Im Literaturhaus

Im Galopp durch die Literatur

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Frankfurt - Akademisch ist ein Abend mit Clemens Meyer nicht. Eher wäre ein Boxkampf zu erwarten gewesen. Von Markus Terharn

Doch der Autor gestaltet die Abschlussvorlesung seiner Frankfurter Poetikdozentur im Literaturhaus als Parforceritt durch bisher erschienene Bücher sowie frühe, unveröffentlichte Typoskripte. Den Titel „Der Untergang der Äkschn GmbH“ hat der Vereinsvorsitzende, Verlagsanstalt-Chef Joachim Unseld, gleich eingangs in Zweifel gezogen: „Seine Vitalität ist ungebrochen“, bescheinigt er dem ja auch erst 37-Jährigen, der 2006 mit „Als wir träumten“ ein fulminantes Debüt hingeschmettert hat. Wer’s gelesen hat, kann die vorgetragenen Passagen besser einordnen. Und das Strukturprinzip erkennen: Es sind lauter Kurzgeschichten, die Meyer in der Manier von John Dos Passos zu seinem Epos aus dem Leipzig der Wendejahre montiert hat.

Er ist indes nicht da stehen geblieben. Das beweisen der Auszug aus dem Stipendien-Tagebuch „Gewalten“ und das Kapitel „Der Kolumbusfalter“ aus dem Roman „Im Stein“ (2013), der ganz anderen Kompositionstechniken gehorcht. Meyer schreibt glänzend, liest passabel mit großartiger Stimme und leicht sächsisch eingedunkelten Vokalen und redet ungern. Vielleicht ist Petra Gropp, seine Lektorin bei S. Fischer, auch eine zu gute Kennerin seines Werks, um ihm Überraschendes zu entlocken. Hin und wieder blitzt aber ruppiger Witz auf, wenn der Schriftsteller seine älteren Texte selbstironisch kommentiert. Und Clemens Meyers gedruckte Sätze sprechen sowieso für sich. Einstweilen freut sich das Publikum auf den nächsten Poetikdozenten an der Uni: Marcel Beyer („Flughunde“) kommt am 12. Januar 2016 ins Literaturhaus.

Quelle: op-online.de

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