Stadt zum Leben. Manch einer traut seinen Augen nicht, wenn er mit den Machern von Morticus Frankfurt erkundet.

Zwischen Geschichte und Legende taucht die Theatergruppe Morticus ein in das historische Frankfurt und zeigt seinen Besuchern eine Stadt, die, nicht weit von Glasfassaden und Verkehrschaos, ihre Vergangenheit offenbart.

Die Firma Morticus entwickelt seit vier Jahren gruselige Stadtführungen, mit Gänsehautgarantie, durch Mainhattan.

Auf die Frage, ob auf einer ihrer Gruseltouren durch Frankfurt schon außergewöhnliche Zwischenfälle passiert seien, können die Mitarbeiter von Morticus Ghosttours nur lachen. „Wir haben schon Hunderte interessanter Geschichten erlebt“, erklärt Dieter Hahn, einer der kreativen Köpfe des Projekts. „Erst vor kurzem ist eine Frau vor Schreck ins Gebüsch gestürzt und kam nicht mehr heraus. Und vor einiger Zeit wollte die Polizei uns als Satanisten hochnehmen.“ Wer einem der als Vampir, Hexe oder andere Nachtgestalt verkleideten Rundführer gefolgt ist, versteht die Reaktionen der Teilnehmer und die neugierigen, mitunter erschrockenen Blicke der Passanten, die der Gruppe begegnen.

Zu den spätabendlichen Stadttouren treffen sich jedes Wochenende furchtlose Interessenten an einem ebenso abgelegenen wie geschichtsträchtigen Ort, um sich dann in knapp zwei Stunden die Innenstadt auf eine andere Art zeigen zu lassen. Die Grusel-Guides erzählen Historisches über die Stadt und ihre früheren Bewohner und vermischen die Frankfurter Geschichte gekonnt mit unheimlichen Legenden sowie Erzählungen über ihr persönliches, schauriges Schicksal. Die Ausführungen werden des Öfteren unterbrochen, wenn Erschrecker überraschend aus einem nahe gelegenen Gebüsch springen oder ihre „Opfer“ durch den Park jagen.

Wichtig ist den Veranstaltern aber neben guter Unterhaltung auch, die Geschichte der besuchten Orte und ihre Besonderheiten zu beleben. Bewusst werden hierbei Plätze ausgewählt, die selbst vielen eingesessenen Frankfurtern bislang unbekannt waren. Sebastian Böttger und Sascha Vetter, die die Tour „Nacht der Vampirin“ gebucht haben, finden diese Art der Wissensvermittlung sehr gelungen: „Ganz nebenbei habe ich viele historische Informationen über Frankfurt erfahren, auf eine spannend und lustig inszenierte Art“, so Böttger. Erschreckt habe er sich dabei vielleicht ein oder zweimal, gibt er zu. Sein Freund fügt hinzu: „Die Führung hatte die richtige Portion Humor, so dass man nicht permanent kurz vor dem Herzkasper stand. Ich fand auch die Masken und die Kostüme sehr gelungen.“ Trotz der grotesken Szenerien bleiben die meisten Passanten, die zufällig den Weg der Theaterführungen kreuzen, eher ruhig. „Wir sind hier in Frankfurt. Da taucht ein Vampir auf, und die meisten stört es gar nicht“, bemerkt Hahn.

Neben der „Nacht der Vampirin“ sind momentan fünf weitere Rundgänge im Programm, ein neuer soll bald hinzukommen, ebenso wie ein Gruseldinner im Herbst. Die Touren haben unterschiedlichen Charakter. „Hexen in der Klappergass'“ verzichtet beispielsweise auf die Schockeffekte, eine andere Führung, legt stattdessen ihren Schwerpunkt auf die Erzählung von überlieferten Kuriositäten aus dem alten Frankfurt und thematisiert auch die Hexenverbrennungen im Mittelalter. In „Mord im Ostpark“ müssen sich die Tourgäste statt mit übernatürlichen Wesen mit einem handfesten Kriminalfall befassen, bei dem der Täter noch auf freiem Fuß wandelt. Auch eine Leseführung wird angeboten, in der vor stimmungsvoller Friedhofskulisse Grusel- und Horrorgeschichten vorgetragen und gelesen werden.

Das Konzept für die verschiedenen Abenteuer-Events entwickelten 2005 Morticus-Leiter Jonathan Manyway und der Historiker Matthias Zwermann. Manyway erklärt: „Schon früher habe ich immer gerne meine Neffen im Keller mit Gruselgeschichten gequält und sie erschreckt. Das hat sich hier fortgesetzt.“ Das kreative Ergebnis dieser grausamen Ader sollte sich jeder, der Geschichte und Nervenkitzel kombiniert erleben möchte, anschauen. Ansonsten ist bei zukünftigen Treffen mit Hexen, Untoten, Geistern oder Vampiren Gelassenheit geboten. Die sind doch nur Show – oder?

E Weitere Informationen unter http://www.morticus-online.de VERENA BONGARTZ

Quelle: op-online.de

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