Gärten statt Mauern

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Wie ein grünes Band schlängeln sich die Wallanlagen um die Frankfurter Innenstadt.

Frankfurt ‐ Die Idee wurden von draußen an die da drinnen herangetragen: Ausgerechnet die französische Regierung gab am 30. November 1802 der Stadt Frankfurt den Rat, ihre Befestigungsanlagen zu „entfestigen“, sprich zu schleifen. Von Christian Riethmüller

Diese Empfehlung war mit dem Hintergedanken verknüpft, dass die alte Reichsstadt nicht in künftigen Kriegen von den Feinden Frankreichs als Waffenplatz und Stützpunkt benutzt werden würde. Denn dazu hätten die Wallanlagen schon noch getaugt, wenn auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgrund der Fortschritte in der Waffentechnik Stadtmauern und Befestigungsanlagen militärisch nutzlos geworden waren.

Der Wunsch der französischen Regierung in Paris wurde am Main nicht etwa als Unverschämtheit aufgenommen, sondern stieß auf positive Resonanz. Würde doch die Stadt so als eine „offene Stadt“ behandelt werden, was ihr Schutz vor weiteren möglichen Beschießungen, vor allem aber Licht, Luft und die Möglichkeit zur Ausdehnung böte. In den engen, mittelalterlich geprägten Gassen der Frankfurter Altstadt waren es nämlich weder mit Frischluft noch mit Platz besonders weit her.

„Entfestigung“ langwierige Angelegenheit

Der Rat der Stadt beschloss daher am 9. Dezember 1802 die Niederlegung der Festungswerke. Die politischen Wirren jener Zeit, aber auch die immensen Kosten der Abbruch- und Erdarbeiten ließen aus der Entfestigung eine langwierige Angelegenheit werden, die immerhin ab dem Jahr 1807 dadurch beschleunigt werden konnte, dass der spätere Bürgermeister Jakob Guiollet (1746-1815) im Auftrag des Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) die entscheidende Idee umsetzte, die auf den Wallanlagen frei werdenden Grundstücke an Interessenten versteigern zu lassen, verbunden mit der Auflage, die Befestigungsanlagen auf Kosten der neuen Eigentümer abzubrechen.

Trotz dieses kostspieligen Passus‘ drängten sich viele Frankfurter Familien darum, eines der Grundstücke zu erwerben. Um die Wallanlagen vor einer wahllosen Bebauung zu schützen, wurde 1810 das sogenannte „Wallservitut“ erlassen, quasi die Mutter aller Landschaftsschutzgesetze . Es gilt bis heute und hat die Anlage über zwei Jahrhunderte hinweg vor Bauspekulation bewahrt.

Stadt feiert Jubiläum der beliebten Promenade

So können sich die Stadt, Bewohner und ihre Besucher noch immer über einen rund vier Kilometer langen öffentlichen Park freuen, der sich wie ein grünes Band um die Frankfurter Innenstadt schlängelt, mit seinen vielen Brunnen und Weihern für Kühlung sorgt und mit seiner Vegetation hilft, Abgase und Stäube zu vermindern.

Das Jubiläum dieser vielgenutzten und beliebten Promenade feiert die Stadt nun mit der Ausstellung „Um die ganze Stadt ein Park“, die im Nebbienschen Gartenhaus (Nähe Bockenheimer Anlage/Alte Oper) zu sehen ist. Außerdem wird dort in den Wallanlagen am 29. und am 30. Mai ein Kultur- und Familienfest gefeiert. Zum Jubiläum ist der informative Bildband „Mauern zu Gärten. 200 Jahre Frankfurter Wallanlagen“ (Societäts-Verlag) des Historikers Björn Wissenbach erschienen.

Quelle: op-online.de

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