Garantie für den Osthafen

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Wirtschaftsdezernent Frank: Schöner Wohnen ist hier unmöglich

Frankfurt - „Wir wollen hier fleißige und fröhliche Unternehmen mit ordentlicher Wertschöpfung“, verkündete der CDU-Politiker griffig. Von Michael Eschenauer

Um für die 32 Großunternehmen und vielen kleineren Betriebe mit insgesamt 13.000 bis 14.000 direkt oder indirekt hier tätigen Arbeitnehmern mehr Planungssicherheit herzustellen, werde es Mietverträge für die Grundstücke mit Laufzeiten „bis zum Jahre 2050, 2060“ geben, so Frank. Der Osthafen sei ein strategisches Element für die wirtschaftliche Basis der Stadt, die allzuoft nur als Bankenmetropole wahrgenommen werde, aber auch dem Blaumann-Bereich Raum geben müsse. „Schöner Wohnen“, so Frank, „ist im Drei-Schicht-Betrieb nicht möglich“.

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Frankfurt kann derzeit seinen Lohn dafür kassieren, dass es ihm in den vergangenen Monaten gelungen ist, bei den Hafenunternehmen eine massive Investitionsblockade zu brechen. „Wir konnten die Befürchtungen der Unternehmen zerstreuen, dass hier, ähnlich wie im Westhafen, Wohnungsbau geplant ist“, so der Wirtschaftsdezernent. Eine Wohnnutzung verträgt sich nur sehr schwer mit den bisweilen geräusch- und emissionsintensiven Hafenbetrieben. Deshalb wären im Falle von Wohnungsbau empfindliche Betriebseinschränkungen unvermeidbar gewesen. Nichts fürchten die Firmen mehr als so etwas.

Keine Lärmbelastung der Bewohner

Die Reaktion auf die klare Ansage der Stadt: „Kein Wohnungsbau“ - kam prompt: Christian Eichmeier, Vorsitzender der Gemeinschaft Frankfurter Hafenanlieger (GFH) und Chef der Contargo Rhein-Main GmbH (Rhenus-Gruppe), bezifferte gestern die in den kommenden acht Jahren geplanten Investitionen im Osthafen auf 100 Millionen Euro. Dies habe eine Umfrage unter den 30 Mitgliedsbetrieben ergeben. Bereits in den vergangenen fünf Jahren hätten die Industrie- und Logistikunternehmen vor Ort 50 Millionen Euro investiert. Allein „seine“ Contargo GmbH stehe unmittelbar davor, für 20 Millionen Euro ihr Containerterminal im Osthafen zu erweitern.

Der bedeutendste Firmenbereich im Frankfurter Osthafen sind die Dienstleistungsbetriebe, zum Beispiel Logistikunternehmen, gefolgt von Baustoffhandlungen und Baustoffherstellern sowie Recycling-Firmen.

Wirtschaftsdezernent Frank befürchtet angesichts seines Eintretens für den Osthafen als Industriestandort keine neuen Reibereien mit Offenbach, wo die Bauarbeiten für das Hafenviertel begonnen haben. „Durch die Verteilung der verschiedenen Nutzungen und durch die Gebäudematerialien wird es, da bin ich sicher, keine Lärmbelastung der Bewohner durch unseren Hafen geben.“

Bessere Ausnutzung des Betriebsgeländes

Schauplatz eines der größten Investitionsvorhabens ist derzeit die Hildebrand-Mühle, bekannt durch ihren deutlich vom Mainufer in Höhe der Gerbermühle zu sehenden „Aurora“-Stern. Hier wird nach Angaben von Werksleiter Jan Gausepohl derzeit für 9,5 Millionen Euro das zweigliedrige Mühlensystem umgebaut. „Unser Ziel ist es, dass die Mühle künftig statt wie bisher an 220 Tagen an 340 Tagen im Jahr laufen kann.“ Die Hildebrandmühle (Leistung 130.000 Tonnen Getreide pro Jahr) ist die mit Abstand größte hessische Getreidemühle.

Christoph Kempkes, Vorstandsvorsitzender der VK Mühlen AG, nannte sie einen wichtigen Baustein im Zukunftskonzept seines Konzerns. Hinter „VK Mühlen“ steht Europas größtes Mühlenunternehmen. Neun Standorte - auch die Mühle im Osthafen - befinden sich im Portfolio. Kempkes zeigte sich offen für Planungen Frankfurts, das Industrieareal zu verdichten, um mehr Betriebe anzusiedeln. Im Konzern, der derzeit „kein Geld verdient“, stehe alles auf dem Prüfstand, um wettbewerbsfähiger zu werden. Deshalb sei auch die bessere Ausnutzung des Betriebsgeländes von Vorteil.

Quelle: op-online.de

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