Ein Gartenkünstler aus Bockenheim

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Heinrich Siesmayer in Öl. Der Schöpfer des Gemäldes, das im Palmengarten hängt, ist unbekannt.

Frankfurt/Bad Nauheim ‐ Der junge Gärtnergehilfe besaß nichts, hatte also auch nichts zu verlieren. Er vertraute darauf, was er bei seinem Lehrmeister, dem Frankfurter Gartenkünstler Sebastian Rinz, gelernt hatte und setzte ansonsten auf seine gute körperliche Konstitution. Von Christian Riethmüller

Seine Mittellosigkeit hätte es Heinrich Siesmayer (1817-1900) trotzdem fast unmöglich gemacht, den Traum von der Selbständigkeit zu verwirklichen. Schon bei dem Ansinnen, seinen Wohnsitz in Bockenheim nehmen zu wollen - damals noch ein Nachbarort Frankfurts - legten ihm die zuständigen kurhessischen Behörden Steine in den Weg. Doch Siesmayer gelang es, alle Hindernisse zu überwinden. Hilfe erhielt er von seinem Vater Jakob Philipp und seinem Bruder Nicolaus, beide ebenfalls Gärtner, mit denen er im Jahr 1842 in der Bockenheimer Schlossstraße die Firma „Gebrüder Siesmayer“ gründete.

Dieses Unternehmen sollte sich innerhalb von zehn Jahren zu einem großen Gartenbaubetrieb entwickeln, der sowohl Pflanzen züchtete, Parks neu anlegte und unterhielt wie auch hölzerne Gartenpavillons herstellte. Damit war Siesmayer in der Lage, auch größere Projekte in die Tat umsetzen zu können, was sich etwa bei der Anlage der Mainlust, eines Vorgängers des noch heute existierenden „Nizza“ am Frankfurter Mainufer zeigen sollte.

Gärtnerei in Bockenheim florierte weiter

Verwirklichte Siesmayer hier noch Entwürfe seines Lehrmeisters Rinz, folgten bald eigene landschaftsgärtnerische Arbeiten, etwa das Hofgut Goldstein. Für die Planung und Anlage des sechs Hektar großen Parks erhielt er 60.000 Gulden und war seine finanziellen Sorgen los.

Die Gärtnerei in Bockenheim florierte weiter. Aufgrund der Nähe zum dortigen Bahnhof (heute der Frankfurter Westbahnhof) konnte Siesmayer Bäume und Sträucher waggonweise mit der Eisenbahn verschicken. Das Unternehmen soll schließlich über 400 Mitarbeiter gehabt haben, die etwa bei der Anlage von Landschaftsparks in Baden-Baden oder in Mainz (Stadtpark) tätig waren.

Die Großwerke sollten aber erst noch folgen. 1855 setzte er seinen ganzen Ehrgeiz daran, an einem Wettbewerb für den neuen Kurpark in Bad Nauheim teilzunehmen. Ausgelobt war die Konkurrenz von der hessisch-kurfürstlichen Regierung in Kassel, die Siesmayer erst gar nicht die Wettbewerbsunterlagen geben wollten. Der Gartenbauer musste erst seine Beziehungen spielen lassen, um doch noch drei Tage vor Ende der Abgabefrist seinen Entwurf einreichen zu dürfen. Der Zuschlag kam dafür von „allerhöchstem Ort“, von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. selbst. Dieser Plan, gelobt für seine „großartigen, ästhetischen Formen“, bildet die Grundlage des heutigen Kurparks.

Sammlung für Stadt Frankfurt erwerben

Für diese Arbeit wurde Siesmayer zum Bad Nauheimer Ehrenbürger ernannt. Siesmayers Arbeiten am Kurpark begannen 1857 und dauerten zwei Jahre. Dem Park blieb er bis an sein Lebensende verbunden. Wie er in seinen Erinnerungen schreibt, fuhr er 34 Jahre lang „so ziemlich jeden Samstag“ mit dem Zug nach Bad Nauheim.

War der Kurpark schon ein großer Wurf, so übertraf sich Siesmayer mit einer anderen Idee selbst. Als Herzog Adolf von Nassau im Jahr 1866 von den Preußen gezwungen wurde, sein Schloss in Biebrich zu räumen, musste er seine Sammlung tropischer Pflanzen abgeben. Siesmayer sollte den Verkauf übernehmen und kam sofort auf den Gedanken, die Sammlung für die Stadt Frankfurt zu erwerben und dort ein Terrain für die Pflanzen anzulegen. Das war der mit Hilfe wohlhabender Frankfurter Bürger in die Tat umgesetzte Plan für die Gründung des Palmengartens, mit dessen Anlage Heinrich Siesmayer unsterblich geworden ist. Über den Gartenkünstler informiert auch das empfehlenswerte Buch „Siesmayers Gärten“ (Societätsverlag) von Barbara Vogt.

Quelle: op-online.de

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